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Development

  • Von: Sanela Lukavica
  • Java Lizenzierung Development
  • 26.09.2018

Support-Ende vSphere 5.5: Wie geht es weiter?

Das Support-Ende für vSphere 5.5 am 19. September 2018 hat die Debatte um Oracle-Lizenzierungen ein weiteres Mal verschärft. Wer Oracle-Datenbanken mit der Virtualisierungssoftware von VMware kombiniert, muss bei einem Wechsel auf vSphere 6.5 oder höher nun alle Prozessoren aller Server in allen vCentern lizenzieren lassen (die DOAG berichtete). Allein die Möglichkeit, Oracle-Produkte einzusetzen, könnte in einigen Fällen theoretisch bereits den Ausschlag für empfindliche Nachzahlungsforderungen geben. Martin Klier, DOAG Themenverantwortlicher Hochverfügbarkeit, bewertet im Interview die jüngsten Entwicklungen rund um das Support-Ende und beschäftigt sich mit den Alternativen, die Anwendern nun offenstehen.

Ist nach dem Supportende von vSphere 5.5 im September mit einer Klagewelle zu rechnen – sowohl von Oracle als auch von Kundenseite? 

Eher weniger. Oracle weiß genau, dass die Lizenzverträge, die sie mit ihren Kunden hat, das Thema Virtualisierung überhaupt nicht berühren. Es gibt in den Verträgen keine Formulierung, die auf Virtualisierung im Speziellen eingeht. Das einzige, was im Oracle-Lizenzvertrag explizit miteingeschlossen wird, ist die Auflistung der verschiedenen CPU-Typen. Auf dieses Dokument wird ausdrücklich verwiesen, und daran muss man sich auch halten. Aber das oft zitierte Partitioning-Dokument, das die Virtualisierung scheinbar verbindlich regelt, ist ausdrücklich kein Vertragsbestandteil. Das wird im Partitioning-Dokument auch eindeutig ausgeschlossen, wenn man sich die Fußnoten genau ansieht.

Ist nicht genau das die Baustelle? Unter Umständen könnte am Ende der Diskussion ein Präzedenzfall stehen?

Richtig, für beide Seiten, sowohl Oracle als auch die Kunden, gibt es hier noch eine Baustelle. Vor allem, weil es diesen Präzedenzfall noch nicht gibt. Oracle hat in der Vergangenheit Auseinandersetzungen zu diesem Thema ganz offensichtlich gescheut. Es gibt viele Kunden, die sich mit und ohne dem zwielichtigen VLAN-Approval mit Oracle geeinigt haben, aber in den Fällen mussten diese Kunden Oracle mindestens zusichern, dass sie die Details ihrer Einigung nicht veröffentlichen. Das heißt für mich, dass Oracle genau weiß, dass es da eine Regelungslücke gibt. Ich kenne aus meiner Praxis die Situation, dass Kunden, die sich nicht an das Partitioning-Dokument halten, jedoch die Benutzung von Ressourcen sicher deckeln, auch nicht mehr lizenzieren müssen als sie nutzen. Dafür gibt es aber keine offizielle Regelung, sondern nur Individualvereinbarungen, und das ist auf jeden Fall schwierig, denn nun braucht diese Regelung ja jeder.

Das VLAN-Approval ist also eher eine Art Camouflage?

Ja, es löst Probleme nur scheinbar. Ich würde das VLAN-Approval sogar noch schärfer verurteilen, denn es weist aus meiner Sicht zwei maßgebliche Probleme auf. Erstens: Es wird auf ein ganz spezifisches Setup hin ausgestellt. Wenn der Kunde seine, in der Regel ja dynamische virtuelle Umgebung anpasst, sie also erweitert, Kapazitäten aufstockt oder die Technologie fortschreitet, legt das Approval die IT an die Kette. Man möchte aber nicht einen Software-Hersteller um Erlaubnis bitten müssen, ob man seine Umgebung verändern oder erweitern darf. Das ist auch ein psychologisches Problem.

Was für mich jedoch noch wesentlich schlimmer ist: Das VLAN-Approval legt durch seine Textfassung dem Kunden Fesseln an, die der normale Lizenzvertrag, der T-OMA, nicht kennt. Durch eine Unterschrift unter das VLAN-Approval stellt man sich meines Erachtens rechtlich schlechter als mit dem reinen Lizenzvertrag. Das Approval ist für den Kunden vordergründig eine Beruhigung, die ihm aber für die Zukunft dauerhaft Fesseln anlegt, die es vorher nicht gab. Deswegen würde ich jedem Kunden raten, das VLAN-Approval und seine für ihn gültige T-OMA vor Unterschrift von einem Juristen auf Nachteile prüfen zu lassen. Ich habe noch keinen Kunden kennengelernt, für den das VLAN-Approval vertraglich objektiv vorteilhaft gewesen wäre.

Was können Anwender tun, um sich vor einem bösen Erwachen – zum Beispiel im Zuge eines Audits – zu schützen?

Ich kann keinem Kunden empfehlen, aktiv mit diesem Thema auf Oracle zuzugehen. Ohne Jurist zu sein, halte ich die vertragliche Regelung durch die T-OMA für völlig ausreichend. Natürlich muss sich der Kunde daran auch halten! Aber Oracle hat die Angewohnheit, bei Lizenz-Auditierungen und Lizenz-Prüfungen strikter zu auditieren als es die Vertragssituation überhaupt hergibt. Dies ist aus meiner Sicht der eigentliche Skandal, der viel zu wenig publiziert wird: Dass Oracle sich bei Lizenzprüfungen nicht einmal an die eigenen Verträge hält, sondern die Kunden strikter prüft als geboten. Welche Formen die Praxis annimmt, ist schon aus dem Umstand ersichtlich, dass Kunden sich sogar gegen Nachforderungen aus einem Oracle-Audit versichern können, und das für durchaus erschwingliche Prämien. Oracle ist noch nie dagegen vorgegangen, es gab im Zweifel immer eine Einigung zugunsten des Kunden.

Virtualisierungssoftware von VMware und Datenbanken von Oracle sind eine häufig anzutreffende Kombination. Kann sich ihre Torpedierung auf lange Sicht rächen?

Ich glaube, dass die Einschätzung der Oracle-Geschäftsführung, wie dringend die Kunden eine Oracle-Datenbank brauchen und wie leicht sich Kunden durch Oracle in eine andere Virtualisierung drängen lassen, nicht deckungsgleich ist mit den tatsächlichen Entwicklungen auf dem deutschland- und europaweiten Markt. Dies beobachte ich so auch bei unseren Kunden. Oracle hat sicher das Gefühl, dass eine erschwerte Nutzung von VMware bei den Kunden automatisch zu einem verstärkten Einsatz des Oracle Stacks führen wird, ob nun im Bereich Engineered Systems, Oracle Virtualisierung oder den Cloud Services. Nach meiner Beobachtung ist es aber nicht so. Die Kunden lassen sich bei den IT Operations nicht von einem Hersteller hineinreden. Sie suchen stattdessen aktiv nach technischen Alternativen zur Oracle-Datenbank, welche diese Restriktionen nicht haben. Hier ist es leider so, dass wir ein negatives Alleinstellungsmerkmal von Oracle haben: Keiner der Mitbewerber geht mit der Virtualisierung so unflexibel um wie Oracle.

In deinem Alltag hast du es oft mit Kunden zu tun, die sich für einen anderen Anbieter entschieden haben?

Ja, natürlich. Und das empfinde ich persönlich als äußerst bedauerlich. Ich halte nämlich in vielen dieser Fälle Oracle für die technisch mit Abstand beste Lösung. Besonders wenn Daten konkurrierend verändert werden müssen, gibt es keinen Mitbewerber von Oracle, der dies technisch vergleichbar gut kann. Trotzdem ist der Druck entsprechend groß, da nehmen die Kunden im Ablauf und der Performance Nachteile in Kauf, nur um sich im betrieblichen Alltag dem Risiko einer Prüfung und einer negativen juristischen Auseinandersetzung mit Oracle nicht aussetzen zu müssen. Es gibt aber glücklicherweise auch Kunden, die mit ausreichend Selbstbewusstsein ausgestattet sind, ihre teils langjährig bestehenden Verträge kritisch auf Vorteile für sich prüfen, und die diese Auseinandersetzung nicht scheuen. Darauf hat aber nicht jeder CIO unbedingt Lust, oder auch nicht die nötige Rückendeckung in seinem Unternehmen.

Was wäre dein Wunsch für die weitere Entwicklung in der Sache?

Ich würde mir persönlich wünschen, dass diese technisch hervorragende Plattform Oracle mehr Rücksicht nimmt auf die Bedürfnisse der realen IT im Mittelstand.

Veranstaltungshinweis

Bei der DOAG 2018 Konferenz + Ausstellung in Nürnberg widmen sich die Rechtsanwälte des DOAG Legal Councils in zwei Podiumsdiskussion am Dienstag zahlreichen rechtlichen Themen, wie etwa „Lizenzierung bei Virtualisierung/VMware“ sowie „Audits, Datenschutz, Cloud-Verträge, Lizenzübertragung und mehr“. Erfahren Sie mehr über die Hintergründe und diskutieren Sie mit!

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