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  • Von: Marina Fischer
  • Lizenzierung
  • 20.05.2015

DOAG-Umfrage zum Einsatz von Server-Virtualisierung: Oracles Lizenzpolitik hat dramatische Konsequenzen

Die Unzufriedenheit bezüglich Oracles aktueller Lizenzbedingungen ist hoch. Aus Sorge um Investitionssicherheit planen fast 35 Prozent der Nutzer von Virtualisierungslösungen, sich von Oracle abzuwenden. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Umfrage der DOAG zum Einsatz von Server-Virtualisierung. Den Ernst der Lage verdeutlichen auch die mehr als 600 Teilnehmer, die sich an der anonymen Online-Umfrage beteiligt haben. Oracle verzichtete dennoch bisher auf eine offizielle Stellungnahme.

Die Unzufriedenheit bezüglich Oracles aktueller Lizenzbedingungen ist hoch. Aus Sorge um Investitionssicherheit planen fast 35 Prozent der Nutzer von Virtualisierungslösungen, sich von Oracle abzuwenden. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Umfrage der DOAG zum Einsatz von Server-Virtualisierung. Den Ernst der Lage verdeutlichen auch die mehr als 600 Teilnehmer, die sich an der anonymen Online-Umfrage beteiligt haben. Oracle verzichtete dennoch bisher auf eine offizielle Stellungnahme.

„Das Ergebnis der Umfrage ist für uns dramatisch und zeigt sehr deutlich, dass viele Anwender die Lizenzierungsregelungen für Virtualisierungsumgebungen nicht mehr akzeptieren und sich der drohenden teuren Nachlizenzierung für Oracle-Datenbanken entziehen möchten“, resümiert Dr. Dietmar Neugebauer, Vorsitzender der DOAG, das Ergebnis der Umfrage. Neben den 35 Prozent der befragten Nutzer von Virtualisierungslösungen, die Oracle ganz ablösen möchten, planen weitere 24 Prozent, dem Problem mit einem Workaround zu begegnen. Weitere 9 Prozent streben Verhandlungen mit Oracle an und 8 Prozent haben vor, die Virtualisierung bei Oracle-Produkten ganz zu entfernen. Von Oracles aktuellen Lizenzbedingungen „nicht betroffen“ sehen sich lediglich 11 Prozent der Befragten.


 

Frage: Wenn Sie eine Virtualisierungslösung einsetzen: Wie werden Sie auf Oracles aktuelle Lizenzbedingungen reagieren? 562 abgegebene Stimmen.

 

Befragte liefern konstruktive Lösungsvorschläge

Die Reaktionen der Befragten reichen von schlichter Empörung über Oracles Lizenzpraktiken bis hin zu konstruktiven Lösungsvorschlägen. Eine wie von vielen Befragten vorgeschlagene Anerkennung der vCPUs wäre dabei auch für die DOAG eine gute alternative Lösung. Ein zweiter Weg wäre die Anerkennung der Nutzung von DRS Host Affinity Rules als Hard Partitioning, ähnlich wie Oracle das Pinning von Cores bei der eigenen Oracle VM als Hard Partitioning anerkennt. Andere Befragte schlagen vor, die Prozessornutzung in den Oracle-Produkten zu protokollieren, oder nur den größten Server zu lizenzieren. Da unter VMware jederzeit nachweisbar ist, auf welchem physischen Server welche Software genutzt wird, empfiehlt ein anderer Anwender, dass dies das einzige Kriterium sein dürfe, welches den Lizenzbedarf beeinflusst.

Immer wieder steht auch die stark verbesserungswürdige Kommunikationspolitik von Oracle in der Kritik. Viele Teilnehmer wünschen sich ein White Paper, in dem Oracle endlich klar definiert, wie in Virtualisierungsumgebungen mit der Lizenzierung von Oracle-Produkten zu verfahren ist. Andere schlagen großzügige Übergangsfristen vor, die sicherstellen, dass sich die Lizenzgebühren nach einem Update der Virtualisierungslösung nicht von einem Tag auf den anderen vervielfachen.

Große Besorgnis und Unsicherheit auf Kundenseite

„Die sehr große Beteiligung an der Umfrage verdeutlicht die hohe Relevanz des Themas. Vor allem die große Anzahl und die Inhalte der abgegebenen Kommentare zeugen von der enormen Besorgnis und Unsicherheit, die zur Zeit in Hinblick auf Oracles Lizenzierungsregeln bezüglich dem Einsatz von Virtualisierungslösungen herrscht“, bewertet Michael Paege, stellvertretender Vorsitzender der DOAG und Leiter des Competence Center Lizenzierung, die Situation. Neugebauer ergänzt: „Oracle müsste dringend an einer transparenten Kommunikation gegenüber seinen Kunden arbeiten, um ihnen Planungssicherheit zu bieten und die Komplexität der Lizenzierungsthematik zu verringern.“

Die DOAG hatte Oracle die Umfrage-Ergebnisse sowie alle Vorschläge der befragten Anwender vorgelegt. Von Oracle hat die DOAG bisher keine offizielle Stellungnahme erhalten. Allerdings laufen noch Gespräche mit Vertretern des Headquarters über Lösungsvorschläge der DOAG. Die DOAG hofft, dass hieraus noch Ergebnisse erzielt werden können. „Wir werden nicht locker lassen und weiter auf eine akzeptable Lösung drängen“, so Neugebauer.

VMware: Shared Storage für Lizenzierung ausschlaggebend

Mit Abschluss der DOAG-Umfrage kamen außerdem weitere Informationen zur Lizenzierung von Oracle-Produkten hinsichtlich VMware ans Licht: Wurde bisher das Storage bei der Berechnung des Lizenzbedarfs außer Acht gelassen, so scheint es nun – ungeachtet der VMware-Version – der Fall zu sein, dass schlichtweg alle Cluster bzw. vCenter lizenziert werden müssen, die auf das gleiche Storage zugreifen. Von diesen Erfahrungen berichtet jedenfalls ein Anwender, bei dem während eines Audits eine Unterlizenzierung festgestellt wurde. Von Oracle erhielt er die Aussage, dass auch unter VMware 5.0 alle Cluster lizenziert werden müssten, falls ein gemeinsames Storage betrieben würde. Diese Praktik ist inzwischen durch die "License Management Services (LMS)" von  Oracle bestätigt. Mit Bekanntwerden dieser Informationen dürfte die Zahl derer, die über eine Ablösung von Oracle-Produkten nachdenken, noch weiter steigen.

Oracle Parking - Credits: House of Brink Technologies

Abbildung: Der amerikanische IT-Dienstleister House of Brick Technologies hat seine eigene Interpretation der Lizenzpolitik von Oracle. Credits: House of Bricks Technologies

 

Markt für Virtualisierungslösungen wächst weiter

Der Ernst der Lage wird auch in Anbetracht des deutschsprachigen Marktes für Virtualisierungslösungen deutlich: 86 Prozent der Befragten haben Virtualisierungslösungen bereits im Einsatz, 65 Prozent davon in Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, 25 Prozent in mittleren Unternehmen und 10 Prozent in Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern.

Weiterhin nutzen von den Befragten, die Virtualisierungslösungen einsetzen, rund 85 Prozent VMware. Damit ist VMware die mit Abstand am häufigsten eingesetzte Virtualisierungssoftware.

Frage 1 (Ist): Welche Virtualisierungssoftware haben Sie im Einsatz?
Frage 2 (Plan): Wenn Sie den Einsatz einer Virtualisierungssoftware planen: Welche Lösung soll eingesetzt werden?
Mehrfachantworten möglich.
Abgegebene Stimmen: 801 (Ist) bzw. 58 (Plan).

 

Auch das zu erwartende Wachstum des Marktes für Virtualisierungslösungen zeigt die Dringlichkeit zum Handeln. So planen etwa 42 Prozent der Befragten, die bisher keine Virtualisierungssoftware einsetzen, zukünftig deren Einsatz. 91 Prozent von ihnen würden sich dabei für VMware entscheiden.

Ist in Zukunft der Einsatz von VMware vorgesehen, hegt nahezu die Hälfte den Plan, Oracle endgültig abzulösen. 10 Prozent dieser Gruppe planen schon jetzt einen Workaround, 6 Prozent streben Verhandlungen mit Oracle an und 3 Prozent haben vor, die Virtualisierung bei Oracle-Produkten zu entfernen. 15 Prozent sehen sich als „nicht betroffen“.  

Frage: Wenn Sie planen, VMware einzusetzen: Wie werden Sie auf Oracles aktuelle Lizenzbedingungen reagieren?
32 abgegebene Stimmen.

 

Die Umfrage

An der DOAG-Umfrage, die vom 26. März bis 26. April 2015 online durchgeführt wurde, haben sich insgesamt 612 Personen beteiligt. Aus Deutschland stammten dabei 89 Prozent der Befragten, aus Österreich und der Schweiz jeweils 5 Prozent. 65 Prozent der Befragten gaben an, in Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern zu arbeiten, 25 Prozent sind in Unternehmen mit 50 bis 500 Mitarbeitern beschäftigt, 10 Prozent stammen aus Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern.