Seit der Premiere im Oktober 2008 begeistert die Disney-Produktion „Tarzan“ das Publikum mit atemberaubender Luftakrobatik. Diese Reise in den Djungel war eine besondere Anforderung an das Ensemble, das bis zu 20 Metern Höhenunterschied zurücklegen muss. Ob bunte Schmetterlinge, drei Meter lange Trompetenblumen, freche Affen oder Tarzan selbst – die Darsteller bewegen sich nicht nur auf der Bühne, sondern schwingen im gesamten Zuschauerraum in der Luft, als ob sie der Schwerkraft trotzen würden.
Alles für den schönen Schein
Ein eindrucksvolles Bühnenbild, das an den Seiten weit in den Zuschauerraum hineinragt, berauschende Licht- und Soundeffekte und fantasievolle Kostüme vervollständigen die perfekte Illusion des Urwaldes. Das Orchester spielt live die mitreißende Musik von Phil Collins, für die atemberaubende Choreografien in Szene gesetzt wurden.
„Es sind sehr unterschiedliche körperliche Gewerke, die ineinandergreifen und koordiniert werden müssen. Wenn man zum Beispiel überlegt, wie viele Tonnen Stahl für eine Produktion eingebaut werden, wird einem schwindelig“, erzählt Unternehmenssprecher Stefan Jaekel mit Begeisterung. „Aber wir tun alles für den schönen Schein“.
Auch für die Technik stellten die Luft-Choreografien neue Herausforderungen dar: Während der gesamten Show werden über 700 Einsatzbefehle, sogenannte Cues, an Darsteller und Techniker gegeben. Allein 360 Cues steuern die Flugbewegungen, die wiederum über 3.000 Einzelbewegungen in den Gang setzen. Teilweise ist die Abfolge der Einsätze so schnell, dass die Anweisungen nur noch über Lichtimpulse weitergegeben werden können. „Alles ist Computergesteuert. Aber wir haben zusätzlich eine menschliche Steuerung, so dass die Darsteller doppelt gesichert sind und sich auf ihre Performance konzentrieren können“, meint Unternehmenssprecher Stephan Jaekel.
Sicherheit wird großgeschrieben
Für die Show werden über 7.000 Meter Seil benötigt, die wöchentlich ausgetauscht werden müssen. „Es ist für die Sicherheit der Zuschauer notwendig, da sich die Bungee-Seile ausdehnen könnten.“ Darüber hinaus überwachen im Zuschauerraum 25 Infrarotkameras die Vorstellung. Weitere 20 Personen gewährleisten einen reibungslosen Ablauf der Aufführung.
Heruntergerechnet auf einer Produktion ist der logistische Aufwand bereits beeindruckend. Aber es geht weit darüber hinaus: Stage Entertainement beschäftigt weltweit an insgesamt 26 Theatern rund 3.500 Mitarbeiter. Allein in Deutschland betreibt das Unternehmen derzeit elf Theater. Neben den elf parallel laufenden Produktionen an diesen festen Spielstätten tournieren weitere drei Shows durch ganz Deutschland.
Ein Musical auf die Beine zu stellen, kostet Stage Entertainement im Schnitt zwischen 15 und 20 Millionen Euro. Es ist ein risikoreiches Geschäft: „Die Shows werden nicht subventioniert. Insofern entscheiden die Besucher über die Zukunft einer Produktion“. Im Jahresrhythmus legt Stage Entertainement fest, inwiefern eine Show weitergeführt oder abgesetzt wird. Bisher hatte das Unternehmen ein gutes Händchen: Musicals wie König der Löwen und Tarzan halten sich seit Jahren am Markt. „Da fallen ‚nur noch‘ die laufenden Kosten an“, so Jaekel.
Im Sommer wird die Tarzan-Produktion Hamburg verlassen. Ab dem Spätherbst werden sich dann die Stuttgarter an dem Musical erfreuen können. Für das Unternehmen ist der Umzug ein Rennen gegen die Zeit. Die Bühne muss abmontiert, die Tonsituation rekonstruiert, die Scheinwerfer ausgerichet werden. Die Darsteller werden bereits in Hamburg eintrainiert. So kann die Probezeit vor Ort dementsprechend verkürzt werden. „Innerhalb von circa acht Wochen muss alles stehen“, erklärt Jaekel. „Wir haben einen Fixpunkt: Das ist die Premiere. Und sie lässt sich nicht verschieben.“


