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  • Von: DOAG Online
  • Themen Datenbank
  • 30.09.2013

„Es nutzt wenig, Werkzeuge zu kaufen, wenn man nicht weiß, wie sie funktionieren“

Sie gelten als Top-Experten in Sachen Oracle Database. Sie heißen Graham Wood, Joze Senegacnik, Melanie Caffrey, Cary Millsap, Maria Colgan oder Christian Antognini und sind Mitglied des „OakTable“. Auf der DOAG 2013 Konferenz + Ausstellung werden sich die sogenannten „Oakies“ im Raum 3 (Shanghai) einnisten und die Datenbank regelrecht auseinandernehmen. Im Vorfeld hat sich DOAG Online mit Randolf Geist, Oakie seit 2009, unterhalten.

Sie gelten als Top-Experten in Sachen Oracle Database. Sie heißen Graham Wood, Joze Senegacnik, Melanie Caffrey, Cary Millsap, Maria Colgan oder Christian Antognini und sind Mitglied des „OakTable“. Auf der DOAG 2013 Konferenz + Ausstellung werden sich die sogenannten „Oakies“ im Raum 3 (Shanghai) einnisten und die Datenbank regelrecht auseinandernehmen. Im Vorfeld hat sich DOAG Online mit Randolf, Oakie seit 2009, unterhalten.

Randolf GeistKann man die „Oakies“ als Nerds bezeichnen?

Wahrscheinlich ist der Begriff tatsächlich geeignet (lacht). Wir sind Menschen, die Spaß daran haben, mit der Technologie herumzuspielen. Es ist ein Spleen. Wir beschäftigen uns auch in unserer Freizeit damit. Also insofern: Ja, wir sind Nerds.

Wer sind die Oakies und womit beschäftigen sie sich?

Wir sind alle Datenbank-Fuzzis. Es kann mal Richtung Entwicklung oder Applications gehen, aber wir fokussieren uns hauptsächlich auf das Kernprodukt Datenbank. Wir setzen uns mit technischen Details auseinander, die nicht unbedingt in Lehrbüchern zu finden sind.

Die Themen, mit denen wir uns überwiegend beschäftigen, müssen nicht unbedingt dem jeweils aktuellen Hype entsprechen. Buzz-Wörter wie Big Data oder Cloud Computing beeindrucken uns nicht besonders, wenn wir die dahinterliegende Technologie nicht interessant finden.

Ist es etwas Besonderes, Oakie zu sein?

Gute Frage…. Sagen wir es mal so: Die Außenwahrnehmung ist sehr gering. Die meisten Personen, mit denen ich es beruflich zu tun habe, wissen nicht, was der OakTable ist. Ich bin auch Oracle Ace Director - dieser "Titel" hört sich in Oracle-Kreisen viel toller an. Am Ace-Programm teilzunehmen, beeindruckt durchaus und wird entsprechend wahrgenommen.

Für mich persönlich hat die Mitgliedschaft im OakTable aber einen höheren Stellenwert. Der OakTable ist eine Gruppe von Top-Experten. Da geht es vorrangig um fachliche Qualität. Es sind Gleichgesinnte, die sich austauschen wollen. Daran teilzuhaben, ist natürlich eine schöne Bestätigung.

Was macht der OakTable eigentlich?

Die Oakies sind über den ganzen Erdball verteilt. Mittlerweile müssten es um die Hundert Mitglieder sein. Die Anzahl der organisierten Aktivitäten hält sich in Grenzen. Man schreibt gemeinsam an einem Buch, organisiert oder nimmt an Konferenzen teil. Der aktive Kern läuft sich tatsächlich auf Konferenzen über den Weg. Ansonsten findet der Austausch über eine nicht-öffentliche Mailing-List statt.

Wie würden Sie den OakTable charakterisieren?

Es ist eine Art Club. Das Prinzip ist ziemlich undemokratisch – aber das sind eben die Spielregeln von Clubs. Mitglied wird man auf Einladung. Zuerst muss man von jemandem, der bereits Mitglied ist, vorgeschlagen werden. Aber das reicht nicht:  Die Junta allein entscheidet über das Schicksal eines Anwärters. Die Junta ist eine Art Versammlung, die aus fünf/sechs Gründermitgliedern besteht. Die Aufnahme ist also ziemlich willkürlich.

Wie sind Sie selbst Oakie geworden?Randolf Geist

Ich bin seit 2009 Oakie. Meine Aufnahme in die Gruppe ist auf einen der Gründungsväter, Jonathan Lewis, zurückzuführen. Jonathan hat meine Forum- und Blog-Beiträge beobachtet und dachte offensichtlich, ich könnte ein geeignetes Mitglied des OakTable sein. Er schlug mich vor, die Junta war einverstanden. So einfach ist es. Jonathan und ich kannten uns übrigens schon von früher: Wir waren uns bereits häufig elektronisch über den Weg gelaufen. 2007 haben wir uns dann persönlich bei einem Kunden getroffen. Das persönliche Kennenlernen hat sicherlich auch geholfen, ist aber keine zwingende Voraussetzung für eine Aufnahme.

Es gibt relativ wenig deutsche Mitglieder. Eine sehr oberflächliche Recherche hat ergeben, dass Sie als einziger in Deutschland leben...

Das finde ich nicht besonders erstaunlich: Um der Gruppe beitreten zu können, muss man eingeladen werden. Der Initiator der Bewegung kommt aus Finnland. Logischerweise hat er relativ viele Mitglieder aus seinem Umfeld rekrutiert. Deswegen sind die nordischen Länder beispielsweise gut mit dabei. Diese Konzentrationen sind historisch bedingt. Ich habe persönlich auch schon Leute vorgeschlagen. Bisher waren darunter keine aus Deutschland. Aber das lässt sich ja ändern (lacht).

Rund 15 Oakies halten Vorträge auf der DOAG-Konferenz. Was erwartet die Teilnehmer?

Ich mache seit Jahren die gleiche Erfahrung:  Viele Anwender nutzen die Technologie, ohne wirklich zu verstehen, wie die Kerntechnologie der Oracle-Datenbank tickt. Folglich kranken viele Projekte daran, dass sehr ineffizient mir der Oracle-Datenbank umgegangen wird. Die Oakies kommen mit fundierten Beiträgen, die dabei helfen, ein besseres Verständnis von der Datenbank zu haben. Es kann natürlich sein, dass sich manche Teilnehmer sagen: "Nee, auf dem Detaillierungsgrad habe ich keine Lust, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen.“ Das kommt vor, aber wir werden ja sehen.

Ist die Datenbank komplexer geworden?

Das Produkt an sich ist qualitativ hochwertig - sonst wäre Oracle nicht so erfolgreich am Markt. Die Kerntechnologie ist in gewissen Bereichen komplex zu verstehen und Oracle hat immer mehr Features implementiert. Die Doku zur Datenbank wird von Release zu Release besser. Aber es passiert immer noch, dass Leute sich am Kopf kratzen und nicht weiter wissen. Mittlerweile haben wir über 20.000 Seiten Dokumentation. Sich alles durchzulesen, ist kaum machbar. Und die richtigen Sachen herauszupicken, kann sich auch als schwierig erweisen.
Man könnte es mit dem Kauf eines Werkzeugkastens vergleichen: Es nutzt wenig, Werkzeuge zu kaufen, wenn man nicht weiß, wie sie funktionieren. Es gibt letztendlich viele Möglichkeiten, ein Problem zu lösen. Aber dafür muss man die Technologie erst mal verstehen.

Wirkt sich der Leistungsdruck in den Unternehmen negativ auf das allgemeine Grundverständnis der Kerntechnologien aus?Twittern Sie mit!

Alles muss immer schneller und günstiger gemacht werden. Das ist sicherlich nicht sehr hilfreich. Fundierte Entscheidungen zu treffen, kann unter diesen Bedingungen schwer sein. Oftmals führt es dazu, dass viele sich "durchwurschteln" und nach einer kurzen Recherche im Netz eine vermeintliche Lösung finden. Dennoch sind sie tatsächlich nicht immer in der Lage, diese Lösung systematisch umzusetzen, weil das Verständnis für die Technologie eventuell fehlt.
Auch die Heterogenität der Systeme führt zu dieser Schieflage. Wer mit mehreren Datenbanksystemen arbeitet, kann nicht in die Tiefe gehen. Das ist auch nicht bei jedem Datenbanksystem erforderlich. Es gibt Systeme, die „nur ihren Zweck erfüllen“. Andere, wie die Oracle-Datenbank, werden in vielen Umgebungen eingesetzt, die hohe Ansprüche an Qualität und Performance haben.

In Ihrem Vortrag wird es um Parallelisierung gehen. Weshalb sollten die Konferenzbesucher hingehen?

Das Feature Parallel Execution ermöglicht eine automatische Verteilung einer SQL-Ausführung auf mehrere Parallel Execution Server. Es ist ein spannendes Feature, das allerdings nicht immer zu der gewünschten Performance-Steigerung führt. Bei einem meiner Kunden lief die Erstellung eines Data Warehouse Star Schemas trotz Verwendung von Parallel Execution mehrere Stunden über Nacht. Mittels kleiner, aber entscheidender Änderungen war das Ganze in wenigen Minuten möglich. Wer also wissen will, worauf er achten muss, sollte auf jeden Fall vorbeischauen.