Warum glänzt SAP mit Rekord-Zahlen und was kann Oracle daraus lernen?
Während Oracle mit seinen Software- und Hardware-Sparten zu kämpfen hat, reibt sich sein Erzfeind SAP die Hände: Nun hat das Software-Unternehmen seine Quartalszahlen offengelegt und stolziert mit den „besten Ergebnissen seiner Unternehmensgeschichte“. Wo man auch hinschaut, brummt das Geschäft: Die Softwareerlöse stiegen im vierten Quartal 2011 um 16 Prozent auf 1,74 Milliarden Euro, mit SAP HANA, der hauseigenen In-Memory-Datenbank, wurden über 160 Millionen Euro erzielt. SAP hat die Nase vorn und erfreut die Anleger.
Währenddessen erholte sich die Oracle-Aktie nun langsam von dem Kursrutsch, den die Bekanntgabe seiner Quartalszahlen verursacht hatte, und der Konzern geriet weiterhin in die Schlagzeilen – fiel dabei allerdings eher negativ auf: Mark Hurd, Larry Ellisons rechte Hand, holte seine HP-Vergangenheit ein, im Java-Patentstreit verärgerte Oracle den Richter William Alsup mit Schadensersatzforderungen, die er als „stratosphärisch“ bezeichnete und die Unwissenheit über Oracles Strategie sorgte weiterhin für reichlich Gesprächsstoff.
Besonders jetzt, wo deutlich wird, dass es sich um interne Schwierigkeiten handelt, vergleichen Beobachter und Analysten, was vergleichbar ist: Denn nicht nur SAP geht es blendend. Auch der ERP-Anbieter Infor kündigte ein organisches Wachstum im ERP-Bereich an und das Kerngeschäft der ERP-Lösungen wuchs im vergangenen Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 25 Prozent. Alles deutet darauf hin, dass Oracle erheblich mehr erreichen könnte, wenn das Unternehmen den Kurs wechseln und flexibler auf die Kundenbelange eingehen würde. Neben dem Engpass im Hardware-Bereich (wir berichten) ist immer noch die Applikation-Sparte im Fokus der Kritik.
Für Dr. Dietmar Neugebauer, Vorstandsvorsitzender der DOAG, ist der Konzern im Vergleich zu SAP zu zentral ausgerichtet, um die Besonderheiten der einzelnen Märkte berücksichtigen zu können. „Meiner Meinung nach hat Oracle zwar die technisch besseren Produkte, ihm fehlt aber die Offenheit, die andere Konkurrenten an den Tag legen“, betont er. „SAP hat mich mit einem positiven Ergebnis dieser Größenordnung sehr überrascht. Man kann das nur aus Kundensicht beurteilen – Konkurrenz belebt das Geschäft.“
Dass Oracle nicht mit offenen Karten spielt, ist im Grunde nichts Neues. Aber jetzt sprechen die Zahlen für sich. Die Business Solutions Community (BSC) der DOAG bemängelt seit geraumer Zeit die Kommunikation im Bereich Applications. „Der Markt weiß oft gar nicht, welche Angebote Oracle im Applikationsmarkt überhaupt hat“, meint Dr. Frank Schönthaler, Leiter der Business Solutions Community. "Zunächst einmal darf man SAP zu ihren guten Unternehmensergebnissen gratulieren. Eine Bewertung dieser Ergebnisse bedarf jedoch einer sorgfältigen Analyse, die bilanztechnische Aspekte ebenso berücksichtigt wie Auswirkungen der getätigten Akquisitionen. Aus Sicht der Anwender der Oracle Business Solutions im deutschsprachigen Markt sind die guten SAP-Zahlen jedoch auch ein Beleg für die wirtschaftliche Bedeutung des SAP-Heimatmarkts für Hersteller von Business-Applikationen. Und es entsteht der Eindruck, dass der Applikationshersteller Oracle hier interessante Marktpotenziale ungenutzt lässt."
Ready for prime-time?
Nicht nur auf dem deutschsprachigen Markt ist die Aufregung groß. Nomura-Analyst Rick Sherlund spricht von einer „Fusion Confusion“ und erklärt die Verwirrung auf dem USA-Markt folgendermaßen: Zuerst einmal sind auch in den USA die neuen Fusion Applications nicht sonderlich vermarktet worden, kritisiert der Autor. Viele Kunden würden zudem auf den Kauf der alten Applikationen verzichten, andererseits hätten sie aber Bedenken bezüglich des Reifegrads der Fusion-Lösung. Das Ergebnis sei Konsumverweigerung.
Dies ist für Schönthaler allerdings eine Besonderheit des amerikanischen Marktes. In den USA würden Kunden stets das Neuste vom Neusten haben wollen. „Für den deutschsprachigen Markt lasse ich dies nicht gelten. Oracle und seine Implementierungspartner kommunizieren, dass die Fusion Applications eine zusätzliche Produktlinie neben den bestehenden Produkten darstellen“, betont er. In dieser Hinsicht sei die Botschaft klar.
Dass die Amerikaner denken, die Fusion Applications sei vielleicht nicht „ready for prime-time“, könnte auch zum Teil mit der Verlängerung des Premier Supports bei der E-Business Suite (EBS) 12.1 und 11.5.10 zusammenhängen. Oracle war hier den Forderungen der Oracle Anwendervereinigung DOAG, OAUG, Quest und andere nachgekommen und hatte Ende 2011 den Premier Support für die EBS 12.1 um ein Jahr verlängert, kurz darauf dann bei der Version 11.5.10 drei Jahre drangehängt.
"Aus Sicht der Kunden und Implementierungspartner ist es positiv zu bewerten, dass Oracle seine Kunden nicht zum Umstieg 'pusht'", bemerkt Schönthaler. "Vielmehr werden die bestehenden Produktlinien bewusst weiterentwickelt und weiterunterstützt. Und die Oracle-Strategie im deutschsprachigen Markt besteht darin, Softwareerlöse mit den bestehenden Produktlinien zu erzielen. Dass die Wege hierzu 'suboptimal' sind, wird von der DOAG BSC seit langem kritisiert und auch im Rahmen der DOAG 2012 Applications noch einmal deutlich thematisiert."
Das Rennen zwischen SAP und Oracle geht in die nächste Runde. SAP hatte im Dezember den Kauf vom Cloud-Anbieter SucessFactors angekündigt. Nachdem Oracle seine Cloud-Lösungen im Oktober auf der Oracle OpenWorld vorgestellt und mit der Übernahme des führenden Cloud-Applikationsanbieters RightNow ergänzt hat, steht auch SAP demnächst der Weg zum Cloud Computing offen.







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