Bei der Umsetzung vieler IT-Projekte in Deutschland scheint es eine Gemeinsamkeit zu geben: der Fachkräftebedarf übersteigt bei Weitem das Angebot. Qualifizierte Mitarbeiter müssen daher oft aus dem Ausland teuer eingekauft werden oder Zeitverzögerungen mangels qualifizierter Mitarbeiter in Kauf genommen werden. Auf dem ersten Tag der DOAG Konferenz 2008 fand daher eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Steigender Fachkräftebedarf im Oracle Markt – Gemeinschaftliche Kompetenz-Initiativen der Oracle Community“ statt. Vertreter von Oracle, der Universität Karlsruhe (TH), der DOAG und aus der Wirtschaft diskutierten 45 Minuten lang, um am Ende konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Situation auf dem Fachkräftemarkt zu beschließen.
Nach einer Begrüßung durch den Moderator Dr. Frank Schönthaler, Sprecher der DOAG Special Interest Group E-Business Suite gab jeder Diskussionsteilnehmer ein kurzes Statement ab. Dabei und während der Diskussion zeigten sich sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede in den einzelnen Standpunkten. Herr Uwe Dmoch, CIO INTERSEROH Dienstleistungs GmbH stellte fest, dass viele Studenten vor allem technologisch geprägt sind. Der Bedarf der Industrie liegt jedoch bei Absolventen, welche mit betriebswirtschaftlichen Kenntnissen sowohl in den Oracle Applikationen als auch auf Geschäftsprozess-Ebene wirken können. Dabei ist es nicht notwendig, dass Berufsanfänger das vollständige Oracle Produktportfolio kennen.
Prof. Dr. Andreas Oberweis, Lehrstuhlinhaber für Angewandte Informatik an der Universität Karlsruhe (TH) und Direktor am Forschungszentrum Informatik Karlsruhe (FZI) wandte ein, dass die Universitäten nicht in der Lage sind, alle derzeit am Markt verfügbaren Applikationen zu lehren. Darüber hinaus eignen sich Studenten Kenntnisse über einzelne Applikationen in der Regel während Praktika oder Werkstudententätigkeiten an. Einen Lösungsansatz für den Oracle Markt sieht er daher eher durch die Schaffung von Zusatzangeboten neben dem regulären Studienbetrieb. Als Vertreterin der Studenten berichtete May Schneider, Studentin der Informationswirtschaft an der Universität Karlsruhe (TH), dass viele Studenten Oracle nur als Technologieunternehmen wahrnehmen und weniger die Vielfalt in den Bereichen Middleware und Applikationen kennen. Unabhängig davon sollten Studenten im Rahmen ihres Studiums an technisch-wirtschaftliche Übergänge herangeführt werden; konkretes Wissen zu einer Applikation ist dabei zunächst nebensächlich.
Dr. Dietmar Neugebauer, Vorstandvorsitzender der DOAG bot die DOAG als Plattform für gemeinschaftliche Initiativen der Oracle Community zur Lösung des steigenden Fachkräftebedarfs an. Ein erster Schritt erfolgte bereits auf der DOAG Konferenz + Ausstellung 2008 in Nürnberg: ein Studentenprogramm wurde ins Leben gerufen, bei welchem Studenten auf der Konferenz mitarbeiten und dadurch freien Zugang zu den Vorträgen bekommen. Angedacht sind gemeinsame Auftritte von DOAG, Oracle, Partnern und vor allem Anwenderunternehmen auf Recruiting-Messen und die Organisation außeruniversitärer Workshops.
Aus der Sicht von Jürgen Kunz, Geschäftsführer der Oracle Deutschland GmbH ist es zunächst einmal wichtig, ein konkretes Anforderungsprofil zu erstellen. Im Anschluss daran müssen Ansatzpunkte gefunden werden, wie dieses Profil durch die Universitäten und Fachhochschulen, Oracle selbst, aber auch Oracle Partner und Kunden geschärft werden kann. Um die Möglichkeit zu schaffen, Studenten an die Software heranzuführen, kann Oracle diese den Hochschulen zur Verfügung stellen. Darüber hinaus werden an einzelnen Standorten Kompetenzcenter aufgebaut, um Know-how weiterzugeben. Jochen Boekel, Vice President Oracle University EMEA schloss sich dieser Aussage an. Bereits heute ist Oracle in vielen Bereichen der Weiterbildung aktiv. Neben den Kompetenzcentern sind Oracle Berater u.a. als Lehrbeauftragte an Hochschulen aktiv, oder es werden Hochschultage und Recruiting-Messen besucht. Bislang finden diese Aktivitäten jedoch im Kleinen und weniger zielgerichtet statt. Dies müsste auf alle Fälle angepackt werden.
Am Ende der Diskussion waren sich alle Beteiligten einig, dass an einem Strang gezogen werden muss, wenn der steigende Fachkräftebedarf gedeckt werden soll. Konkrete Maßnahmen wurden zum einem mit der Bündelung gemeinsamer Auftritte auf Recruiting-Messen, zum anderen mit der Durchführung von außeruniversitären Workshops vereinbart. Die DOAG übernimmt dabei die Koordination und Publikation der einzelnen Maßnahmen. Darüber hinaus sieht sich die DOAG weiterhin als Plattform, um Unternehmen und Studenten zusammenzubringen.
