Zum Inhalt springen

DOAG Legal Council

Fundierte Expertise zum Thema IT-Recht

  • Von: DOAG online
  • Lizenzierung Support
  • 15.05.2020

Benachteiligung von Bestandskunden beim Support von „Spatial Graph“ und „Advanced Analytics“

Als Folge der Datenbank-Integration der Ex-Optionen „Spatial Graph“ und „Advanced Analytics“ werden Bestandskunden beim Support finanziell benachteiligt.

Am 05.12.2019 hat Oracle die Funktionalitäten der Optionen „Spatial and Graph“ und „Advanced Analytics“ (früherer Name „Data Mining“) in die Datenbank (DB SE2 und DB EE) integriert. Auf der am 06.12.2019 neuerschienenen Preisliste waren beide Optionen nicht mehr aufgeführt und somit nicht mehr erhältlich. Der Lizenz- und Supportpreis der Datenbanken DB SE2 und DB EE sind jeweils gleichgeblieben.

Die zum Vertragswerk gehörenden versionsabhängigen Licensing Informations wurden überarbeitet und die Funktionalitäten der beiden Optionen folgenden Editionen/Versionen zugeführt:

  • DB 11.2: nur in DB EE enthalten
  • DB 12.1 und höher: in DB SE2 und DB EE enthalten

Durch die Übererarbeitung der zum Vertragswerk gehörenden Licensing Information wurden die Features den jeweiligen Versionen auch rückwirkend zugeordnet. Somit hat ein Kunde, der beispielsweise „Spatial and Graph“ bereits 2018 in seiner DB EE 12.2 ohne entsprechende Lizenz genutzt hat, auch in einem heutigen Audit hierfür keine Nachzahlung zu befürchten. Dies wurde so auch von Oracle LMS bestätigt.

Soweit die gute Nachricht. Aber leider ist Oracle bekannt dafür, dass selbst gute Aktionen mit Problemen einhergehen. Diese Probleme ergeben sich nun für Kunden, die eine oder beide Optionen bereits lizenziert und unter Support haben. Nun sollte man meinen, die Kunden könnten dann „einfach“ den Support kündigen bzw. nicht verlängern (bei Oracle lässt sich der Support nicht kündigen) und somit die Supportgebühren für die beiden Optionen sparen. Aktuell erreichen uns jedoch die ersten Beschwerden von DOAG-Mitgliedern über Oracles Umgang mit den Supportkosten: Sind nur „Spatial and Graph“ und/oder „Advanced Analytics“ (bzw. “Data Mining“) im Supportvertrag enthalten, kann der Kunde diesen komplett kündigen, also nicht verlängern. Der Kunde bekommt dann von Oracle den normalen Termination Letter, allerdings ohne eine Löschungsklausel. Der Kunde muss die Löschung der Software somit nicht bestätigen, sondern verzichtet „nur“ auf die Lizenzen. Unseres Erachtens kann der Kunde das unterschreiben, denn auf die speziellen Lizenzen kann man verzichten, da die Funktionalität der Datenbank zugeschlagen wurde. Gibt es in einem Supportvertrag mit diesen Produkten auch andere Produkte, werden die Supportgebühren für die Ex-Optionen entweder der Datenbank zugeschlagen oder – wenn ansonsten etwa nur Middleware-Produkte im Supportvertrag enthalten sind – ohne Einzelpreise als Gesamtpreis ausgewiesen, der den Supportbetrag der Ex-Optionen enthält. Mitglieder, die sich darüber beschwert haben und die Positionen der Ex-Optionen auch monetär aus dem Vertrag entfernt haben wollen, berichten von "aus Gutdünken" gewährten Preisnachlässen, jedoch lediglich in Höhe von wenigen Prozent des Supportpreises der Ex-Option.

Christian Trieb, Leiter des Competence Center Support und Vorstand der DOAG Datenbank Community, und Michael Paege, Leiter des Competence Center Lizenzierung und stellv. Vorsitzender der DOAG, haben versucht, hierüber mit den für Support zuständigen Ansprechpartnern von Oracle zu sprechen. Leider verweigert Oracle ein gemeinsames Telefongespräch und verweist auf die Oracle Technical Support Policies: https://www.oracle.com/us/assets/057419.pdf

„Bestandskunden werden gegenüber Neukunden benachteiligt, da sie bereits vor Jahren die Lizenzen beschafft und seitdem auch jährliche Supportzahlungen geleistet haben“, meint Christian Trieb. „Da sich die Grundpreise der Datenbank nicht geändert haben, muss man wirklich von einer deutlichen Schlechterstellung der Bestands- gegenüber den Neukunden sprechen“, unterstützt Michael Paege.

Man muss Oracle allerdings ein Argument zugutehalten: Durch den damaligen Kauf der heutigen Ex-Optionen war zu dem Zeitpunkt der Umsatz laut der Listenpreise für Lizenz und Support höher. Der Kunde hat dadurch also einen höheren Discount erzielt, der sich auch in den Folgejahren auf einen niedrigeren Supportpreis auswirkt. Dies meint Oracle vermutlich mit seinem Hinweis auf die Technical Support Policies. Allerdings sind wir der Meinung, dass diese Differenzen durch den Kauf der Lizenz und durch den jahrelangen Support der Ex-Optionen ausgeglichen sein müssten.

Sollte Oracle in den oben genannten Punkten kein Verständnis zeigen und den Bestandskunden die Kündigung, also die Nicht-Verlängerung des Supports der Ex-Optionen weiterhin verweigern, hat der DOAG-Gesamtvorstand beschlossen, die Situation juristisch prüfen zu lassen und gegebenenfalls juristische Schritte einzuleiten.