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  • Von: Marcos López
  • Vereinsleben Business Solutions
  • 21.07.2020

Interview mit Dr. Thomas Karle, neuer DOAG-Vorstand Business Solutions

"Wir sind gut aufgestellt, um die Anwender bei der Implementierung zukunftssicherer Lösungen zu unterstützen." 

Im April dieses Jahres trat der langjährige Vorstand der DOAG Business Solutions und Leiter der Business Solutions Community Dr. Frank Schönthaler zurück (Bericht hier lesen). Als sein Nachfolger wurde Dr. Thomas Karle kooptiert. Marcos López, Redaktionsleiter der Business News, sprach mit ihm über neue Impulse, kommende Herausforderungen und die Chancen, die aus der durch die Corona-Pandemie bedingten Krise erwachsen können.

Herr Karle, haben Sie vor, die vor rund zehn Jahren ins Leben gerufene Business Solutions Community unter Ihrer Führung neu auszurichten? Welche Impulse wollen Sie geben?

Bewährte Dinge werde ich fortführen. Dazu gehören die Positionierung als Sprachrohr gegenüber Oracle, um Anwenderbelange zu bündeln und effektiv an Oracle zu kommunizieren, und das Wissensmanagement im Sinne von Aufbau und Verteilung des Know-hows an die Oracle-Anwender. Als Impuls möchte ich einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, der die Gesamtlösung im Fokus hat, das heißt das Zusammenspiel aus verschiedensten Oracle-Applikationsbausteinen, ergänzt durch Oracle-Technologie oder gegebenenfalls passende Third-Party-Produkte. Ein weiterer Punkt, der mich umtreibt, ergibt sich aus der derzeitigen Situation aufgrund der Corona-Krise. Hier wird sich auch nach dem Ende der Krise einiges in der Arbeitswelt ändern, und gerade wir müssen hier doch an Lösungen arbeiten oder Möglichkeiten diskutieren und vorstellen, die digitale Prozesse und eine Zusammenarbeit in virtuellen Teams ermöglichen.

Was macht eine gute Business-Solution-Anwendung aus?

Eine gute Business Solution ist aus meiner Sicht heutzutage keine einzelne monolithische Anwendung mehr, sondern eine individuell zusammengestellte Kombination aus verschiedenen Anwendungsbausteinen (Standard-Applikationsbausteine und individuelle Komponenten), die inzwischen immer mehr auch aus der Cloud angeboten werden. Diese Gesamtlösung in der jeweils individuellen Konstellation bietet dem Anwenderunternehmen dann genau die Prozesse und die Funktionalitäten, die es für den Betrieb seines Geschäftsmodells benötigt. Hierbei wird Standardfunktionalität an genau den Stellen eingesetzt, wo das Unternehmen bereits Standard-Geschäftsprozesse hat oder diese zukünftig umsetzen möchte, beispielsweise im Finanzbereich. An anderer Stelle werden jedoch auch individuelle Komponenten implementiert, um zum Beispiel Alleinstellungsmerkmale eines Unternehmens umzusetzen.

Wie sehen die kommenden Herausforderungen rund um die Oracle Business Applications aus?

Oracle ist im Vergleich zu den großen Wettbewerbern wie SAP oder Microsoft bezüglich des Abdeckungsgrads an Unternehmenssoftware sehr gut aufgestellt, jedoch gerade in Europa derzeit meist noch der "Herausforderer" und von der Marktposition her noch nicht da, wo man sein könnte.

Herausforderungen sind weiterhin die jeweiligen lokalen Anforderungen, insbesondere hier in Deutschland, und die Integration von verschiedenen Oracle-Applikationsbausteinen, vor allem, wenn auch von Oracle zugekaufte Produkte oder Third-Party-Produkte integriert werden müssen.

Wir werden hier gezielt über konkrete Lösungen und vor allem Potenziale der Oracle-Unternehmenssoftware informieren und weiterhin als Sprachrohr der Anwender in bewährter Weise bestehende Probleme bei Oracle einbringen.

Meien Sie mit "lokalen Herausforderungen" den Umgang mit sensiblen Daten und die DSGVO?

Das ist sicherlich ein zentrales Thema. Darüber hinaus sind jedoch auch Anforderungen im Finanzbereich bezüglich deutschen Steuerthemen, Reporting etc. die Dauerbrenner. Eine weitere sehr aktuelle „lokale Herausforderung“ ist die jetzt kurzfristig anstehende Änderung in Bezug auf die Umsatzsteuer. Hier werden die deutschen Anwender von Oracle-Applikationen nun sehr schnell mögliche Umsetzungen für ihre laufenden Systeme evaluieren und Lösungen finden müssen.

Sie schreiben in Ihrem DOAG-Profil, dass der von "Oracle speziell forcierte Paradigmenwechsel in Richtung Cloud" ein weiterer spannender Aspekt Ihrer Arbeit ist. Inwieweit betrifft diese strategische Neuausrichtung die klassischen Business Solutions und die einst erstellte Zielgruppenmatrix bestehend aus Management, Anwendung und Technologie?

Das wird alle drei Bereiche betreffen: Wir müssen das Management mit den relevanten Informationen versorgen, damit die richtigen Entscheidungen bezüglich der einzusetzenden Cloud-Komponenten getroffen werden können. Hier stehen bei Oracle mit den Oracle Cloud Applications und Oracle NetSuite zwei alternative Produktlinien zur Verfügung, die im Einzelfall für den Kunden jeweils bewertet werden müssen. Ein Kernpunkt ist weiterhin, Know-how über die Anwendungsmöglichkeiten, aber auch die Limitierungen bei den zahlreichen Cloud-Applikations-Bausteinen und den Erweiterungs- und Integrationstechnologien zur Verfügung zu stellen.

Wird die Coronavirus-Pandemie das Tempo der Digitalisierung beeinflussen?

Die Digitalisierung ist ein Thema, das gerade in Deutschland bisher nicht mit dem erforderlichen Elan vorangetrieben worden ist. Die Corona-Krise hat die Entwicklung in diesem Umfeld bereits beschleunigt. Sie bewirkt an vielen Stellen derzeit zwar erst mal nur eine Pseudo-Digitalisierung, wird jedoch mittelfristig tiefergreifende Änderungen in der Arbeitswelt und im privaten Umfeld ermöglichen, da sie gerade vor allem die Defizite bei der Digitalisierung rigoros an den Tag bringt.

Welche Chancen sehen Sie für die DOAG und die Business Solutions Community, gestärkt aus dieser Krise hervorzugehen?

Mittelfristig sehe ich durch das krisenbedingte Aufdecken der Defizite in der Digitalisierung großes Potenzial für "gute" Business Solutions. Ich glaube, dass wir mit dem Oracle Portfolio als Basis da sehr gut aufgestellt sind, um die Anwender bei der Implementierung zukunftssicherer Lösungen zu unterstützen.

Die ungekürzte Fassung des Interviews können Sie ab 28.08.2020 im Red Stack Magazin inkl. Business News Nr. 5/2020 lesen. Im Kontext des Business-News-Themenschwerpunkts "Nachhaltiges Innovations- und Produktmanagement" wird zudem ein spannender Beitrag von Dr. Thomas Karle zum "Innovationsmanagement für Green BPM" zu lesen sein.