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  • Von: Sebastian Höing
  • Themen
  • 21.09.2017

„Die Menschen in Südafrika sind offen und relaxed“

Wenn Wolfgang Scherrer über seine Arbeit im Vorstand in der Südafrikanischen Oracle User Group (SAOUG) erzählt, dann ist er nicht zu bremsen. Mit Begeisterung beschreibt er, wie er vor mehr als 20 Jahren den ersten Kontakt zur SAOUG aufgebaut hat. Doch wie ist die Arbeit in Südafrika? Mit welchen Problemen hat man täglich zu kämpfen?

Wolfgang, wie kommt ein Deutscher überhaupt in den Vorstand der SAOUG?

Vor ungefähr 20 Jahren habe ich bereits die ersten Kontakte aufgebaut. Damals nahm ich noch rein aus Interesse an den Konferenzen der afrikanischen User Groups teil. Zu diesem Zeitpunkt war ich für die Oracle User Groups weltweit aktiv, um Kunden bei Lokalisierungsproblemen mit der Oracle E-Business Suite zu unterstützen – auch für Kunden in Afrika. Vor etwa sieben Jahren fragte man mich, ob ich aktiv in der SAOUG mitarbeiten möchte.

Was ist für dich das Spannende an der Arbeit in Afrika?

Für mich ist es immer wieder spannend mit Menschen zusammenzuarbeiten, welche einen anderen kulturellen Hintergrund haben. Die Einwohner des südlichen Afrika sind grundsätzlich fröhlich und offen. Die Abendveranstaltung in einer afrikanischen User Group ist viel lockerer, es wird mehr kommuniziert als zum Beispiel bei einer Veranstaltung in Deutschland. Das liegt auch gerade an der jungen, heranwachsenden Generation, die nun immer mehr Positionen im IT-Bereich übernimmt und diesen bereits deutlich prägt.

Mit welchen Herausforderungen haben IT-Unternehmen täglich zu kämpfen?

Eine Herausforderung für Oracle ist aktuell sicherlich die fehlende Akzeptanz für Cloud-Computing. Das hängt zum Teil damit zusammen, dass es bei der Infrastruktur häufig zu Ausfällen und Störungen des Leitungsnetzes kommt. Alles was dann nicht über Mobilfunk geht, ist in diesem Moment nicht mehr verfügbar. Aus diesem Grund haben vor allem Großunternehmen oft Notstromaggregate, um für einen Ausfall des Stromnetzes das Rechenzentrum weiter betreiben zu können. Ferner ist aus meiner Erfahrung auch die Internetanbindung mittels internationaler Seekabel ein Problem. Hier kommt es zu Performance-Problemen da die Nachfrage nach Durchsatz schneller steigt als das Angebot an Kapazität.

Was bedeutet das denn für Unternehmen wie Oracle?

Für Oracle ergeben sich einige Schwierigkeiten. Sobald man den afrikanischen Kontinent betritt, hat man nicht mehr die gleiche Qualität der Internetverbindung, wie man es woanders gewohnt ist. Wenn dann die Cloud-Hardware nicht auf demselben Kontinent, dem gleichen Land steht, dann gibt es Probleme, diese zu etablieren.

Wie ist denn die IT-Landschaft in Südafrika strukturiert?

Grundsätzlich gibt es auf Kundenseite keinen klassischen Mittelstand, so wie wir ihn von Deutschland kennen, sondern entweder nur Groß- oder Kleinunternehmen. Oracle-Software wird im Wesentlichen in Großunternehmen eingesetzt. Das sind staatliche Organisationen, Banken und Handelskonzerne. Produktions- und Herstellungsunternehmen sind hier eher weniger vertreten. Hier hat der Konkurrent SAP eine starke Basis. Südafrika bedient aufgrund seiner wirtschaftlichen Ausgangslage auch seine Nachbarländer mit IT-Infrastruktur, zum Beispiel Botswana, Mauritius oder Angola.

Wie organisieren sich die SAOUG-Mitglieder und wie sehen User-Group-Treffen aus?

Wenn ich das mit Europa oder Deutschland vergleiche, dann sind die Mitglieder der SAOUG sehr von einem konsumorientierten Verhalten geprägt. Es ist enorm schwierig, Speaker für Treffen zu finden. Häufig kommen Speaker nur aus Partnerunternehmen. Die meisten Treffen gehen nicht über einen oder mehrere Tage, sondern nur einige Stunden. Aus der Ecke der Endanwender kommt relativ wenig. Wenn man eine Veranstaltung organisiert, dann ist der Zuspruch durchaus vorhanden. Für die User Group ist es enorm schwer, da sie alle Inhalte und die Vermarktung für eine Veranstaltung selber erledigen muss. Was noch hinzukommt, ist, dass Südafrika strukturell von großen Standorten geprägt ist. Die geschäftliche Tätigkeit ist auf Johannesburg, Kapstadt und eher seltener Durban konzentriert. Ferner ist auch die Zahlungsmoral der Mitglieder für die Konferenzbeiträge problematisch. Leider ist auch in diesem Bereich eine gewisse Lässigkeit vorhanden, hinzu kommt noch die überbordente Administration bedingt durch gesetzliche Vorgaben.

Investieren Tech-Unternehmen aus dem Westen viel in Südafrika?

Es sind nur sehr wenige Unternehmen aus Europa in Südafrika unterwegs. SAP hat im ERP Bereich einen signifikanten Marktanteil. Das hängt damit zusammen, dass große Konzerne, die SAP nutzen, wie BMW oder Mercedes, hier ihre Niederlassung haben und auch hier fertigen. US-amerikanische IT-Unternehmen findet man relativ selten. Das hängt aber auch mit der wirtschaftlichen Lage des südlichen Afrika, speziell Südafrika, als auch mit dem Wechselkurs zusammen.

Wie würdest du die nächsten zehn Jahre der IT-Landschaft Südafrikas beschreiben?

Es wird sich sehr viel auf mobile Geräte konzentrieren und diese werden ihre marktbeherrschende Stellung im IT-Bereich ausbauen – noch viel stärker als in Europa. Mobiles Bezahlen mit dem Telefon ist jetzt schon gang und gäbe und mobile Bezahlsysteme gibt es hier schon länger. Der komplette Geldtransfer wird sich noch schneller und viel stärker als bei uns auf mobile Geräte verlagern.

  • www.saoug.co.za
  • Gegründet: Januar 1996
  • ca. 300-400 Mitglieder, davon viele Unternehmen

Das Interview erschien in dem Magazin ORAWORLD.