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Security

Alles, was man über den Betrieb einer Multitenant Database wissen sollte

Die Multitenant-Database-Technologie ermöglicht es, mehrere Datenbanken in einer einzigen Container-Datenbank zu verknüpfen. Im Interview mit DOAG Online erklärt der Datenbank-Spezialist Johannes Ahrends, was Multitenant bedeutet und welche Herausforderung bei der Implementierung auf ein Unternehmen zukommt.

Sie beschäftigen sich seit Jahren intensiv mit der Multitenant-Database-Architektur. Wie würden Sie das Konzept einer Multitenant Database kurz und knapp beschreiben?

Multitenant Database revolutioniert die Nutzung der Oracle-Datenbank. Während in der Vergangenheit jede kleine Anwendung eine eigene Datenbank und damit eine umfangreiche Administration benötigte, können in der Mulitenant Database viele (bis 254) Datenbanken in einer gemeinsamen Container Database (CDB) verwaltet bzw. betrieben werden. Das vereinfacht die Administration extrem und erlaubt trotzdem, dass Fachabteilungen mehr Autonomie bekommen. Man könnte die Multitenant-Architektur auch als Datenbank-Virtualisierung bezeichnen.

Und was sind die wichtigsten Funktionen?

Die wichtigsten Funktionen sind sicherlich die Cloning-Möglichkeiten: Der Administrator kann sehr schnell Datenbankkopien erstellen, Datenbanken auf andere Server oder in die Cloud migrieren. Multitenant ist sicherlich ein wichtiges Mittel für den Betrieb von Oracle-Datenbanken in der Cloud.

Empfehlen Sie die Nutzung einer Oracle-RAC-Datenbank?

Ich empfehle die Nutzung von RAC nicht grundsätzlich. Im Gegenteil: Für mich steht Data Guard an erster Stelle, wenn es um Hochverfügbarkeit und Desaster Recovery geht. Nur durch eine Standby-Datenbank kann ich mich heute vor den größten Schäden beim Datenbankbetrieb schützen, nämlich vor dem Anwender bzw. Anwendungsfehlern.

Wie kann eine RAC-Datenbank am besten abgesichert werden?

Wie bereits gesagt: Data Guard oder allgemein gesprochen eine Kopie der Datenbank ist meiner Ansicht nach die beste Absicherung vor Fehlern. RAC kommt vor allem bei großen konsolidierten Datenbanken, zum Beispiel in Verbindung mit Multitenant Database, zum Einsatz.

Welche Herausforderung bedeutet die Implementierung einer Multitenant Database in ein bestehendes System für ein Unternehmen?

Jeder DBA hat über viele Jahre hinweg haufenweise Skripte erstellt bzw. gesammelt: von der Erstellung der Datenbank über die Benutzerverwaltung bis hin zum Monitoring und der Performanceanalyse. Ein Großteil dieser Skripte wird mit der Multitenant-Database-Architektur nicht mehr oder nur eingeschränkt funktionieren. Das bedeutet, es gibt einen erheblichen Bedarf an Schulungs- und Consultingdienstleistungen und einer Modernisierung des Toolsets, um mit dieser doch recht drastischen Änderung Schritt halten zu können.

Im Seminar gehen Sie auf NFS statt ASM als Storage Manager ein. Was muss dabei beachtet werden?

NFS ist für mich die optimale Lösung für den Betrieb von Datenbanken, egal ob mit oder ohne Grid Infrastructure. Im Gegensatz zu ASM habe ich hier ein „echtes“ Filesystem, d.h. ich kann meine Linux-Befehle (oder Unix bzw. auch Windows) nutzen. Dynamische Erweiterungen der Filesysteme sind jederzeit ohne Unterbrechung möglich und Snapshot Technologien, wie bei NetApp oder Oracle ZFS können nahtlos integriert werden. So kann ich zum Beispiel in wenigen Minuten eine Kopie einer Multi-Terabyte-Datenbank auf jeden beliebigen Stand der letzten x Wochen erstellen. Das Zurücksetzen der Datenbank zum Beispiel über Flashback Database verliert damit seinen Schrecken. Übrigens werde ich darauf auch in meiner Präsentation auf der DOAG 2017 Konferenz + Ausstellung im November in Nürnberg eingehen.

Was lernen die Teilnehmer während Ihres Seminars?

Um es kurz zu fassen: Alles, was man über den Betrieb von Multitenant Database wissen muss. Speziell auch dann, wenn RAC und Data Guard zum Einsatz kommen.