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Autonomous DB und neue Erwartungen an DBAs: Warten Sie am Bahnhof, wenn Ihr Schiff einläuft?

Jim Czuprynski, ORAWORLD-Autor und Senior Enterprise Data Architect bei Viscosity North America, über die neue Rolle von DBAs.

Dieser Artikel erschien erstmalig in der Ausgabe 17 des zweimonatlichen ORAWORLD e-magazine, einer Publikation der EOUC mit spannenden Geschichten aus der Oracle-Welt, technologischen Hintergrundartikeln und Einblicken in andere User Groups weltweit.

 

Es ist Montag, und Sie sind ein typischer Senior-Oracle-DBA mit einer Unmenge von zu erledigenden 08/15-Aufgaben sowie einem brandneuen Anwendungsentwicklungsprojekt, für das Sie von Ihrem Chef zum leitenden Projektmanager ernannt wurden, weil Sie in Ihrem Unternehmen den Ruf erlangt haben, äußerst gut organisiert zu sein und sich gut auf die Bedürfnisse Ihres Unternehmens konzentrieren können.

Sie widmen sich den alltäglichen Aufgaben dieser Arbeitswoche – Sie prüfen, ob alle Datenbanksicherungen der letzten Nacht erfolgreich waren, ob unerwartete Spitzen bei der Datenbank-Performance aufgetreten sind, und Sie überlegen, wie Sie das Fachwissen Ihres Junior-DBAs im Bereich Performance-Tuning auf dem neuesten Stand halten können. Da klopft auf einmal jemand an Ihre Bürotür. In der Tür steht Bernice Pane-Diaz, Ihre lästigste Anwenderin. Sie ist seit fast 40 Jahren im Unternehmen und auch zufällig die Cousine des Geschäftsführers.

Bernice murmelt die Worte, die Sie am wenigsten hören möchten: „Mit der Datenbank stimmt etwas nicht.“

Ihr Herz flattert ein wenig, als Sie fragen: „Wo liegt denn das Problem?“ Bernice sagt: „Meine Abfrage läuft wieder langsam. Ich brauche das Ergebnis der Abfrage gegen Mittag und sie läuft bereits seit meiner letzten Pause vor etwa einer Stunde. Sie sollten das besser in Ordnung bringen.“ Sie wissen aus Erfahrung, dass Sie jetzt Ihren Zeitplan entsprechend anpassen müssen, um persönlich zu prüfen, was mit der SQL-Anweisung, der Anwendung und vielleicht sogar der Datenbank selbst nicht stimmt. Und Sie erinnern sich, dass der Geschäftsführer Ihre Mentorin, die frühere Oracle-Datenbankadministratorin, ermutigt hat, sich eine neue Stelle zu suchen, als sie sich versehentlich bei Bernice unbeliebt gemacht hatte.

Im Hinterkopf flüstert immer wieder eine Stimme: Es muss eine bessere Lösung geben.

Der sicherste Platz für ein Schiff ist im Hafen...

Ich spreche viel mit Kollegen bei Oracle-Anwenderveranstaltungen und muss feststellen, dass es immer noch einige Verwirrung und Besorgnis über die Zukunft unseres Berufsstands gibt, insbesondere mit dem Aufkommen der Oracle Cloud Infrastructure und, in jüngerer Zeit, der autonomen Datenbank. Unser Beruf erfordert eine ständige Verbesserung unserer Fähigkeiten nach jeder Nebenversion der Datenbank. Und der Druck, unsere Entwickler- und DBA-Teams anzuweisen, die bestmöglichen Systeme zu erstellen, verlangt, dass wir die beste Technologie für die jeweilige Aufgabe berücksichtigen. In letzter Zeit habe ich aber auch einige interessante Umbrüche in IT-Unternehmen gesehen, die auf einen anderen Pfad für unseren Beruf hindeuten.

Vor-Ort-Infrastruktur ist in Wirklichkeit nicht so großartig (oder sicher), wie alle glauben. Viele CIOs und leitende Manager, mit denen ich gesprochen habe, möchten unbedingt aus dem Betrieb eigener Rechenzentren aussteigen. Einige Unternehmen haben zugegebenermaßen gesetzliche oder sicherheitstechnische Vorgaben, die es erforderlich machen, dass sie eine Vor-Ort-Infrastruktur beibehalten. Für viele Geschäftszweige ist es allerdings sinnvoll, auf eine cloud-orientierte Strategie zu wechseln, um die Hardware-Kapazität effektiv und flexibel zu verwalten. Obwohl es einen natürlichen Widerstand gibt, dem Rechenzentrum anderer zu vertrauen, wächst auch die Erkenntnis, dass unser eigenes Personal in den Rechenzentren mit absoluter Besonnenheit überprüft werden muss, damit sie nicht von äußeren Einflüssen verleitet werden.

Die BiCloud bietet faszinierende Möglichkeiten. Die Ankündigung der Partnerschaft zwischen Oracle und Microsoft – ich betrachte das gerne als die BiCloud (Entschuldigung an Asgard) – bietet vielleicht endlich das Beste aus beiden Welten für IT-Unternehmen: die unbestrittene Sicherheit und Performance von Oracle-Datenbanken, wenn sie wirklich gebraucht wird, gepaart mit Microsoft-SQL-Server-Datenbanken, wenn keine so hohe Performance benötigt wird. Und das kombiniert mit dem faktisch dominantem Microsoft Office 365 für das Front Office.

Autonomous DB: kein Kleinkind mehr
Und das bringt uns zu dem, was ich für das wahre Versprechen von Autonomous Database halte: Wenn sie richtig und für die entsprechenden Workloads von Anwendungen verwendet wird, kann sie ein wahrer Multiplikator an Arbeitskraft für vielbeschäftigte Enterprise Data Architects sein.

Ich habe mir erst kürzlich ATP Serverless (ATP-S) zunutze gemacht, um eine skalierbare Version von Swingbench mit der „extremen“ OLTP-Arbeitslast des Transaction Processing Performance Council (TPC-E) zu erstellen. Sie simuliert die Transaktionsverarbeitung für ein relativ komplexes Aktienhandelssystem. Es hat mich positiv überrascht, dass ATP-S fünf spezifische Datenbankdienste für jede Gruppe von OLTP- oder Berichtstransaktionen bereitstellt. Ich musste nur den für die Transaktion am besten geeigneten Dienst auswählen und die ATP-S-Instanz konnte dann die von mir zugewiesene Transaktionslast problemlos handhaben.

Noch beeindruckender war die neue Auto-Skalierfunktion von ATP-S, die mit der Zeit ermittelt hat, dass meine Test-Workloads besser mit der Hinzunahme von OCPUs laufen würden. Ursprünglich hatte ich meiner Datenbankinstanz nur zwei OCPUs zugewiesen, aber mit gestiegenen Workload-Anforderungen der Anwendung wies ATP-S automatisch zwei weitere OCPUs zu. Mit Abschluss der Hochlastphase und meinen Workloads nahe der Fertigstellung verringerte ATP-S die Anzahl der OCPUs automatisch von vier auf drei und anschließend von drei auf zwei – und das alles ohne irgendeinen manuellen Eingriff.

ATP Dedicated: Eine ernsthafte Verpflichtung
Vor kurzem hatte ich außerdem die Gelegenheit, mit der neuesten Version von Autonomous Transaction Processing zu experimentieren, bekannt als ATP Dedicated (kurz ATP-D). Der große Vorteil von ATP-D besteht darin, dass potenziell „laute Nachbarn“ beseitigt werden. Beispielsweise müssen die Ressourcen einer virtualisierten Hardwareplattform mit anderen potenziellen Verbrauchern mit ähnlichem Ressourcenbedarf geteilt werden.

Erneut hatte ich meine Swingbench-Implementierung des TPC-E-Anwendungsworkloads für eine ATP-D-Instanz mit acht OCPUs eingesetzt, um festzustellen, wie gut sie mit ihren Anforderungen umgehen kann. Meine Experimente ermöglichten auch einen Blick auf die Implementierung eines weiteren, relativ neuen Features von Oracle 19c: Automatische Indizierung. Sie wird bei jeder neuen ATP-D-Instanz automatisch aktiviert. Nachdem ich also die etwa dreißig Tabellen und die entsprechenden für die Ausführung eines ausreichend robusten TPC-E-Workloads erforderlichen Primärschlüsselindizes geladen hatte, konnte ich testen, wie gut die automatische Indizierung die Anforderungen für nützliche Sekundärindizes ermittelt.

Zu meiner Zufriedenheit identifizierte die automatische Indizierung nicht nur etwa zwei Dutzend Sekundärindizes basierend auf der von mir generierten Workload, sondern implementierte auch eine Handvoll davon. Dies führte zu einer sofortigen Verbesserung des Workload um einen Faktor von mehr als 670. Viele der SQL-Anweisungen des Workload verbesserten ihre Performance aufgrund der neu erstellten Indizes um mehrere Größenordnungen. Tatsächlich haben sich zwei Anweisungen um einen Faktor von mehr als 110.000 verbessert.

Für mich ist das Beste an der automatischen Indizierung, dass es sich wahrscheinlich um eine Art Gegenstück für Bernice handelt, den sinnbildlichen Anwendungsbenutzer, dessen ständige Beschwerden nicht abgewiesen werden konnten, und die Störung durch diese Beschwerden, wodurch die tägliche Arbeitslast unseres typischen Oracle-DBAs verursacht wurden. Während der Bedarf für einen Sekundärindex sicherlich Bernices lange laufenden Abfrageprobleme lindern könnte, braucht es Zeit, um herauszufinden, ob dies wirklich die beste Lösung für dieses Problem ist. Das ist genau die Zeit, die ich nicht für meine wichtigste Aufgabe als IT-Experte aufwenden konnte: Unterstützung meines Teams von Anwendungsentwicklern beim proaktiven und eben nicht reaktiven Aufbau besserer Systeme.

…aber dafür wird ein Schiff nicht gebaut.

Es besteht kein Zweifel, dass die Rolle des Oracle-DBAs definitiv ein dramatisches Upgrade erfährt, da die Umstellung auf Cloud immer schneller voranschreitet, und es besteht kein Zweifel, dass Oracle-Technologie wie Autonomous DB weiterhin zu den dramatischen Änderungen für die erforderlichen Fähigkeiten und Verantwortlichkeiten von Enterprise Data Architects beitragen wird. Persönlich habe ich mich dazu entschlossen, diese Veränderungen als zu bewältigende Herausforderungen anzunehmen, anstatt sie als eine direkte Gefährdung meiner beruflichen Karriere zu betrachten. Vielleicht ist es an der Zeit, über die Weisheit des alten Sprichworts nachzudenken: „Ein Schiff im Hafen ist sicher. Aber dafür werden Schiffe nicht gebaut.“

Über den Autor
Jim Czuprynski verfügt über annähernd 40 Jahre Berufserfahrung in der IT und war in unterschiedlichen Funktionen in verschiedenen Fortune-1000-Unternehmen tätig, bevor er 2001 Oracle-DBA wurde. Er wurde im Jahr 2014 Oracle ACE Director und ist ein begehrter Redner für Technologie-Features von Oracle-Datenbanken.

Jim hat seit 2003 auf databasejournal.com und IOUG SELECT über 100 Artikel über Aspekte der Oracle-Datenbankadministration verfasst. Seine Website Generally … It Depends umfasst regelmäßige Beobachtungen über alle möglichen Oracle-bezogenen Themen und den Stand der IT-Branche. Derzeit ist er als Senior Enterprise Data Architect für Viscosity North America tätig.

 

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Titelbild:
© Gennady Kireev (https://123rf.com), Schiff: © macrovector (https://freepik.com)