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  • Von: DOAG Online
  • Themen
  • 13.11.2013

DOAG 2013 Konferenz + Ausstellung: Ein bisschen Gehirntuning für mehr Innovation, gefälligst?

Wir Menschen schätzen uns als intelligent ein, haben in vielen Fällen eine Hochschulausbildung genossen. Wir können mit Zahlen gut umgehen, sind erfolgreich im Job. Wir können rechnen, lesen, analysieren, schlussfolgern, entscheiden. Wahrscheinlich sind diese Gegebenheiten für die meisten Menschen eine Bestätigung der Leistungsfähigkeit ihrer grauen Materie. Aber reicht es als Kriterium? Oder beurteilen wir vielleicht doch unsere Denksoftware mit einer Selbstgefälligkeit sondergleichen? Denn Tatsache ist: Die Datenverarbeitung unseres Gehirns verläuft oftmals fehlerhaft, ohne dass wir es auch nur merken. Und wenn es darum geht, außerhalb der üblichen Muster neue Wege einzuschlagen und innovativ zu sein, wird es für viele zunächst einmal ungemütlich. Ein Vorgeschmack auf die Keynote und Podiumsdiskussion der DOAG 2013 Konferenz + Ausstellung.

Wir Menschen schätzen uns als intelligent ein, haben in vielen Fällen eine Hochschulausbildung genossen. Wir können mit Zahlen gut umgehen, sind erfolgreich im Job. Wir können rechnen, lesen, analysieren, schlussfolgern, entscheiden. Wahrscheinlich sind diese Gegebenheiten für die meisten Personen eine Bestätigung der Leistungsfähigkeit ihrer grauen Materie. Aber reicht es als Kriterium? Oder beurteilen wir vielleicht doch unsere Denk-Software mit einer Selbstgefälligkeit sondergleichen? Denn Tatsache ist: Die Datenverarbeitung unseres Gehirns verläuft oftmals fehlerhaft, ohne dass wir es auch nur merken. Und wenn es darum geht, außerhalb der üblichen Muster neue Wege einzuschlagen und innovativ zu sein, wird es für viele zunächst einmal ungemütlich. Ein Vorgeschmack auf die Keynote und Podiumsdiskussion der DOAG 2013 Konferenz + Ausstellung.

Im Grunde sind wir nichts anderes als eine große Rechenmaschine, ein System für Informationsverarbeitung. Und genau wie unsere Datenbanken fühlen wir uns mit dem relationalen Ansatz ziemlich wohl. Denn wir Menschen denken in Kategorien, Mustern, Tabellen. Wir versuchen unaufhörlich, neu gewonnene Erkenntnisse in die kleinen Schubladen unseres Gehirns hineinzupressen. Wir brauchen Strukturen – erst dann ergeben die Dinge einen Sinn. „Wir können nichts dagegen tun. Es ist den Menschen immanent“, meint Stephan Schneider, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Kiel, und beruft sich auf die Arbeit vom Entwicklungspsychologen und Konstruktivisten Jean Piaget. Dieser nannte diese Muster – das Verhalten und Denken betreffend – „Schemata“. Darin sind wir oftmals gefangen.

Wir denken falsch

Das erklärt, warum wir es uns so schwer tun, neue Ideen zu entwickeln. Auch der Kognitionswissenschaftler und Kreativforscher Edward de Bono beteuert seit Mitte der sechziger Jahre, dass wir falsch denken. Wir sind leicht besserwisserisch veranlagt und unverbesserlich in unserem Drang, die „Wahrheit“ zu beweisen. Das Analysieren und Argumentieren liegt uns relativ gut, es ist allerdings vergangenheitsbezogen. Es führt zu nichts Neuem.

Zu neuartigen Ideen indes führt das Querdenken – beteuern die Vertreter dieser Philosophie. „Querdenken erfordert vier Dinge: Erstens ist ein unvoreingenommener Blick auf Bestehendes notwendig. Zweitens verlangt es den Mut, Dogmen konsequent in Frage zu stellen. Drittens müssen die Ideenträger das Rückgrat haben, Neues auch umzusetzen – und zwar obwohl es oftmals gegen institutionalisierte Prinzipien verstößt. Und viertens gehört auch eine Portion Sturheit dazu: Querdenker glauben an ihre Ideen und setzen sie durch“, definiert Bestseller-Autor Dr. Peter Kreuz die Grundsätze des Querdenkens.

Prominent besetzte Podiumsdiskussion auf der DOAG 2013 Konferenz + Ausstellung

Im Anschluss an die Keynote von Dr. Peter Kreuz "Anstiftung zum Querdenken" moderiert Stefan Kinnen, Geschäftsleitung t&p Triestram & Partner GmbH, eine prominent besetzte Podiumsdiskussion zum Thema. 

Dr. Peter
Kreuz

Prof. Dieter
Kempf

Reiner
Ernst

Roland
Dürre

Urban
Lankes

Stefan
Kinnen

Neben Peter Kreuz, Querdenker und Bestseller-Autor, werden Prof. Dieter Kempf, Präsident der BITKOM und Vorstandsvorsitzender der DATEV eG, Reiner Ernst, Sales Director ORACLE Deutschland B.V. & Co. KG, Roland Dürre, Vorstandsvorsitzender der Interface AG und DOAG-Vorstandsmitglied Urban Lankes, Verwaltungsratspräsident und Co-Founder der Trivadis AG, eine anregende Diskussion über unterschiedliche Aspekte des Querdenkens führen.

Querdenker oder Querulant?

Die Reaktionen auf das „um-die-Ecke-Denken“, wie es auch gern genannt wird, sind recht unterschiedlich: Während das eine Lager das Thema als Heilmittel für die Wirtschaft anhimmelt, hat es das andere Lager insgeheim bereits zum Unwort des Jahres benannt. Für konservative Menschen gleicht die „Querdenkerei“ einer Lizenz für die Chaoten der Berufswelt, ihre anarchistische Veranlagung auszuleben, ohne die Verantwortung übernehmen zu müssen. „Wie unterscheidet man Querdenker und Querulanten“, lautet in diesem Zusammenhang eine oft gestellte Frage. Andere lehnen das Querdenken an sich nicht grundsätzlich ab, bedauern aber, dass es sich nach und nach als inszenierte Modeerscheinung entpuppt.

Ungeachtet der verschiedenen Meinungen zum Querdenken steht fest: Innovation ist für die Wirtschaft überlebenswichtig. „Schnell und billig – das können 1,3 Milliarden Chinesen und 1,2 Milliarden Inder besser als wir. Um aus der Masse herauszuragen, muss es uns gelingen, in der Wahrnehmung der Kunden einmalig und somit nicht austauschbar zu sein“, betont Kreuz.

Neue Ideen sind nicht logisch ableitbar

Neuartigkeit ist allerdings ein zweischneidiges Schwert: „Das Frappierende an neuen Ideen ist, dass sie erst im Nachhinein einleuchtend sind. Zunächst einmal sind sie einfach nur neu. Und was neu ist, passt nicht in die üblichen Denkmuster und ist demnach nicht logisch ableitbar.“, erklärt Schneider. Das mache es so schwierig, eine gute von einer schlechten Idee zu unterscheiden. Im Nachhinein ist man immer schlauer.

Aber wie kommt man eigentlich auf neue Ideen? Viele Menschen vertreten die Auffassung, Kreativität hätte etwas mit Andersartigkeit zu tun – ganz nach dem Motto: „Ich bin Künstler“. Das stimme nicht, betont de Bono. Kreative Menschen sind nicht von Natur aus anders, sie haben keine Begabung in die Wiege gelegt bekommen. Kreativität kann man erlernen. Für viele, die sich für unkreativ halten, mag es die Frage aufwerfen: Wie denn? Dafür gibt es Techniken, Methoden.

Kreativmethoden mit System und Regeln

Ob de Bonos „Sechs Denkhüte“ (Six Thinking Hats), die nach ihrem Erfinder genannte Osborn-Checkliste, oder die Open-Spaca-Methode von Harrison Owen – alle Ansätze laden dazu sein, aus den üblichen Denkschablonen auszubrechen. Wer denkt, dass Kreativität dem Chaos gleichzusetzen sei, der sei eines Besseren belehrt: Kreativität braucht System und Regeln. „Die Methoden sind einleuchtend und einfach umsetzbar“, meint Schneider zu de Bonos Ansatz.

Über Professor Stephan Schneider

Stephan Schneider ist seit 2009 Professor für allgemeine Betriebswirtschaftslehre (ABWL) und Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Kiel. Er beschäftigt sich unter anderem mit Datenmanagement in multinationalen Unternehmen sowie mit kognitivem Informationsmanagement und der Sicherstellung der Qualität von Wissen.

In diesem Zusammenhang wagt er auch einen Exkurs in die Kognitions- und Neurowissenschaften und setzt sich mit der Findung und Bewertung von Ideen auseinander. In einem Forschungsbericht hat er das 3-Dimensionsmodell der Wissensrekonstruktion: A priorische Sicherstellung der Güte generierten Wissens veröffentlicht. Dieser sowie eine Übersicht ausgewählter Informationspathologien können kostenfrei heruntergeladen werden.

Die Veröffentlichung eines Buches für Manager zu diesem Thema erscheint Ende dieses Jahres (2013) im Symposion Verlag. Prof. Schneider hat BWL an der Universität Regensburg studiert und an der European Business School (EBS) promoviert. Zwischen 2007 und 2009 war er als Professor für betriebliche Informationssysteme an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe tätig.

 

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung definierte de Bono Kreativität als nützlich und logisch. Allerdings brauchen wir einen Perspektivenwechsel, um sie in Gang zu bringen. Darauf muss man sich zuerst einmal einlassen. De Bono bezieht sich auf eine Harward-Studie, nach der 90 Prozent unseres Denkens von unseren Wahrnehmungen abhängt. Nicht – wie wir oftmals denken – von der Logik – nein, von unseren ganz persönlichen Wahrnehmungen. Um kreativ zu denken, muss man also umschalten können und die Welt mal aus der Vogel- mal aus der Froschperspektive betrachten können.

Ideendefekte – die kleinen Bugs unseres Gehirns

Schneider zieht die Brücke zwischen Kognitionswissenschaften und Informatik: „Verstehen wir, wie wir Informationen erzeugen, dann können wir auch im Unternehmen besser mit dem Know-how der eigenen Mitarbeiter umgehen. Ich beschäftige mich im Rahmen meiner Arbeit mit Informationen, die nicht da sind – beziehungsweise nicht in der Form, die sie haben sollten“. Auch das hat mit Wahrnehmungen zu tun. Diese erfolgen aktiv, selektiv und subjektiv und täuschen uns regelmäßig, ohne dass wir es auch nur merken. Inkonsistente Daten gibt es nicht nur in unseren Datenbanken, sondern auch en Masse in unserem Gehirn. Wir leiden alle unter Ideendefekten.

In der Psychologie nennt man sie Informationspathologien. Die Verwendung des Begriffs im betrieblichen Kontext geht auf den Organisationssoziologen Harold Wilensky zurück. Die kleinen Bugs unseres Gehirns können nicht behoben werden, aber ein Workaround ist durchaus möglich: „Jeder Mensch muss sich bewusst werden, dass er Fehler macht, wo er bisher keine vermutet hatte. Damit kann eine enorme Qualitätssteigerung erreicht werden“. 

Wissensmanagement: Wie arbeitet unsere Denk-Software?

In der Annahme unserer Unfehlbarkeit vertrauen wir blind auf das, was wir als Fakten erachten. Dabei vergessen wir, wie unsere Denk-Software überhaupt Informationen verarbeitet. Ziehen wir wieder die Wissenschaft heran und betrachten das Denken, die Ideen- und Entscheidungsfindung als Informationsverarbeitungsprozess eines kognitiven Systems.

Wir tun Tag für Tag nichts anders als Wissensmanagement. Bei einem Denkprozess passiert Folgendes: Neurobiologisch gesehen werden elektronische Veränderungen von Synapsen innerhalb eines Neuronenverbundes aktiviert. Somit werden Informationen angerufen, modifiziert, gelöscht, assoziiert oder abstrahiert. Diese Informationen sind allerdings das Ergebnis von Wahrnehmungen und diese spielen uns regelmäßig Streiche. Sie können einen negativen Einfluss auf unsere Kreativität haben, den wir überhaupt nicht vermuten.

Kleines Experiment: Wir und Anker

Das kann man anhand eines Experiments der Kognitionswissenschaftler Amos Tversky und Daniel Kahneman sehr schön anschaulich machen: Bei der Urteilsfindung orientieren sich Menschen an bereits vorhandenen Informationen (Ankern). Dabei muss der Anker nicht einmal in irgendeiner Weise im Zusammenhang zur Problemstellung stehen.

Die beiden Wissenschaftler haben zum Beispiel zwei Gruppen von jeweils vier Probanten folgende Frage gestellt: „Wie hoch schätzen Sie den prozentualen Anteil von afrikanischen Staaten unter den Mitgliedsstaaten der Vereinigten Nationen (UNO)?“ Bevor die Gruppen antworteten, mussten diese an einem Glücksrad drehen und eine Zufallszahl ermitteln. Das Rad zeigte bei der ersten Gruppe einen Wert von 10 an, bei der zweiten 65. Diese Werte, die vollkommen aus der Luft gegriffen waren, beeinflussten die Ergebnisse: In der ersten Gruppe lagen die Ergebnisse bei 15%, 18%, 20% und 30 %, während die zweite Gruppe die Werte von 50%, 45%, 30% und 25 % angab. Sie hatten sich unwissentlich an einen vorgegebenen Anker orientiert.

Was sagt es uns in Sachen Kreativität? Wir neigen dazu, am Bestehenden festzuhalten. Der Status Quo einer Situation ist ein Anker – und so bequem! Unter Zeitdruck wächst sogar die Gefahr, auf Anker zurückzugreifen, um ein schnelles Urteil fällen zu können. Sofern keine Anhaltspunkte existieren, suchen wir sogar bewusst in unserem persönlichen Umfeld nach Ersatz.

Querdenken in Organisationen?

In einer Organisation ist die Herausforderung noch höher. De Bono spricht sich für eine Institutionalisierung des Denkens aus. Kreatives Denken müsste seiner Meinung nach auf den Lehrplänen der Schulen stehen – das ist, zumindest in Europa, nicht der Fall. Es müsste ein Ministerium des Denkens geben. In Unternehmen sollte das Ideenmanagement genauso ernst genommen werden wie Controlling. „Viele Unternehmen fordern Ideenreichtum, belohnen aber dann tatsächlich Anpassung“, meint Peter Kreuz.

Das Ideenleben kennt der Berater in und auswendig. Auf der DOAG 2013 Konferenz + Austellung wird er die Keynote zum Abendevent halten und zum Querdenken anregen. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion, werden prominente Vertreter der IT-Branche diese Aspekte wieder aufnehmen – und wer weiß? Vielleicht auch mal den Anker hieven und neue Ideen in die Welt setzen…

 

Über Doktor Peter Kreuz

Peter Kreuz ist Business-Querdenker aus Leidenschaft, Anstifter, Mutmacher; Inspirator und Impulsgeber. „Bildreich und frech plädiert er dafür, anders zu denken und wieder Mut, Spaß und Leidenschaft in den Wirtschaftsalltag zu bringen“ schreibt das Manager Magazin über den Bestseller-Autoren und gefragten Referenten. Mit seiner Arbeit reißt Peter Kreuz Denkmauern ein und öffnet den Horizont für eine neue Art zu leben und zu arbeiten.

Darum geht es in seinen inspirierenden Vorträgen, mit denen er ein Publikum in über 20 Ländern erreicht hat und in seinen Büchern, die auf den Bestsellerlisten zu finden sind. Sein Titel "Alles, außer gewöhnlich" wurde 2007 als Wirtschaftsbuch des Jahres ausgezeichnet. Sein aktuelles Buch "Hört auf zu arbeiten" ist ein SPIEGEL-Bestseller.

Peter Kreuz hat Betriebswirtschaftslehre in Deutschland studiert, einen MBA Abschluss in den USA gemacht und in Sozial- und Wirtschaftswissenschaften promoviert.