Cloud? Wovon reden Sie eigentlich?

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Larry Ellison hat es früh erkannt: Die Wolke ist nichts als heiße Luft – oder vielmehr Wasserdampf, wie der Oracle-Chef es seinerzeit auf dem Podium des Churchill Clubs triftig anmerkte. Von dieser langen Unterhaltung mit dem ehemaligen Motorola-Chef Ed Zander ist eine denkwürdige und nicht minder amüsante dreiminütige Tirade über das seiner Meinung nach breitgetretene Thema Cloud Computing entstanden. Das war im September 2009.

 

Larry Ellison hat es früh erkannt: Die Wolke ist nichts als heiße Luft – oder vielmehr Wasserdampf, wie der Oracle-Chef es seinerzeit auf dem Podium des Churchill Clubs triftig anmerkte. Von dieser langen Unterhaltung mit dem ehemaligen Motorola-Chef Ed Zander ist eine denkwürdige und nicht minder amüsante dreiminütige Tirade über das seiner Meinung nach breitgetretene Thema Cloud Computing entstanden. Das war im September 2009.

Ellison lieferte die einfachste und wahrscheinlich zugleich heute noch triftigste Definition von Cloud Computing: "Die Cloud ist nichts anderes als Datenbanken, Betriebssysteme, Speicher, Prozessoren und das Internet." Cloud Computing sei nicht die Zukunft der IT-Branche, betonte der CEO. "Cloud Computing ist die Gegenwart und die Vergangenheit der IT".

Seitdem hat sich die Cloud immer noch nicht verzogen. Im Gegenteil: Sie scheint an Land gewonnen zu haben und schwebt mittlerweile sogar schamlos über den höheren Regionen des B2C-Bereichs. Jeder Internet-, jeder Handy-Anbieter winkt mit Cloud-Angeboten. Endverbraucher werden in Werbungen aufgefordert, sich um jeden Preis ein Stück Cloud zu "sichern", als ob es Mangelware wäre. 

Ob Provider, Medien oder Software-Hersteller – jeder preist die Wolke als das Nonplusultra unter den Innovationen der ITK-Branche an. Auch Oracle, das sich bei dem Thema lange Zeit zurückgehalten hatte, vermarktet das Thema Wolke mittlerweile sehr breitspurig und setzt überall den Cloud-Stempel – offenbar mit der Absicht, Nummer eins zu werden.

Obwohl oder vielleicht eben gerade, weil jeder darüber redet, bleibt das Thema Cloud an sich eine nebulöse Angelegenheit. Ellisons Aussage hat seit 2009 kein kleines Tröpfchen an Gültigkeit verloren. Von dieser Definition ausgehend dürfte mehr oder minder alles, was derzeit auf den Markt kommt, in irgendeiner Weise dem Cloud-Ansatz gerecht werden. Es erklärt wohl die inflationäre – aber immerhin systematische – Nutzung jener Buchstabenreihenfolge bei der Produkt-Benennung im Hause Oracle: c in Kursivschrift für die Cloud-fähigen Produkte; aaS für die Cloud-Produkte selbst. 

Das Ergebnis? Mittlerweile sind die Cloud-Arten fast so vielfältig wie ihre meteorologischen Ebenbilder. Sie nennen sich Privat, Public, Hybrid, Community, Enterprise, Departmental oder Explorary Cloud und beziehen ihren Namen anscheinend je nach Fokus wahllos von ihrer Zielgruppe, ihrem Nutzen oder sogar der zugrundeliegende IT-Infrastruktur. Sich mit dieser Thematik zu beschäftigen, vernebelt die Erkenntnisse nur noch mehr.

IT-Infrastruktur aus der Steckdose

Aber muss man das alles verstehen und nutzen? In Irgendeiner Weise nutzen die meisten unter uns die Cloud wahrscheinlich schon jetzt. Denn im Grunde ist die Wolke nichts anderes, als ein Synonym für moderne IT-Infrastruktur.

Beim Cloud Computing konvergieren die wichtigsten Business-Anforderungen wie hohe Flexibilität, kurze Reaktionszeiten, Service-Orientierung, unendliche Kapazitäten und Hochverfügbarkeit. Analytics und die Finanzen bzw. Kosten sind auch ein großes Thema. Aus diesem Grund werden wir kaum darum herum kommen, uns damit zu beschäftigen – ob wir es wollen oder nicht. 

Das Business möchte die IT-Infrastruktur so beziehen, wie Strom aus der Steckdose. Das macht es nötiger denn je, sich ungeachtet der Marketing-Maschinerie ernsthaft über das Thema zu unterhalten. Denn eins ist sicher: Die Cloud ist noch an seinen Anfängen. Damit sie überall Realität wird (sei es als Self-made-Lösung, Oracle- oder Amazon-Cloud ), muss noch Einiges gemacht werden – Angefangen mit einem praktikablen Preismodell.

Aber lasst uns auf unserer Ebene darüber reden: Lasst uns über Virtualisierung, Mandantenfähigkeit und Automatisierung reden. Lasst uns über schnelles Provisioning, über Outsourcing, Hosting und Datensicherheit und Lizenzkosten reden. Lasst uns die Ansätze evaluieren und von Fall zu Fall überlegen, welche Art von Cloud in Frage kommt. 

Lasst uns aus diesem formlosen Gebilde namens Cloud Computing Transparenz schaffen. Denn die Cloud ist auch die IT der Zukunft. Das sieht auch Ellison inzwischen so.