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JCP

  • Von: Andreas Badelt
  • Javaland Java JCP Development
  • 04.10.2017

JavaOne Keynote: Viel Positives aber ohne Überraschungen

Der Eindruck, dass nicht nur die Oracle OpenWorld, sondern auch die JavaOne etwas weniger Besucher hat als letztes Jahr, scheint sich zu bestätigen. Der große Saal im Moscone North Center wirkte bei der diesjährigen Keynote etwas leerer. Dabei gab es jede Menge zu erzählen und zu zeigen, wie Andreas Badelt, Stellv. Leiter der DOAG Java Community, aus San Francisco berichtet. 

In der Java-Welt ist in den letzten Wochen und Monate viel passiert: Java 9 und Java EE 8 wurden veröffentlicht und mit dem Projekt Eclipse Enterprise for Java (EE4J) übernimmt die Eclipse Foundation federführend die Weiterentwicklung von Java EE. Aber der Reihe nach. Georges Saab, Vice President of Software Development bei Oracle, führte durch die Keynote und holte sich zuerst eine Reihe von Personen zur Unterstützung auf die Bühne. Zunächst berichteten Teilnehmerinnen aus dem JDuchess-Programm (die weibliche Duchess als Gegenstück zum Duke), die über das großartige “Community Involvement” sprachen und natürlich insbesondere mehr Frauen für die Java-Welt und generell für die IT begeistern wollen.

Dann erschien Micheal Green, Vice President für System Technologies and Optimization bei Intel, der zunächst zeigte, dass die Intel-Prozessoren Java, verglichen mit 2006, bis zu 110-mal schneller ausführen. Auch die Zusammenarbeit zwischen Intel und Oracle hat Früchte getragen: Durch die Vector API werden nun die Möglichkeiten paralleler Vektorberechnungen der Intel-Prozessoren genutzt. An einem kleinen Beispiel-Programm für die Bildbearbeitung wurde eine sechsfache Beschleunigung gegenüber Java 8 demonstriert. Mindestens ebenso interessant war aber auch, dass Intel eine ganze Reihe von Frameworks zu verschiedenen Themen wie Deep Learning (BigDL) oder Benchmarking (Data-Bench) als Open Source auf Github freigegeben hat. Der Trend scheint sich zu verstärken, dass alles, was nicht als Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem Wettbewerb taugt, zu Open Source wird.

Mark Cavage, Vice President of Product Development bei Oracle holte sich als erstes Vertreter der MicroProfile-Initiative von Red Hat, IBM und Tomitribe zu einem kurzen Interview auf die Bühne. Diese äußerten sich positiv zur Übergabe von Java EE an die Eclipse Foundation und der damit verbundenen Freigabe der Test Compatibility Kits als Open Source. Insgesamt sollte wohl demonstriert werden, dass die Zusammenarbeit funktioniert, die dann ja in Zukunft komplett innerhalb der Eclipse Foundation stattfinden könnte.

Auch das Stichwort Container darf während einer JavaOne Keynote nicht fehlen. Der Gründer von Heptio sprach insbesondere über Kubernetes und zwei Oracle-Mitarbeiter stellten die neue Version des Java Flight Recorders vor, der mit seinen Diagnose- und Drill-Down-Fähigkeiten für Container einen sehr guten Eindruck machte. Gleich danach wurde es “Serverless" mit dem Fn Project. Nach einer kurzen Demo durch den dafür zuständigen Oracle Vice President Software Development, Chad Arimura, gab dieser zusammen mit Mark Cavage, Vice President of Engineering, das Projekt auf Github frei, um der Open-Source-Begeisterung die Krone aufzusetzen.

Den letzten Teil der Keynote bestritt Mark Reinhold, Chief Architect bei Oracle. Das große Thema war natürlich Jigsaw. Neun Jahre, so Reinhold, hätten er und viele Kollegen daran gearbeitet, die “Classpath Hell” abzuschaffen und den massiven Monolithen JDK aufzubrechen. Er trat gleich der Aussage “Jigsaw breaks everything” entgegen, denn “Jigsaw breaks some things“, so Reinhold. Aber nur bei Zugriffen auf interne APIs. Aber hier wurden die Restriktionen ja deutlich gelockert, die meisten dieser Zugriffe werden erst in zukünftigen Releases gar nicht mehr funktionieren, so dass die Projekte Zeit für eine Migration haben, obwohl der Zeitrahmen nicht so groß ist. Die schon vor einiger Zeit angekündigte Änderung in den Release-Zyklen soll nämlich durchgezogen werden. Java erhält einen strikten “Release Train” mit einem Release alle sechs Monate. Java 10 soll daher im März 2018 kommen. Die ersten fertigen Features, zum Beispiel eine deutliche Verbesserung der Switch Statements mit implizitem Type Casting für weniger Boilerplate Code und mehr Lesbarkeit, stellte am Ende der Keynote noch Chief Language Architect Brian Goetz vor. Insgesamt war es eine positive Keynote, auch wenn die ganz großen Knalleffekte ausblieben – das meiste Pulver war bereits schon im Vorfeld verschossen worden.