Die neue Fusion Middleware 11g aus Sicht der DOAG

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  • Infrastruktur, SOA & BPM

Am 2. Juli 2009 stellte Oracle in München das von vielen Anwendern erwartete Release 11g der Oracle Fusion Middleware vor. Nachfolgende die Einschätzung der DOAG-Experten auf diesem Gebiet:

Perry Pacull, Leiter der Special Interest Group Middleware:

Mit Fusion Middleware 11g setzt Oracle einen Meilenstein im Bereich ihrer Middleware-Produktpalette. Obwohl die Integration der BEA-Produkte zusätzliche Zeit in Anspruch genommen hat, bringen gerade die Bausteine WebLogic Server und Service Bus zusätzliche Möglichkeiten und vor allem weitere Stabilität. Die enge Verzahnung aller Produkte basierend auf einer einheitlichen Infrastruktur ist ein Vorteil, der das Warten gerechtfertigt hat.
Im Kern von Fusion Middleware 11g steht die SOA Suite als Basis für die Realisierung von service-orientierten Architekturen und Systemen. Die SOA Suite wurde durch die Service Component Architectur (SCA) in 11g nochmals erweitert, der Reifegrad der Software macht aber einen Einsatz im Projekt sofort möglich.

Björn Bröhl, OPITZ CONSULTING GmbH, und Torsten Winterberg, Leiter der Special Interest Group SOA:

Das sind die Highlights der lang erwarteten Produktsuite von Oracle: Das Herz der neuen Plattform und damit die Basis für alle Fusion-Middleware-Komponenten bildet ab sofort der von BEA übernommene Weblogic Application Server 11g. Damit steht nun anerkanntermaßen einer der besten verfügbaren Application Server für Projekte auf Oracle-Basis zur Verfügung.
Das Killer-Feature in der neuen Oracle SOA Suite 11g ist ebenfalls leicht zu benennen: Die extrem enge Integration aller Komponenten, die in den einzigartigen Monitoringmöglichkeiten im neuen EM ihren Höhepunkt findet, ist so auf dem Markt ansonsten nirgendwo zu haben. Das Tracing über alle Komponenten (ESB, BPEL, HumanTasks, Events etc.) ist ein Traum – und dringend benötigt, bedenkt man die doch stark gestiegenen Anforderungen im Umfeld lose gekoppelter Systeme.

Hajo Normann, Oracle ACE Director, Co-Leiter Special Interest Group SOA

Seit drei Jahren heißt es "Mit SOA Suite 11 wird alles gut!". Und es ist ja auch so. Rules Designer und Decision Tables im JDeveloper, größere Flexibilität im BPEL-Prozess durch leichtgewichtige Events etc. Das Gesamtpaket - aus einem Guss - ist groß geworden und ein wesentlicher Meilenstein für Enterprise SOA/BPM. Bei der Featurfeier kann man leicht das Hauptplus übersehen: Die Komplexitätsreduzierung durch die Komponententechnolgie Service Component Architectur (SCA), die BPEL, Routing, Human Interaction grafisch in einen Gesamtkontext stellt, wo man vorher durch mehrere JDeveloper-Reiter browsen musste, um sich ein Bild vom Zusammenspiel zu machen. Das zieht sich durch bis ins Deployment, durch SCA gibt es einen konsolidierten Ort, um URL-Roots und andere Kontextvariablen zu speichern. Das macht die Arbeit leichter.
Es ist nun einfach, alles in ein SCA Composit hineinzupacken. Hier gilt es darauf zu achten, ob da konzeptionell auch wirklich alles hineingehört, ich denke hier besonders an technische Aspekte wie Integrationslogik und fachliche Aspekte wie Prozesse und Geschäftsregeln. Sollte man diese zusammenbündeln? Es hängt davon ab: Wo man einen SOA-Layer oberhalb von Applikationen legen möchte, kann es sinnvoll sein, die Integrationsaspekte in den neuen "Mediatoren" mit der Fachlichkeit in BPEL zu verdrahten, da der Austausch der Applikation nicht wahrscheinlich ist.
Wie sieht jedoch das Design aus, wenn man lose Kopplung erreichen möchte, also Prozesse etablieren, die Business Services orchestrieren, deren Implementierung leicht austauschbar sein soll? Dann sollten die fachliche Aspekte von den Integrationsaspekten getrennt deployt werden, also nicht in einem SCA-Composit versammelt sein. Hier bietet sich entweder ein eigenes SCA-Composit pro Business Service an - oder, bei weitreichenden Integrationsaufwänden, die Realisierung der Fassade auf zu integrierende Endsysteme mithilfe des neuen, von BEA übernommenen Oracle Service Bus (OSB). Dieser gehört zur Oracle SOA Suite, ist aber leider noch nicht voll integriert. Gerade hier bleibt Oracle also noch etwas zu tun, so dass der eine oder andere vielleicht, bei aller Freude über das neue Release, bald sagt: "Mit Oracle SOA Suite 11gR2 wird alles gut". Loslegen sollte man jedoch schon heute!