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  • Von: Jörg Bellan
  • Themen
  • 10.10.2012

Studium abgeschlossen – was nun?

Wenn das Ende der Studienzeit erreicht ist, stellt sich für viele die Frage „Was nun?“ Doch warum immer auf den letzten Drücker? Ich gehöre nicht wirklich zu der Sorte Menschen, die immer vorausschauen. Aber an der Stelle ist es wirklich nicht hilfreich, den Kopf in den Sand zu stecken. Früher oder später wird man so oder so mit der Frage „Wo will ich hin?“ konfrontiert. Inzwischen spreche ich aus Erfahrung: Dabei gibt es kein allgemeingültiges Rezept – man muss seinen eigenen Weg finden. Und wer sich früh genug damit auseinandersetzt, ist klar im Vorteil.

Der allgemein herrschenden Studentenkrankheit „Verschieberitis“ habe ich den Kampf relativ früh angesagt. Nein, ich habe die Meilensteine meiner beruflichen Entwicklung nicht bis zur Rente festgelegt oder mir eine Strategie ausgedacht, um die Karriereleiter schneller hinaufzusteigen. 

Ich bin aber nicht passiv geblieben. Dabei ist die Gefahr relativ groß, wenn man nicht genau weiß, was einen erwartet. Aber ich habe mich vorsichtig an gewisse Tätigkeitsfelder herangetastet, habe einige ausgeschlossen, dafür andere in Erwägung gezogen. Ob Praktika, Werkstudententätigkeiten oder Abschlussarbeiten – diese ersten Auseinandersetzungen mit verschiedenen Aufgabengebieten, die ein Studium im Bereich Informatik eröffnet, waren für mich ausgesprochen wichtige Orientierungshilfen. Wahrscheinlich habe ich auch ein gutes Pensum Glück gehabt und die „richtigen“ Erfahrungen gemacht. Es war dann einfach toll, das zuvor hart erlernte Wissen in der Praxis anzuwenden und dadurch die Bestätigung zu bekommen, dass ein Informatikstudium die richtige Entscheidung gewesen war. Und irgendwann war ich am Ziel angelangt: Daimler TSS GmbH, seit Beendigung meines Studiums im Dezember 2011 in Festanstellung als Consultant Security. 

Als ich mit meinem Studium anfing, wusste ich nicht genau, was ein Datenbankadministrator macht. Ich war schon mit der Oracle-Datenbank in Berührung gekommen und wusste, wie man sie nutzt – aber mit welchen Fragestellungen ein DBA tagtäglich konfrontiert wird, war mir unbekannt. Und was es mit den anderen Oracle-Produkten auf sich hatte, wusste ich auch nicht wirklich. 

Eine Antwort auf viele der Fragen, die man sich als Informatikstudent so stellt, habe ich auf der DOAG-Jahreskonferenz erhalten. Es klingt wahrscheinlich banal, aber eine solche Konferenz ermöglicht es wirklich, gewisse Aspekte aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Denn es werden ja nicht nur Techniken vorgestellt, sondern auch Lösungsansätze, Best Practices, Erfahrungsberichte, Tipps und Tricks… Manchmal kommt einem der Stoff beim Studium doch sehr trocken und theoretisch vor – manchmal realitätsfern. Wie oft sagt man sich: „Schön und gut – aber wie funktioniert es in der Praxis?“ Auf der DOAG-Konferenz wurde ich mit praxisnahen Inhalten konfrontiert. 

Menschen aus Fleisch und Blut haben die konkreten Problemen, mit denen sie in ihren Projekten konfrontiert waren, dargestellt und anschließend ihre Lösungsansätze vorgestellt. Und es war faszinierend festzustellen, wie triviale Kleinigkeiten einem im Alltag das Leben schwer machen können. 

Mit der DOAG kam ich im Dezember 2008 erstmals in Kontakt. In diesem Jahr stellte die Anwendergruppe ein neues, für Studenten zugeschnittenes Angebot vor. Das Studentenprogramm auf der DOAG Konferenz + Ausstellung gibt es seitdem jedes Jahr und – um ein bisschen dafür zu werben – es ist ein fairer Deal: Die Studenten helfen ein paar Stunden bei organisatorischen Aufgaben aus, dafür dürfen sie für den Rest der Zeit kostenfrei das komplette Konferenz-Angebot der Konferenz in Anspruch nehmen – angefangen mit den Vorträgen bis hin zur Abendveranstaltung. Damals war dies – die Vorträge natürlich, nicht die Party – Anlass für unseren Kurs, dies als Exkursionsziel zu wählen. Wann hat man denn schon als Student die Möglichkeit, an einer solchen Konferenz teilzunehmen?

Mein Themenfokus während des Studiums lag vorwiegend auf Datenbanken, insbesondere Business Intelligence. Dies war schließlich auch das Thema meiner Bachelorarbeit. Im späteren Verlauf des Studiums kam das Interesse für das Thema IT-Sicherheit hinzu. In den Medien tauchen immer wieder Nachrichten von erfolgten Einbrüchen in IT-Systeme oder Datendiebstahl durch Mitarbeiter auf. Wer viel Fantasie hat, stellt sich wahrscheinlich einen spannenden Krimi vor. Schließlich geht es um nichts anderes als Betrug, Kriminalität, Industrie-Spionage. Mich hat vor allem die Komplexität und Aktualität dieser Thematik besonders gereizt. Datenbanken verfügen in der Regel über große Datenmengen und ermöglichen den Zugriff auf granulare sowie aggregierte Daten. Wie schütze ich nun die darin enthaltenen Daten? 

Datenbank auf der einen Seite, Security auf der anderen… Wen wundert’s: Für meine Masterarbeit entschloss ich mich dazu, eine Kombination meiner beiden Interessenschwerpunkte zu wählen: Datenbank-Sicherheit. Für mich stand bereits fest: Nach diesem Abschluss wollte ich endlich ins Berufsleben einsteigen. Den Einstieg habe ich mir so sanft wie möglich gestaltet und meine Abschlussarbeit in Kooperation mit einem Unternehmen durchgeführt. Das war eine gute Idee. So konnte ich bereits einen potentiellen Arbeitgeber „von innen“ kennenlernen und relativ schnell stellte ich auch fest, dass sowohl ich zum Unternehmen passte als auch das Unternehmen zu mir. 

Die Daimler TSS GmbH, ist eine Tochtergesellschaft der Daimler AG und stellt für den Konzern diverse IT-Dienstleistungen bereit. Bei meiner Tätigkeit in der IT-Sicherheit befasse ich mich vorwiegend mit Arbeitspaketen, wie sie auch im BSI IT-Grundschutz beschrieben sind. Ausgehend von einer Feststellung des Schutzbedarfs von Informationen analysiere ich Bedrohungen und Risiken und definiere schließlich mögliche Gegenmaßnahmen. 

Schnell war eines klar: Jedes Projekt ist anders. Gerade die wechselnden Anforderungen und die Komplexität erweisen sich als besonders spannend. Dementsprechend steil war die Lernkurve am Anfang meiner Beschäftigungszeit. Andererseits konnte ich bereits viele Inhalte aus meiner Studienzeit wiedererkennen und praktisch anwenden. Ein Blick über den Tellerrand ist mir seitdem auch stets gewährt gewesen. 

Insbesondere in Bereichen, in denen sich täglich neue Entwicklungen und Erkenntnisse hervortun, ist es wichtig, am Ball zu bleiben. Auf den Bereich IT-Sicherheit trifft dies ebenfalls zu. Gerade diese Herausforderung empfinde ich als besonders motivierend. Und wie sagt man so schön? „Im Studium lernt man das Lernen.“