Zum Inhalt springen
  • Von: Mylène Diacquenod
  • Themen Infrastruktur & Middleware
  • 08.01.2013

Hardware: Oracle segelt hart am Wind der Engineered Systems

Dank der guten Verkäufe im Bereich Softwarelizenzen und Cloud-Abonnements hat Oracle im zweiten Quartal gute Zahlen vorgelegt und die Erwartungen in Bezug auf Umsatz und Gewinn übertroffen. Unverändert kritisch bleibt allerdings die Lage im Hardware-Geschäft. Bisher vermittelte Oracle den Eindruck, Herr der Lage zu sein und zu den Ergebnissen zu stehen. Ein paar klitzekleine Anhaltspunkte könnten vermuten lassen, dass es nicht mehr der Fall ist.

Dank der guten Verkäufe im Bereich Softwarelizenzen und Cloud-Abonnements hat Oracle im zweiten Quartal gute Zahlen vorgelegt und die Erwartungen in Bezug auf Umsatz und Gewinn übertroffen. Unverändert kritisch bleibt allerdings die Lage im Hardware-Geschäft. Bisher vermittelte Oracle den Eindruck, Herr der Lage zu sein und zu den Ergebnissen zu stehen. Ein paar klitzekleine Anhaltspunkte könnten vermuten lassen, dass es nicht mehr der Fall ist.

Insofern kann es interessant sein, in den alten Pressemeldungen von Oracle herumzustöbern. Vergleicht man die Ankündigungen der vergangenen Quartalszahlen mit der aktuellen, dann fällt ein Satz auf, den Oracle für das erste Mal leicht abgeändert hat: den Satz zu den Hardware-Produkten.

Lassen wir mal das Jahr Revue passieren: Vor genau einem Jahr - am 20. Dezember 2011 - meldete Oracle PR: “Both GAAP and non-GAAP hardware systems products revenues were down 14% to $953 million.“ Die gleiche Wortwahl hat Oracle in den nachfolgenden Pressemitteilungen. Am 20. März kündigt der Softwareriese ein Minus von 16 Prozent auf 869 Millionen Dollar im Vergleich zum Vorjahr an, am 18. Juni ein Minus von 16 Prozent auf 977 Millionen Dollar. Am 20. September hat Oracle noch den Mut, bei der gleichen Formulierung zu bleiben, als der Hardware-Umsatz weiter Richtung Keller stürzt. 779 Millionen Umsatz, es entspricht einem Minus von 24 Prozent. Autsch!

Schließlich optiert Oracle im Dezember 2012 für eine andere Formulierung. Sie ist schlicht, neutral, unauffällig: „Hardware systems products revenues were $734 million.” Aber vor allem ist sie verdächtig. Diesmal bekommt man nichts vorgekaut. Aber wer suchet, der findet. Minus 23 Prozent. Autsch!

In diesem Zusammenhang klingt selbst das Statement von Larry Ellison wie ein Versuch, sich selbst zu überzeugen. "Sun hat sich als eine der strategisch wichtigsten und profitabelsten Akquisitionen erwiesen, die wir je gemacht habe", so der Oracle-CEO. "Die Sun-Technologie ermöglicht es Oracle, eine führende Position im Segment der hochprofitablen Engineered Systems innerhalb der Hardware-Sparte einzunehmen. Ich glaube, dass Produkte wie Exadata und SPARC-SuperCluster nicht nur weiterhin mehr Profitabilität ins Hardware-Geschäft bringen werden. Bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres werden sie sogar als Wachstumstreiber des Hardware-Geschäfts fungieren."

Für den Beobachter, der Ellisons Sprüche gewohnt ist, wirkt diese Aussage fast demütig. Bisher hat Oracle nie eine Gelegenheit verpasst, den Erfolg der Engineered Systems zu beziffern. Ein Wachstum von über 100 Prozent im Quartal, heißt es noch im September. Ein Wachstum von 100 Prozent von Jahr zu Jahr, stolziert Markt Hurd im Juni. Diesmal nichts. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Noch ein halbes Jahr hat Oracle, um aus den margenstarken Engineered Systems einen Wachstumstreiber für die gesamte Hardware-Sparte zu machen. Davon ist das Unternehmen noch weit entfernt. Während Oracle kurz nach dem Kauf von Sun Microsystems im 4. Quartal des Fiskaljahres 2010 noch 1,233 Milliarden Dollar Umsatz mit den Hardware-Produkten machte, nahm das Unternehmen für die Sparte in diesem Quartal nur 734 Millionen Dollar ein. Die Auswirkungen auf den Hardware-Support halten sich indes in Grenzen. In zweiten Quartal erzielt dieser ein Minus von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das kann man noch verkraften.

Ob die Appliances allerdings das Potential haben, das ihnen Oracle zuschreibt, bleibt die große Frage. Für den deutschen Markt sind zwar keine Zahlen bekannt, aber auch auf EMEA-Ebene lässt ein Jahresvergleich wieder Zweifel aufkommen. Während die Hardware-Produkte im ersten Quartal 2012 344 Millionen Dollar erreichen, flirten sie ein Jahr später im zweiten Quartal 2013 mit der 200er Grenze, um sie leicht zu verfehlen. So erzielt EMEA mit den Hardware-Produkten dieses Mal lediglich 198 Millionen Dollar.

Ob die ersichtlich starke Präsenz deutscher Konzerne (Deutsche Bank, Allianz) auf der letzten Oracle OpenWorld ein Zeichen dafür ist, dass die Appliances angenommen werden? Vermutung über Vermutung. 

Selbst wenn Exadata sich inzwischen einen Namen gemacht hat, wie steht es um die anderen Engineered Systems wie zum Beispiel die SPARC SuperClusters oderBig Data Applicances? Höchste Zeit für die DOAG, sich selbst ein Bild der Lage zu machen.