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  • Von: Marina Fischer
  • Business Intelligence Data Warehouse
  • 12.09.2017

So bringen Sie Ihr Data Warehouse zum Scheitern

Wie kann ich in einem Data-Warehouse-Projekt möglichst viel falsch machen? Irina Gotlibovych beleuchtet in ihrem Vortrag auf der DOAG 2017 Konferenz + Ausstellung das Thema Data Warehouse (DWH) mal aus humorvoller Perspektive. Seit mehr als 15 Jahren ist die begeisterte „Escape Room“-Spielerin im Oracle-Umfeld tätig. Als Principal Consultant bei der MT AG weiß sie, worauf es ankommt, wenn man das Schlimmste verhindern – oder heraufbeschwören – möchte.

Frau Gotlibovych, zu wissen, wie man ein Data Warehouse aufbaut, ist das eine. Welche Stolpersteine warten in der Praxis?

Interessanterweise haben die meisten Probleme in Projekten weniger mit Technik, sondern mit menschlicher Kommunikation bzw. der unterschiedlichen Sicht auf die Dinge zu tun. Das fängt damit an, dass man selten genug Zeit bekommt, um sich ein vollständiges Bild vom Vorhaben zu machen. Oft wird nach einer schnellen Lösung verlangt, die aber nicht immer optimal ist. Außerdem ist es schwer, gegen den Kostenfaktor zu argumentieren. (lacht) Im Nachhinein kosten der Umbau und die Nachbesserungen zwar immer mehr, aber die Einsicht kommt meistens zu spät. Was ich als externe Beraterin auch oft erlebe, ist die fehlende Akzeptanz und widerwillige Mitarbeit interner Kollegen. Ein neues Data Warehouse bedeutet zwangsläufig Veränderungen in gewohnten Kundenprozessen, und bei vielen Menschen ist Ablehnung in diesem Fall tatsächlich eine natürliche erste Reaktion. Meiner Meinung nach sollte man den menschlichen Faktor in Projekten nicht unterschätzen.

Was kann ich denn tun, wenn ich mein DWH-Projekt einmal richtig schön zum Scheitern bringen will?

Das hängt von Ihrer Definition des Erfolgs ab. Wenn das Ziel ist, die Datenqualität zu erhöhen und bei den Mitarbeitern das Vertrauen in die Daten zu stärken, dann schließen Sie doch mal die Fachabteilungen völlig von dem Projektgeschehen aus und lassen die Entwickler selber testen. Wenn es wichtig ist, den Fachanwendern die schnelle und flexible Berichtserstellung zu ermöglichen, dann verlieren Sie keine Zeit bei den Überlegungen zu Performance und Skalierbarkeit des Systems. Stehen dagegen die Kundenzufriedenheit und die schnelle Umsetzung von neuen Anforderungen im Vordergrund, dann verzichten Sie auf Agilität und Automatisierung. Oder Sie gehen den einfachsten Weg: Starten Sie ein BI-Projekt, ohne vorher die Ziele zu definieren.

Was ist Ihrer Meinung nach einer der häufigsten Denkfehler bei DWH-Projekten?

Dass man nur an das Projekt selbst denkt und dabei vergisst, dass der spätere Betrieb, die Wartung und Weiterentwicklung fast noch wichtiger sind. Was bringt ein schnell gebautes Data Warehouse, das zwar zunächst seine Anforderungen erfüllt, aber in einem Jahr nicht mehr wartbar ist, und es dann Wochen dauert, bis eine neue Anforderung umgesetzt werden kann? Zum Glück erkennen immer mehr Firmen die Problematik und setzen deswegen auf Data-Warehouse-Automatisierung.

Was sind Ihre Top-3-Tipps für ein erfolgreiches DWH-Projekt?

Erstens: Definieren Sie Ihre BI-Strategie. Bevor klar ist, welche Mehrwerte das neue Data Warehouse bringen soll und welche individuellen Anforderungen es erfüllen soll, kann man keine optimale Lösung definieren. Zweitens: Leben Sie Kommunikation. Das ist etwas, was immer zu kurz kommt. Eigene Mitarbeiter müssen früh genug in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden, egal ob Fachabteilungen oder IT. Und nicht zuletzt: Automatisieren Sie die Data-Warehouse-Entwicklung. Heutzutage können Unternehmen es sich nicht mehr leisten, ein Data Warehouse nach Wasserfall-Modell zu bauen. Den neuen Anforderungen der Geschäftsleitung und der Fachabteilungen kann man nur noch mit agilen Methoden und durch Automatisierung der Prozesse gerecht werden.

 

Veranstaltungshinweis:

Wer lernen möchte, wie man das Schlimmste verhindern – oder heraufbeschwören – kann, kommt zur DOAG 2017 Konferenz + Ausstellung vom 21. bis 24. November. Irina Gotlibovych berichtet in ihrem Vortrag von ihren Projekterfahrungen.

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