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  • Von: Mylène Diacquenod
  • Lizenzierung
  • 14.04.2015

Lizenzierung in virtualisierten Umgebungen: Oracle nimmt Gespräch mit der DOAG auf

Einmal mehr ist um die Lizenzierung von Oracle-Produkten in virtualisierten Umgebungen Klärungsbedarf entstanden: Die DOAG bemängelt seit geraumer Zeit, dass Oracle konkurrierende Virtualisierungstechnologien als Soft-Partitioning einstuft. Seit Sommer 2014 sorgt nun auch die Bewertung des Lizenzbedarfs innerhalb der Virtualisierungssoftware VMware vSphere für die Versionen 5.1 und 5.5 zusätzlich für Spannungen in den Reihen der deutschsprachigen Anwendergemeinschaft. Ein halbes Jahr nach dem Durchsickern der für viele beunruhigenden Information berichten wir über den Fortschritt der Verhandlungen mit dem Oracle-Management.

Einmal mehr ist um die Lizenzierung von Oracle-Produkten in virtualisierten Umgebungen Klärungsbedarf entstanden: Die DOAG bemängelt seit geraumer Zeit, dass Oracle konkurrierende Virtualisierungstechnologien als Soft-Partitioning einstuft. Seit Sommer 2014 sorgt nun auch die Bewertung des Lizenzbedarfs innerhalb der Virtualisierungssoftware VMware vSphere für die Versionen 5.1 und 5.5 zusätzlich für Spannungen in den Reihen der deutschsprachigen Anwendergemeinschaft. Ein halbes Jahr nach dem Durchsickern der für viele beunruhigenden Information berichten wir über den Fortschritt der Verhandlungen mit dem Oracle-Management.

Als die DOAG unter der Federführung von Dr. Dietmar Neugebauer (DOAG-Vorsitz), Michael Paege (DOAG-Vorstand und Competence Center Lizenzierung) und Fried Saacke (DOAG-Vorstand und -Geschäftsführer) die Verhandlungen aufnahm, verfolgte sie mehrere Ziele. Bislang hatte Oracle und seine Abteilung Licence Management Services (LMS) die Information bezüglich der erweiterten Bemessung des Lizenzbedarfs von Oracle-Produkten unter vSphere 5.1 bzw. 5.5 weder schriftlich festgehalten noch aktiv die Kunden darüber informiert. Dementsprechend war es trotz der vielen Bestätigungen innerhalb des DOAG-Netzwerks nicht möglich, die Wahrhaftigkeit der Information nachzuweisen – beispielsweise durch Verweis auf eine Information auf der Oracle-Website.

Bestätigung der Lizenzierungsregelung

Dazu fand im März ein Gespräch mit dem Oracle-Management statt. Am Verhandlungstisch saßen für Oracle Ducan Harvey (Business Development Director bei Oracle Technology EMEA), Patrick Wilke (Senior LMS Manager Oracle Deutschland) sowie Günther Stürner (Vice President Server Technologies und Sales Consulting bei Oracle Deutschland).

Die Oracle-Manager bestätigten nochmal die erweiterte Evaluierung des Lizenzbedarfs unter VMware vSphere 5.1 bzw. 5.5 und erkannten den entstandenen Kommunikationsbedarf an. Allerdings betonten sie, dass Oracle entgegen der öffentlichen Wahrnehmung seine Lizenzbedingungen nicht geändert habe. Vielmehr ergebe sich die Änderung aus dem erweiterten Funktionsumfang der VMware-Software in den Versionen 5.1 und 5.5. Die Version 5.1 von VMware vSphere war im Herbst 2012 auf den Markt gekommen. Auf den erweiterten Funktionsumfang der Software reagierte Oracle LMS nach Kenntnis der DOAG im Sommer 2014.

Erhöhter Lizenzbedarf aufgrund des erweiterten VMware-Funktionsumfangs

Bis zur Version 5.0 konnten virtuelle Maschinen (VMs) zur Laufzeit nur innerhalb eines Clusters bewegt werden. Aus diesem Grund war der komplette Cluster zu lizenzieren. Mit der Version 5.1 wurde die Möglichkeit geschaffen, VMs zur Laufzeit über Clustergrenzen hinweg innerhalb eines vCenters zu verschieben. Deswegen müssen für die Versionen 5.1 und 5.5 alle Server des vCenters lizenziert werden.

In den Augen von Oracle bleibt also alles wie gehabt: Weiterhin müsse die Hardware lizenziert werden, die die Software zur Laufzeit theoretisch nutzen könnte. Dass dies allerdings zu erheblichen Nachlizensierungskosten für Unternehmen führen kann, ohne dass tatsächlich mehr Leistung genutzt wird, zeigte Paege beispielhaft im Gespräch mit den Oracle-Managern.

Um die Problematik zu umgehen, empfiehlt die DOAG weiterhin einen Workaround: Die Lizenzkosten können gering gehalten werden, indem Administratoren ein vCenter für Oracle-Produkte vorsehen und 1-n vCenter für weitere Produkte nutzen. Hierbei müssen allerdings auch die Storages der jeweiligen vCenter voneinander getrennt sein.

Oracle Parking - Credits: House of Brink Technologies

Abbildung: Der amerikanische IT-Dienstleister House of Brick Technologies hat seine eigene Interpretation der Lizenzpolitik von Oracle. Credits: House of Bricks Technologies

 

Version 6.0 von vSphere noch problematischer

Doch weitere Probleme sind schon in Sicht: Mit der kürzlich veröffentlichten Version 6.0 des Virtualisierungs-Marktführers könnte sich die Lage noch erheblich verschärfen: Diese ermöglicht eine Verschiebung von laufenden VMs über vCenter-Grenzen hinweg. Bliebe Oracle bei der bisher praktizierten Logik, wären also dementsprechend ab Version 6.0 alle vCenter zu lizenzieren, in die Oracle-Software zur Laufzeit verschoben werden kann.

Folgegespräch in Planung

Zu diesem konkreten Thema hat Oracle bislang keine Stellung bezogen. Ein Folgegespräch zur Lizenzierungsthematik in virtualisierten Umgebungen soll noch in diesem Monat stattfinden.

Ferner plädierten Neugebauer, Paege und Saacke für übersichtliche, transparente und verständliche Lizenzbedingungen, die den Anwendern ein klares Regelwerk zur Einrichtung und Konfiguration von virtualisierten Architekturen mit Oracle-Produkten vermittelt. Wie auch in den letzten Jahren griffen sie erneut die Thematik der Partitionierung auf und setzten sich für einheitliche Regelungen für alle Virtualisierungsplattformen ein. Bisher macht Oracle für das hauseigene Produkt Oracle VM eine Ausnahme und erkennt Hard-Partitioning unter bestimmten Installationsvoraussetzungen an.

Darüber hinaus machten sich die DOAG-Vertreter für ein zukunftsorientiertes, an die Cloud angelehntes Lizenzierungsmodell stark, bei dem nur die genutzten Cores lizenziert werden müssen. In diesem Zusammenhang empfahlen sie auch, die Lizenzierungsberechnung auf die Server zu beschränken, um die Komplexität im Storage-Bereich zu umgehen.

Umfrage zur Virtualisierungsstrategie der Oracle-Anwender

Die Lösungsansätze der DOAG möchten Neugebauer, Paege und Saacke nun mit einer anonymen Online-Umfrage zum Einfluss der Lizenzpolitik von Oracle auf die Virtualisierungsstrategie der Anwender untermauern.

Die Umfrage wurde am 26. April 2015 beendet, die Ergebnisse werden nach ihrer Auswertung veröffentlicht.