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  • Von: Marina Fischer
  • Java Themen
  • 21.09.2016

Meinungsbild der Java-Community zu den aktuellen Entwicklungen auf der JavaOne 2016

Wie auf der JavaOne jüngst bestätigt, werden sich die Releases von Java EE 8 und Java 9 noch bis 2017 verzögern. Die gute Nachricht: Es geht weiter. Doch reicht das, um die Gunst der Community zurückzugewinnen? Fünf Vertreter der Community berichten von ihren aktuellen Eindrücken der Java-Konferenz.

Wie auf der JavaOne jüngst bestätigt, werden sich die Releases von Java EE 8 und Java 9 noch bis 2017 verzögern. Die gute Nachricht: Es geht weiter. Doch reicht das, um die Gunst der Community zurückzugewinnen? Fünf Vertreter der Community berichten von ihren aktuellen Eindrücken der Java-Konferenz.

In den letzten Monaten hatte es für Oracle viel Kritik gehagelt: Die Community beklagte eine lange Phase des Stillstands, nachdem Oracle im Juni 2015 eine weitere Aufschiebung des „Java EE 8“-Releases angekündigt hatte. Nach vielen Protesten und Forderungen der Community versprach Oracle zuletzt, dass es mit der Entwicklung und dem Support von Java EE weitergehen wird. Das bestätigte die von Oracles Group Vice President Anil Gaur auf der JavaOne 2016 vorgestellte aktualisierte „Java EE“-Roadmap. Mark Reinhold, Chief Architect der Java Platform Group bei Oracle, hatte ähnlich unspezifische Nachrichten zu verkünden: „Java 9 wird bald kommen, aber nicht ganz so schnell, wie es viele erhofft haben“, sagte er während seiner Keynote.

Was sagt die Community zu den neuesten Entwicklungen?

André Sept, Leiter der DOAG Java Community:

"Nach den Versprechungen seitens Oracle, zur JavaOne eine Lösung zum Stillstand der Entwicklung von JavaEE 8 und 9 zu liefern, hatte ich nach der Keynote nicht das Gefühl, das Oracle ernsthaft vorhatte, die Community zu beruhigen. Meine Bilanz am Montagabend: Oracle hat eingesehen, dass sich die Welt mit neuen Programmiermodellen und Microservice-Architekturen sehr stark geändert hat. Dies ist für mich der einzig richtige, vernünftige, aber auch mutige Weg, den Oracle eingeschlagen hat. Bei der ganzen Diskussion der letzten Monate war mir persönlich die Erhaltung des JCPs und der JavaEE-Standards am wichtigsten, da auch hier nicht zu 100 Prozent klar war, wohin die Reise durch den Stillstand geht. Jetzt gilt es seitens der Community, mitanzupacken und sich in den Expert Groups zu beteiligen, um die Zukunft im konstruktiven Dialog mit Oracle mitzugestalten."

Werner Keil, Specification Lead:

“Ich habe den Eindruck, dass Java EE nach langer Unsicherheit deutlich an Gewicht gewonnen hat, auch was die Länge der Keynote-Sessions angeht. Mark Reinhold schien auch ob der erneuten Verzögerung von JDK9 etwas weniger großspurig als sonst, obwohl gerade seine JShell- oder JLink-Demos sehr informativ waren, und auch für Java EE spätestens mit EE 9 viel Potential bieten. Ich sage nur Profiles mehr oder weniger nach Bedarf und Belieben.
Die Abkehr von einstigen „Darling“-JSRs wie MVC mag überraschen, aber mit Fokus auf Cloud, Internet of Things, DevOps oder Big Data wurden andere JSRs wie JSON einfach wichtiger. Insofern dürfte Oracle mit den jüngsten Entscheidungen durchaus auf die Community gehört haben.
Konstruktive Gespräche mit Projekten wie Tamaya oder Archaius zum Thema Configuration Standard bieten Anlass zur Hoffnung. Wenn man auch deren Hilfe annimmt, dann wirkt auch ein etwas „sportlicher“ Zeitplan nicht völlig unrealistisch.”

Niko Köbler, JUG-Leader Darmstadt:

„Wirkliche Neuerungen wurden in der JavaOne-Keynote nicht verkündet. Das groß erwartete Thema, wie Oracle mit Java EE im Allgemeinen und mit der Version 8 im Speziellen umgeht, wurde zwar behandelt – jedoch wie? Anil Gaur verkündete zwar stolz, man habe auf die Community gehört und deshalb eine neue Ausrichtung von Java EE 8 vorgenommen, aber mir (und vielen anderen) ist das zu unengagiert. Projekte und APIs dürfen nicht einfach fallen gelassen werden, ohne darüber ein Wort zu verlieren. Im Speziellen meine ich den Umgang mit JSR-371, der MVC API. Dieser JSR erschien weder auf Oracles Folien und in der neu angelegten Community-Umfrage wird er nur am Rande behandelt. Oracle sollte langsam verstehen, dass ein serverseitiges, zustandsloses und Action-basiertes Framework im Standard seit Jahren überfällig ist und der Bedarf für serverseitig gerenderte Seiten nach wie vor hoch ist. Neben dem MVC-JSR wurden aber auch andere JSRs einfach stillgeschwiegen.“

Andreas Badelt, Stellvertretender Leiter der DOAG Java Community:

“Die JavaOne-Keynote am Vortag der eigentlichen Konferenz hätte besser laufen können. Nach den ganzen, teilweise sehr emotional geführten Diskussionen um den Stillstand von Java EE 8, und dem Vertrösten der Community auf die JavaOne, war es sicher nicht gelungen, das Publikum mit off-topic-Präsentationen hinzuhalten, und am Ende den eigentlich spannenden Teil der Präsentation aus Zeitmangel frühzeitig zu beenden. Die vielen kritischen Kommentare auf Twitter waren da schon berechtigt. Mit den detaillierten Sessions am Montag sollte Oracle aber ein erster Schritt gelungen sein, die Community wieder einzufangen. Zumindest wurden vernünftige Gründe für strittige Punkte wie das Stoppen des MVC JSRs geliefert. Außerdem wurden viele Details zu den geplanten Änderungen präsentiert, wenn auch vieles noch im Anfangsstadium steckt. Das von Oracle angekündigte „Community Survey“ wird hoffentlich auf große Resonanz stoßen und von Oracle dann auch vernünftig genutzt. Die vielen offenen Fragen sehe ich aber auch als Chance bzw. Aufforderung insbesondere an die Java-User-Gruppen, sich verstärkt zu engagieren. Persönlich hoffe ich, dass in den nächsten Jahren nicht ausschließlich auf die Hype-Themen Cloud, Microservices und „Distributed Processing“ im Allgemeinen gesetzt wird, weil sie auch nicht die Lösung für alle Probleme sind."

Sebastian Daschner, DOAG-Themenverantwortlicher JCP und Expert Group Member für JAX-RS, schreibt auf seinem Blog:

„Zunächst einmal ist es sehr positiv, von Oracle eine Äußerung zur Zukunft von Java EE zu bekommen. Die Neuzugänge und Updates der Plattform scheinen für mich auch sehr vernünftig, vor allem in Hinblick auf Belastbarkeit, Reaktionsfähigkeit, Eventual Consistency, Health Checks und Configuration. Nicht wenige Open-Source-Beiträge sind entstanden, zum Beispiel Deltaspike, Adam Biens Breakr oder Porcupine-Projekte sowie herstellerspezifische Funktionalitäten wie der reaktive Support in Jersey. Das Hinzufügen solcher Features zur Plattform begrüße ich sehr. (...) Im Gegensatz dazu macht die Entfernung von MVC und deren Rechtfertigung keinen Sinn für mich. (...) Eine weitere JSR, die in EE 8 aufgenommen werden sollte, ist JCache. (...) Was in Zukunft auch verbessert werden sollte, ist die Kommunikation mit der Community von Oracle-Seite.“