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Business Intelligence

  • Von: Christian Luda
  • Business Intelligence
  • 21.04.2020

„Die Labore in Deutschland sind extrem leistungsfähig und im internationalen Vergleich weit vorne.“

Stefan Kinnen ist General Manager beim Unternehmen CGM LAB, das Softwarelösungen für Gesundheitslabore bietet. Wir haben uns mit unserem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden über die Herausforderungen seiner Branche in Zeiten von Corona unterhalten.

Stefan, welche Auswirkungen hat die Corona-Krise aktuell auf euer Unternehmen sowie die Labor-Branche im Allgemeinen?

Die Labormedizin leistet momentan Großartiges - und ist doch auch in der Krise! Die Labore arbeiten mit Hochdruck und haben ihre Kapazitäten für PCR Tests auf das Coronavirus SARS-CoV-2 schnell gesteigert. Allein die rund 100 akkreditierten Labore in Deutschland schaffen mittlerweile knapp 100.000 Tests täglich. Dazu ist Mehrschicht-Betrieb und eine fehlerfrei funktionierende IT unbedingt notwendig. Gleichzeitig ist die Zahl der Standardanalytik von ambulanten Ärzten und auch aus Krankenhäusern spürbar zurückgegangen. Wir als CGM LAB helfen hierbei zum einen im Labor selbst, indem wir sämtliche Prozesse digital abbilden und somit beschleunigen und vereinfachen. Zum anderen unterstützen wir auch in der Arztpraxis und auf Klinikstationen, wo Ärzte*innen und medizinisches Personal Laboraufträge digital blitzschnell anlegen und die Befunde ebenso schnell zur Einsicht bereitstehen. Software, die Daten nicht nur sammelt, sondern auch verarbeitet und Rückschlüsse aus ihnen zieht, trägt einen wichtigen Teil zur präzisen Auswertung von Laborproben bei. Dies nennen wir „LAB Intelligence“ – die intelligente Unterstützung bei der Erstellung von Befunden.

Wie weit ist in Deutschland die Digitalisierung im Laborbereich fortgeschritten?


"Downtimes" werden teilweise schon als patientengefährdend eingestuft. Medizinische Labore sind heute hochmoderne High-Tech Bereiche. Alle Werte werden digital erfasst, zusammengetragen und dann von einem Laborarzt zum Befund zusammengestellt. Selbst Sortierung, Transport und Archivierung von Proben erfolgen heute teilweise schon automatisch. Mit intelligenten Lösungen können auch unter diesen enormen Arbeitslasten Fehler vermieden und Prozesse beschleunigt werden. Aktuell arbeiten wir mit Hochdruck an einer Erweiterung, die neben dem Arzt auch den Patienten unmittelbar über sein Corona-Testergebnis informiert. Dazu muss der Patient lediglich mit der Probe seine "Life-ID" der elektronischen Patientenakte übertragen und die Benachrichtigung freigeben. Dies ist zum einen ein Mehrwert für den Patienten, da dieser alle seine Gesundheitsdaten gesammelt in seiner digitalen Akte findet. Arztbriefe müssen nicht mehr postalisch verschickt werden, Diagnosen nicht von Arzt zu Krankenhaus gesendet werden und auf Laborergebnisse muss eben auch nicht mehr lange gewartet werden. Das vollumfängliche Krankheitsbild ist auf einen Blick sichtbar. Und es bietet auch Vorteile für das Labor: Sowohl Ärzte als auch Patienten kontaktieren das Labor seltener, um Laborergebnisse zu erfahren. Insbesondere in der derzeitigen Situation, in der viele Menschen besonders schnell ihre Ergebnisse wissen möchten, führt dies zu Entlastung.

Wie siehst du die deutschen Labore im internationalen Bereich aufgestellt?

Deutschland testet weitaus mehr als die meisten europäischen Länder. Wir haben größere Kapazitäten an Laborautomation und entsprechend viel fachkundiges Personal. Die Labore in Deutschland sind extrem leistungsfähig und im internationalen Vergleich weit vorne. Einen Engpass in der aktuellen Pandemie haben hauptsächlich Test-Reagenzien und Laborverbrauchsmaterial.

Wird deiner Meinung nach aktuell ausreichend getestet? Wie wichtig sind die Tests bei der Bekämpfung der Pandemie?

Es wird getestet, was die Kapazität hergibt. Patienten wissen, dass mittlerweile ein Ergebnis auf einen Corona-Test auch mal eine Woche dauern kann. Mehr geht einfach momentan noch nicht. Das Robert Koch-Institut als zentrale Koordinationsstelle und wichtigster Berater der Regierung würde sich noch mehr Tests wünschen, was aber leider einfach nicht möglich ist. Die viel diskutierten Schnelltests untersuchen statt auf den Erreger auf Antikörper und sind damit nur bedingt eine Alternative. Aber auch das wird weiterentwickelt und in Betracht gezogen.

Jede Krise birgt auch Chancen. Welche Anstrengungen, insbesondere im Bereich der Digitalisierung, sollten als Lehre aus Corona nun unternommen werden?

Um die technischen Ressourcen im Labor bestmöglich nutzen zu können, müssen Laboraufträge künftig unbedingt digital erfasst und übertragen werden. Heute werden noch immer Laboraufträge papierbasiert erstellt und übermittelt. Das dauert viel zu lange. Außerdem ist es noch wichtiger geworden, den Patienten selbst mit in die Prozesse zu integrieren. Auf Basis einer geeigneten elektronischen Patientenakte können künftig schneller und zielgerichteter Tests erfolgen, Infektionsketten analysiert und ausgewertet werden. Sowohl politische Entscheidungen zur Gesamtlage als auch die individuelle Situation Einzelner können dann wesentlich besser gehandhabt werden.

Stefan, vielen Dank für das Gespräch.