DOAG Deutsche ORACLE-Anwendergruppe e.V.
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Hartes Geschäft Hardware

Als Oracle-CEO Larry Ellison am 20. April 2009 den Kauf von Sun-Microsystems ankündigte, hieß es: "Diese Akquisition wird die gesamte IT-Industrie verändern". Dass dies auch Veränderungen innerhalb der Unternehmensstruktur mit sich bringen würde, dürften sowohl dem Oracle-Chef als auch seine Präsidentin und Finanzchefin Safra Catz klar gewesen sein. Doch nach der Bekanntgabe der Ergebnisse für das zweite Finanzquartal im Dezember 2011 (wir berichteten) entsteht der Eindruck, der Einstieg ins Hardwaregeschäft könnte Oracle womöglich schwerer fallen, als der Konzern es geplant hatte –  zumal eher Java und Solaris die 7,4 Milliarden Dollar schwere Akquisition motiviert hatten.

Jedenfalls bereitet die Hardware-Sparte einige Sorgen. Dies veranlasste Jürgen Kunz, Geschäftsführer von Oracle Deutschland, sich in der Financial Times Deutschland zu dem Thema zu äußern. 

"Das klassische Hardwaregeschäft lief nicht besonders gut, weil wir in dem Bereich nach der Sun-Übernahme viel umgestellt haben", zitiert die Zeitung den Deutschland-Chef. "Daraus erklärt sich die Delle in dem Bereich." Er sei aber weit davon entfernt, eine Krise auszurufen, heißt es in dem Artikel weiter. 

Ein weiterer Grund für die enttäuschenden Ergebnisse in diesem Quartal könnten die Verträge der End-to-End-Produkte wie Exadata und Exalogic sein, die sich als komplex erweisen. Dadurch seien die Vertragsverhandlungen vielschichtiger und langwieriger geworden, erklärt Kunz. „Man muss sicher sehen, wie sich der Markt jetzt entwickelt. Aber wir blicken aufgrund der Tatsache, dass wir so breit aufgestellt sind, optimistisch in die Zukunft.“

Nichts desto trotz scheint Oracle an seiner Strategie zu halten und setzt weiterhin auf die Komplettsysteme, die Kunz als „die nächste Generation der IT-Anwendungen“ bezeichnet. 

Laut Oracle Chef Larry Ellison seien bereits 200 dieser Maschinen verkauft worden. Für das restliche Fiskaljahr will Oracle weitere 100 bis 200 integrierte Lösungen verkaufen. Die Big Data Appliance, Oracle Exalytics Business Intelligence Machine und Sparc-Supercluster sind weitere Systeme, die demnächst für Umsatz sorgen könnten. 

Zum weiteren Sorgekind des Unternehmens im Bereich Infrastruktur könnte laut Jay Lyman das Betriebssystem und Sun-Erbstück Solaris werden: Der Analyst der 451 Group predigte in dem Unternehmensblog im Jahre 2012 die Dominanz von Linux auf dem Markt. Einer Umfrage zufolge könnten viele Anwender Solaris den Rücken kehren, um zu Linux zu migrieren. Von mehr als 165 befragten Server-Profis gaben  55 Prozent an, ihre Ausgaben bezüglich Oracle-Lösungen herunterschrauben zu wollen. Dabei könnten auch Unbreakable Linux-Kunden abwandern und Lösungen wie Red Hat, SUSE oder Ubuntu vorziehen. 

24.01.2012 Infrastruktur
Von: mdi