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  • Von: DOAG Online
  • Development Mobile
  • 03.06.2015

MAF, ADF, MCS? Jeff Davies gibt Antworten

Mobile wird auch in der Anwendungsentwicklung von Enterprise-Applikationen ein immer wichtigeres Thema. Im Interview mit Stephan La Rocca spricht Jeff Davies, leitender Produktmanager bei Oracle Mobile Technologies, über Oracles Produkte zur mobilen Anwendungsentwicklung sowie über ihre Zukunftspläne.

Mobile wird auch in der Anwendungsentwicklung von Enterprise-Applikationen ein immer wichtigeres Thema. Im Interview mit Stephan La Rocca spricht Jeff Davies, leitender Produktmanager bei Oracle Mobile Technologies, über Oracles Produkte zur mobilen Anwendungsentwicklung sowie über ihre Zukunftspläne.

Jeff, bei den Entwicklern nehmen derzeit die Bereiche „Mobile Computing“ und „Cloud Computing“ eine ganz zentrale Rolle ein. Was wäre dein Tipp? Sollte man sich jetzt schon mit den mobilen Cloud-Diensten (MCS) vertraut machen oder ist es für einen solchen Plattformwechsel noch zu früh?

Derzeit laufen die MCS noch in der Betaversion, kommen aber bald auf den Markt. Doch bis es soweit ist, kann man sich natürlich schon einmal auf den Wechsel zu den MCS vorbereiten. Grundlegend für die MCS ist die Schaffung von mobilen Back-End-Systemen. Im Wesentlichen werden eine Reihe von anwendungsneutralen Programmierschnittstellen (API) eingerichtet, die für jedes Back-End-System bzw. alle gewünschten externen Cloud-Dienste geeignet sind und sich dann in das jeweilige mobile Back-End-System für ganz bestimmte Anwendungen einbringen lassen.
Vieles davon wird entsprechend der eigenen Kenntnisse angelegt. Der Mobile Application Framework (MAF) von Oracle eignet sich hervorragend für Java-Entwickler, doch bei der Arbeit mit den MCS sind auch Javascript-Kenntnisse und Node.js-Kenntnisse entscheidend. Wenn man sich damit also noch nicht so gut auskennt, sollte man jetzt schon einmal anfangen, sich mit Node.js und JavaScript zu befassen, um dann bei der Markteinführung die MCS auch in vollem Umfang nutzen zu können.

Kann man nur zu mobilen Cloud-Diensten wechseln, wenn es sich bei der eigenen Datenbank auch um einen Cloud-Dienst handelt?

Nein, nicht unbedingt. Wenn eine Datenbank in Form eines Cloud-Dienstes gewünscht wird, bieten wir das entsprechende Produkt an. Falls die MCS in die bestehende Cloud-Dienstleistungsdatenbank integriert werden sollen, so ist auch das kein Problem. Besteht schon eine Datenbank, die mit den MCS zu deren Nutzung verbunden werden soll, so kann man das ganz einfach durchführen. Veröffentlicht werden sollten die Unternehmensanwendungen allerdings schon über eine Ebene wie die mobilen Cloud-Dienste, damit sich diese auch mobil nutzen lassen. Wenn man schon seit über zehn Jahren mit einer servicebasierten Architektur arbeitet, dann ist die Übertragung dieses Know-hows einschließlich der gesamten Architektur auf eine mobile Struktur einfach nur der nächste logische Schritt.

Derzeit bietet Oracle drei verschiedene Suiten für den MAF an. Einfach ausgedrückt gibt es allein vom MAF ausgehend eine Mobile Suite und eine Mobile Security Suite. Was unterscheidet deiner Meinung nach die beiden voneinander?

Also der MAF ist selbst ein Entwicklungstool für Mobile Clients. Die Mobile Suite setzt sich aus dem MAF und dem Oracle Service Bus zusammen. Letzterer eignet sich selbst ganz hervorragend zur Schaffung von anwendungsneutralen Diensten im Unternehmen, die dann über so etwas wie die MCS veröffentlicht werden können. Bisher war es so, dass der Mobile Client genau die Dienste abrufen konnte, die mit dem Oracle Service Bus angelegt worden sind, und das hat auch gut funktioniert. Doch für den Bereich „Mobile“ ist der Oracle Service Bus nicht immer hundertprozentig geeignet.
Als Entwickler von mobilen Anwendungen braucht man Funktionen der MCS, so zum Beispiel die Möglichkeit, Objekte oder Informationen anwendungsneutral zu speichern. Eine unserer Musteranwendungen für schnelle Reparaturen nennt sich „Fix-it-Fast“. „Fix-It-Fast“ steht für einen Dienstleister, der bei Ihnen zu Hause etwas repariert. Ein Nutzer der Fix-It-Fast-Anwendung kann einfach ein Foto von dem Schaden machen, beispielsweise von dem kaputten Boiler, das dann mit der mobilen Fix-It-Fast-App für Kunden hochgeladen und in der Cloud abgespeichert wird. Es gibt also keinen Verweis auf die Anwendung eines bestimmten Unternehmens, stattdessen kann sich der Entwickler ganz einer unternehmensunabhängigen Anwendung widmen, die sich nicht auf die App eines bestimmten Unternehmens bezieht, sondern hilfreiche Zusatzinformationen im Sinne einer gut funktionierenden mobilen Anwendung zur Verfügung stellt.

Inwiefern unterscheidet sich die Mobile Security Suite von diesen Produkten?

Mit der Mobile Security Suite gehen wir noch einen Schritt weiter und sorgen für die Sicherheit der mobilen Dienste und des Mobile Clients selbst. Die Nutzung des MAF ist also sicher und auch HTTPS kann verwendet werden. Denn alle über die MAF-Anwendung auf einer lokalen Datenbank gespeicherten Daten werden automatisch verschlüsselt. Das heißt, dass schon von Anfang an einiges an Sicherheit automatisch gewährleistet wird. Allerdings bietet die Mobile Security Suite noch weitere Schutzmechanismen. Neben HTTPS sind auch die mobilen Anwendungen selbst sicher, da diese MAF-Anwendungen in einem sog. „Anwendungsbereich“ installiert werden. Damit steigert die Mobile Security Suite den Wert der MAF-Anwendungen ganz erheblich. Auf dem mobilen Endgerät eines Einzelnen können Unternehmensdaten besser kontrolliert werden. Nehmen wir beispielsweise den Fall, dass ein Angestellter das Unternehmen verlässt und daher auf seinem Handy nicht länger über bestimmte Unternehmensanwendungen und -daten verfügen soll. Dann kann man den Anwendungsbereich einfach leeren, ohne dabei gleich die Urlaubsfotos mitzulöschen.

Wenn man jetzt bei einem ganz kleinen Projekt zunächst nur den MAF einsetzt, muss man dann auf bestimmte Faktoren besonders achten, wenn das Projekt zum Schluss doch größere Ausmaße annehmen soll?  Sind bei den Entscheidungen über die Architektur besondere Kriterien zu berücksichtigen?

Nein, eigentlich nicht. Der MAF eignet sich perfekt für Standalone-Clients und kann mit allen gewünschten Cloud-/REST-Diensten verbunden werden. Beim Wechsel zur Mobile Cloud Suite werden im Wesentlichen die Service-Endpunkte der mobilen Anwendung geändert. So lange der Client weiß, wie er zum Server Kontakt aufnehmen kann, ist er von diesem unabhängig.
Würde man jetzt schon über die Mobile Suite von Oracle verfügen, mit dem Oracle Service Bus die ganze Arbeit erledigen und dann die MCS hinzufügen, hätte man sozusagen über den Service Bus die Dienste in die MCS kopiert. Aber mit den MCS steht noch eine weitere Ebene zur Verfügung, so dass zusätzliche Dienstleistungsangebote in Karten wie Google Maps eingetragen oder noch andere Informationen dazu von anderen Cloud-Anbietern hinzugefügt werden können.
Alles in allem entsteht so durch Mobile von Oracle eine sehr flexible Gesamtarchitektur.

Oft wissen unsere Partner gar nicht richtig, was besser ist: einen MAF oder lieber einen ADF Mobile Browser? Welche Fragen sollte man sich deiner Meinung nach stellen, um die richtige Entscheidung zwischen dem MAF und dem ADF Mobile Browser  zu treffen? Geht es hierbei vor allem um die Anschlussmöglichkeiten oder gibt es noch andere wichtige Aspekte?

Ich halte es für sehr wichtig, dass man die Möglichkeit hat, in einer unvernetzten Umgebung zu agieren. Heutzutage gibt es vielerorts immer noch keine Internetverbindung. Daher ist es für Kunden sicherlich ein entscheidendes Kriterium, auch ohne eine solche Verbindung arbeiten zu können. Da der MAF genau für solche Situationen entwickelt wurde, macht das mobile Arbeiten viel mehr Spaß. Der mobile Browser ist gut, wenn man einfach mehr webbasierte Anwendungen nutzen möchte: Man braucht dann keine lokale Datenbank und braucht sich über die Sicherung der Anwendung selbst keine Gedanken machen.
Mit Produkten wie dem MAF und der Mobile Security Suite entdeckt man also ganz neue mobile Möglichkeiten. Wenn ich zum Beispiel mit dem MAF arbeite, dann fast ausschließlich mit HTML5. Jetzt könnte man sagen, dass das mit dem ADF Mobile Browser genauso gut funktionieren würde, aber der MAF bietet mir alles aus einer Hand. Ich kann damit etwas in der Datenbank speichern, aber ich kann genauso gut Geschäftslogik auf der Seite der mobilen Anwendungen implementieren. Ich kann diese Geschäftslogik auch als Funktionsarchive bündeln  und diese dann auf verschiedenen von mir eingerichteten MAF-Anwendungen teilen. So baue ich mir langsam eine zentrale Geschäftslogik auf, die ich immer wieder verwenden kann.

Wenn wir jetzt einmal einen Blick in die Zukunft wagen und das Oracles Safe Harbor Statement im Hinterkopf behalten – über welche wesentlichen Funktionen wird dann die nächste MAF-Version verfügen?

Die Zukunft wird viel Spannendes bringen. Es werden von Oracle neue Plattformen zur MAF-Unterstützung eingerichtet werden und ich kann den MAF-Nutzern auf jeden Fall garantieren, dass Oracle alles daran setzen wird, neue bei den Kunden beliebte mobile Plattformen in den MAF zu integrieren.
Ich habe die Hoffnung, dass sich diese neuen tragbaren Technologien durchsetzen und deswegen auch mehr unterstützt werden. Ich finde den Gedanken an Anzüge oder Kostüme mit MAF-Anwendungen hochinteressant. Tragbare Zukunftstechnologien heißt nicht immer gleich, dass es sich um eine Uhr handeln muss. Vielmehr wird sich der MAF immer weiter entwickeln und sich an die stetigen technologischen Veränderungen auf dem mobilen Markt anpassen, die so schnell nicht abebben werden.

Derzeit werden von Oracle nur Anwendungen auf iOS und Android unterstützt. Wie sieht es mit anderen Betriebssystemen aus? Soll in Zukunft auch Microsoft oder Blackberry unterstützt werden?

Ja, das ist angedacht, zu den Einzelheiten darf ich aber leider noch nichts sagen. Doch ich kann schon einmal verraten, dass wir bei der nächsten MAF-Version auch ein weiteres Betriebssystem unterstützen werden. Der MAF läuft richtig gut bei Oracle, so dass wir auch in Zukunft darauf als das strategische Produkt für die Entwicklung mobiler Anwendungen setzen.

Vielen Dank, Jeff, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast!

Sehr gerne, Stephan, bis zum nächsten Mal!