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„Entwicklern und Architekten erwächst in der Rolle der technologischen Pioniere eine besondere Verantwortung“

Dr. Carola Lilienthal ist Geschäftsführerin der WPS (Workplace Solutions GmbH) und dort für den Bereich Softwarearchitektur zuständig. Sie analysiert deutschlandweit Architekturen in Java, C#, C++, ABAP sowie PHP und berät Entwicklungsteams, wie sie die Langlebigkeit ihrer Softwaresysteme optimieren können. 

Frau Dr. Lilienthal, wie sehr haben Entwickler und Softwarearchitekten unsere Welt bereits verändert und wie groß sind aus Ihrer Sicht die Veränderungen, die noch bevorstehen?

In nur einem halben Jahrhundert haben wir – die Softwareentwickler*innen und Architekt*innen – die Welt auf den Kopf gestellt. Etwas bescheidener formuliert geht es darum, dass wir eben nicht nur Technologien, sondern dabei auch innovative Methoden und Verfahren erschaffen haben, die die Menschen in der Business-Welt wie Projektleiter*innen, Anwender*innen, Betriebs- und Qualitätsmanager*innen inspiriert und profitieren lässt. Wir werden unsere Welt weiter verändern: Software wird immer mehr die Funktionen übernehmen, die heute noch in Hardware eingebaut sind. Die Digitalisierung wird weiter voranschreiten, und ich glaube und hoffe, dass die Notwendigkeit für arbeitsbedingtes Reisen etwa zu Kunden durch die aktuelle Erfahrung des virtuellen Zusammenseins weiter abnimmt. Meine große Hoffnung ruht in diesem Punkt auf Hologrammen.

Inwieweit haben Entwickler und Architekten aufgrund des von Ihnen beschriebenen Einflusses eine besondere Verantwortung?

Man sollte als Softwareentwicklerin und Architektin den eigenen Einfluss zwar nicht überbewerten. Aber uns Entwickler*innen und Architekt*innen erwächst in der Rolle der technologischen Pionier*innen durchaus eine besondere Verantwortung. Wir schaffen täglich neue Software, die hoffentlich zu etwas Wichtigem gut ist und eine Vielzahl von Nutzer*innen Ihre Arbeit erleichtert. Wenn wir alle den Aspekt der Nutzerorientierung umfassend im Sinne der Gesamtgesellschaft begreifen, sind wir auf einem guten Weg, unsere Verantwortung zu übernehmen.

Welche sind die wichtigsten Voraussetzungen, um langlebige Softwarearchitekturen zu schaffen?

Dazu muss man „nur“ einfache und schuldenfreie Architekturen entwickeln. Eine langlebige Architektur kann für lange Zeit von Generationen von Entwickler*innen und Architekt*innen verstanden und verändert werden, ohne dass der Aufwand für die Änderungen mit der Zeit signifikant zunimmt. Das ist aber nur möglich, wenn die Architektur einfach zu verstehen ist. Das gelingt, wenn Entwickler*innen und Architekt*innen den Sourcecode und die ihm zugrunde liegenden Strukturen schnell verstehen können. Voraussetzung dafür sind Modularität, Schichtung und Musterkonsistenz. Also ein Aufbau, bei dem man einzelne Teile – Module – lokal verstehen kann, es ein Oben und Unten gibt, und wiederkehrende Muster – Entwurfsmuster, Architekturmuster, Programmiermuster – immer wieder gleichartig eingesetzt werden. In meinem Buch „Langlebige Softwarearchitekturen“ behandle ich dieses Thema ausführlich.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise aktuell auf die WPS-Workplace Solutions sowie IT-Dienstleister im Allgemeinen?

Die Corona-Krise hat uns mit unseren 110 Kolleg*innen von einem Tag auf den anderen ins Homeoffice katapultiert. Einige unserer Teams haben vorher auch schon remote gearbeitet, weil wir verteilte Teams in Hamburg und Berlin haben. Aber für die meisten war und ist das eine neue Erfahrung. Einige unserer Kunden haben Projekte gestoppt, so dass wir unsere Kolleg*innen auf andere Projekte verteilen mussten. Bei uns hat das zum Glück bisher gut geklappt, aber die Unsicherheit war am Anfang groß, ob unsere Arbeitsplätze und Gehälter sicher sind. Da konnten wir unsere Kolleg*innen zum Glück schnell beruhigen.

Welche Chancen birgt die Krise, insbesondere für die IT-Branche? Gibt es bereits eine gestiegene Nachfrage an Digitalisierungslösungen zu beobachten?

Alle Arten von Softwarelösungen für virtuelle Konferenzen und Schulungen werden aktuell selbstverständlich vermehrt nachgefragt. Wir haben die Chance beim Schopfe gepackt und unsere Schulungen und Trainings auf Remote umgestellt. Meine Kolleg*innen aus dem Trainingsbereich haben sich einiges einfallen lassen, wie wir unser Schulungskonzept verändern und welche Software wir einsetzen müssen, damit die Schulungen für Architekten und zu DDD virtuell durchgeführt werden können. Und was soll ich sagen: Es funktioniert sehr gut!

Frau Dr. Lilienthal, vielen Dank für das Gespräch.