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DOAG DevCamp: Sascha Wolter kommt als Keynote-Speaker und Teilgeber

Wer sich mit dem Internet of Things (IoT) beschäftigt, kommt an ihm nicht vorbei: Sascha Wolter ist einer der großen IoT-Gurus Deutschlands. Das Internet der Dinge ist daher auch Thema seiner Keynote beim DOAG DevCamp 2016 am 23. und 24. Februar in Bonn. Im Interview mit DOAG Online sprach er bereits vorab über den Nutzen von internetfähigen Zahnbürsten und die neuen Herausforderungen im Bereich IoT.

Herr Wolter, was erwartet die Teilnehmer des DOAG DevCamp in Ihrer Keynote?

In meinem Vortrag greife ich Beispiele aus Industrie und Alltag auf, um für das Internet der Dinge zu begeistern, ohne die Risiken zu verschweigen. Denn der Umgang mit elektronischen Systemen befindet sich in einem dramatischen Umbruch. Dank wachsender Leistungsfähigkeit gaukeln uns diese Systeme zunehmend ein natürliches Verhalten vor, das sich durch Antizipation und selbständiges Lernen auszeichnet. Gepaart mit neuartigen und immer besseren Interaktionsformen ähnelt das Benutzererlebnis immer mehr dem Umgang mit natürlichen Lebewesen – Joseph Weizenbaums ELIZA lässt grüßen.

Wie werden die Anwender auf die Veränderungen reagieren?

Die Erwartungshaltung der Anwender wird sich ebenfalls ändern. Ist es heute vielleicht nur ärgerlich, wenn ein Formular auf Basis der Postleitzahl nicht selbständig die Stadt erschließt, so könnte fehlende „Intelligenz“ bald schon zu einem Wettbewerbsnachteil werden. Doch glücklicherweise gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Einzelsysteme in eine Beziehung zueinander zu setzen und zu vernetzen. Mit verrückten, manchmal auch gruseligen Beispielen will ich eine Diskussion anregen, wie Entwickler ihrer Verantwortung gerecht werden und dem Nutzer letztendlich die vielfältigen Ängste vor smarten Objekten nehmen können.

Apropos verrückte Beispiele: Was haben wir denn davon, wenn plötzlich sogar unsere Zahnbürste mit dem Internet verbunden ist?

Häufig gibt es eine Diskrepanz zwischen der Erwartungshaltung seitens der Hersteller und der tatsächlichen Akzeptanz beim Kunden. Nur weil etwas technisch möglich ist und es ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell gibt, heißt das noch lange nicht, dass es auch einen für den Anwender erkennbaren Nutzen gibt und irgendjemand das Produkt kauft. Die Zahnbürste ist ein gutes Beispiel für diese vermeintliche Absurdität des Internet der Dinge. Vordergründig erscheint es eher so, als gehe es hier ausschließlich um technische Machbarkeit und kreative Kundenbindung. Doch im praktischen Einsatz erkennt man Vorteile: Beispielsweise motiviert der mit der Zahnbürste verbundene Highscore gerade Kinder zum regelmäßigen und gründlichen Putzen.

Was sind Ihrer Meinung nach die großen Herausforderungen beim Thema IoT?

Die multidisziplinäre Natur des Internet der Dinge wirft zahlreiche Fragen auf. Zuallererst jene nach dem eigentlichen Nutzen. Denn trotz aller technischen Möglichkeiten und Geschäftsmodelle fehlt es oftmals an einem klaren Nutzenversprechen. Insbesondere jetzt, wo sich der erste Hype um das Internet der Dinge legt und nicht mehr nur in erster Linie technikaffine Early-Adopter Begeisterung zeigen, sondern normale Konsumenten gewonnen werden müssen. Doch dafür ist ein wirklicher Nutzen erforderlich, denn noch sind IoT-Anwendungen häufig erst einmal teurer und komplizierter als konventionelle Lösungen.

Auch neue Interaktionsformen sind gefragt, da sich das Benutzererlebnis durch einen Paradigmenwechsel in der Benutzerschnittstelle stark verändert. Der Nutzer wird nicht mehr 1-zu-1 mit einem einzelnen Gerät interagieren, sondern steht inmitten der Benutzungsoberflächen aus einer Sammlung von intelligenten Geräten. Diese 1-zu-n-Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine geht über die heute gebräuchlichen Interaktionsformen hinaus: Alles wird zu einer Bedienoberfläche und die Geräte werden unsichtbar.

Zu den Herausforderungen zählen außerdem die gesellschaftlich relevanten Aspekte rund um Sicherheit und Privatsphäre. Ein wichtiger Aspekt wird dabei jedoch oft übersehen: Es geht nicht nur darum, dass Systeme sicher gegen Einbruch sind, sondern dass IoT-Lösungen und die verwendeten mentalen Modelle sich wie erwartet verhalten. Aufgrund der Komplexität, der Fragmentierung des Marktes und fehlender Standards ist das Sicherstellen einer solchen interoperablen und zuverlässigen Lösung eine der drängendsten Herausforderungen.

Worauf freuen Sie sich bei Ihrer Teilnahme am DevCamp am meisten?

Ich war schon bei zahlreichen Barcamps und genieße die Kombination aus Vorträgen und Diskussionsrunden, die von den Teilnehmern selbst maßgeblich gestaltet werden. Genau deshalb werde ich auch unabhängig von meinem Vortrag bei der Veranstaltung vor Ort sein und freue mich schon auf die Gespräche mit den anderen Teilnehmern: Das Internet der Dinge ist so vielschichtig, dass jeder etwas dazu beitragen und es gestalten kann.

 

Das DOAG DevCamp 2016 findet am 23. und 24. Februar in Bonn statt. Die Schwerpunkte liegen neben dem „Internet der Dinge“ auf den Themen „Forms 12c & Web Frameworks“, „Projektarbeit & Methodik“, „ADF“, „Mobile“ und „SOA & BPM“. Tickets gibt es zum Preis von 260 Euro für Mitglieder bzw. 325 Euro für Nicht-Mitglieder zu erwerben.