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  • Von: DOAG Online
  • Development
  • 07.02.2018

DevCamp 2018: No risk, no fun – Umstellung auf Microservices bei Otto.de inspiriert Teilnehmer

Gestikulierende Menschen stehen in einem Vortragsraum des Hamburger Hotels Ameron zwischen leeren Stuhlreihen auf einem Fuß und wedeln mit den Händen. Ein bärtiger Mann in gemustertem Hemd hält einen Sitzhocker über dem Kopf, während einige Personen auf Stühle steigen. Dies ist ein seltener Anblick bei Veranstaltungen der DOAG und doch entspricht der Augenblick ziemlich genau dem Grundgedanken des DOAG DevCamps, das am 30. und 31. Januar zum fünften Mal stattfand: Mit bewährten Mustern brechen und neue Impulse zulassen.

Das DevCamp ist eine mutige Angelegenheit: Es ist nicht einfach, eine Veranstaltung ohne ersichtliches Programm zu organisieren. Für viele Interessierte ist es eine Herausforderung, den eigenen Chef von einer Teilnahme zu überzeugen. Vor Ort kostet es auch manch einen Besucher Überwindung, ein Sessionthema vorzuschlagen oder sich aktiv in Diskussionen einzubringen. Und dann erwischt man sich auch noch währenddessen, abseits jeglicher Komfortzone und sozialer Konventionen, auf einem Stuhl gestikulierend. Doch wie heißt es so schön? No Risk, no fun.

Die eben beschriebenen Beobachtungen entstammen tatsächlich der interaktiven Keynote von Trainer Leander Greitemann am zweiten Tag des DevCamps. Dieser lud die rund 60 Teilnehmer nicht nur ein, einen Perspektivwechsel zu wagen und die eigene Überwindung herauszufordern. Er brachte sie auch dazu, über ihre persönlichen Wahrnehmungen und Einstellungen nachzudenken – ganz nach dem Motto "love it, change it or leave it".

In der historischen, denkmalgeschützten Kaffeebörse trafen neugierige und mutige Teilnehmer zusammen und ließen sich voll und ganz auf das zweitägige Experiment ein. So entstand ein spontan zusammengeschnürtes Programm mit vielen unterschiedlichen Einflüssen – von traditionellen Themen wie Datenmanagement, Forms, Reports, ADF oder APEX bis hin zu den Trendthemen IoT, Analytics, Blockchain oder DevOps.

Für den nötigen technischen Blick über den Tellerrand sorgte am ersten Tag Guido Steinacker, Executive Software-Architekt im Bereich E-Commerce bei otto.de, mit sehr ehrlichen Einblicken in die Arbeit des Online-Shop-Betreibers.

Vor der Umstellung auf Microservices, deren Startschuss im Jahr 2010 erfolgte, hatte es Otto.de mit einem komplexen monolithischen System zu tun. Dieses skalierte nicht mehr horizontal und Änderungen konnten nur mit erheblichen Verzögerungen live gestellt werden: Es habe alle zwei Monate ein Major-Release und nur gelegentlich Content-Aktualisierungen gegeben. Qualitätssicherung? Zu dem Zeitpunkt lahmgelegt. 

"Und dann gab‘s die Macbook-Panne", sagte Steinacker grimassierend. Ein Mitarbeiter hatte ein Notebook fälschlicherweise mit dem Preis der Laptop-Tasche veröffentlicht. Weil Änderungen sich nicht unmittelbar live stellen ließen, konnten aufmerksame Kunden den ganzen Tag lang Macbooks zu einem Schnäppchenpreis kaufen. "Eine teure Aktion", fasst Steinacker zusammen.

Wer wagt gewinnt, heißt es so schön. Mittlerweile besteht der Online-Shop aus rund 200 Microservices, die von 20 Teams eigenverantwortlich entwickelt und administriert werden. Pro Woche werden etwa 800 Releases eingespielt. 90 Prozent der Deployments erfolgen voll automatisiert. "Keep calm and deploy", so die Devise in den Teams, bei denen inzwischen auch Pair Programming zum Alltag gehört. 

Die Keynote beeinflusste die Inhalte der Veranstaltung sehr stark: Bei der anschließenden Sessionplanung entschlossen sich die Teilnehmer, das Thema Microservices in Anwesenheit des Spezialisten in unterschiedlichen Sessions zu vertiefen. Dabei standen nicht nur Veränderungsprozesse und strukturelle sowie kulturelle Fragestellungen im Mittelpunkt: Die Teilnehmer beschäftigten sich auch mit konkreten Vorhaben im eigenen Unternehmen (zum Beispiel von Forms zu Microservices).

Fazit: Durchweg positives Feedback, viel Spaß, neue Ideen, nette Menschen und eine Beteiligung (leider nur) auf dem Vorjahresniveau – nächstes Jahr unbedingt wieder aus der Komfortzone wagen!