DOAG Datenbank Kolumne: "Du machst doch Oracle ..."

  • Erstellt von Marco Pachaly-Mischke
  • Datenbank Kolumne, Oracle, Datenbank

Diesen Satz höre ich seit 25 Jahren, seit ich meinen ersten Vollzeitjob als DBA angetreten habe. Der Satz hat sich nicht geändert, wohl aber dessen Bedeutung.

Zu Beginn meiner Karriere habe ich mich wirklich zu 100% um Datenbanken gekümmert. Zusammen mit meinem damaligen Team haben wir auf PA-RISC-Maschinen Single-Instance-Datenbanken 24x7 betrieben. Dann habe ich das Unternehmen gewechselt und bin Berater geworden. Daher wurde ich mit neuen Themen konfrontiert, wie zum Beispiel Oracle RAC und der Grid Infrastructure. Damit einher ging ein tieferes Wissen rund um die Betriebssysteme. Ich habe mich intensiv mit den Hochverfügbarkeitsthemen beschäftigt und viel Neues gelernt. Für die Einrichtung eines RAC-Clusters musste man sich mit den Netzwerkern und den Storage Admins auseinandersetzen und sich mit diesen Themen tiefer beschäftigen. Die Datenbank hat sich natürlich ebenso weiterentwickelt in dieser Zeit.

Hardware

Oracle hatte inzwischen unter anderem Sun gekauft und wurde damit nicht nur Softwarehersteller, sondern auch Hardwarelieferant. Um diese Synergien zu nutzen, hat sich Oracle die Engineered Systems ausgedacht. Also fertige Datenbank-Systeme aus einer Hand, von der Hardware über das Betriebssystem bis hin zur Datenbank. Natürlich fällt auch das unter "Du machst doch Oracle". Also beschäftigte ich mich mit Einbau und Inbetriebnahme von solchen Systemen, hauptsächlich von Oracle Database Appliances (ODAs). Das Thema Netzwerk ist geblieben, das Storage-Thema hat etwas an Bedeutung verloren, darum hat sich Oracle gekümmert, es sind ja Appliances. Nebenbei entwickelt sich die Datenbank ebenso immer weiter.

Cloud

Das nächste Highlight ist die Cloud. Früher hieß das mal "Hosting", das hat sich nicht so recht etabliert. Aber diese Cloud scheint diesmal zu bleiben. Selbstverständlich will auch Oracle bei dem Thema dabei sein. 2014 durfte ich die Open World besuchen, schon damals hat Larry Ellison in den höchsten Tönen von der Oracle Cloud geschwärmt. Tatsächlich dauert es noch ein paar Jahre, bis es wirklich richtig ankommt, aber nun ist sie da, wie wir alle wissen. Und weil ich ja "Oracle mache", werde ich plötzlich zum Cloud Architect, erstelle virtuelle Rechenzentren bestehend aus Netzwerken, Routing-Tabellen, Firewall-Regeln, Nutzermanagement, Servern und so weiter und so fort. Alles Themen, die ich zuletzt vielleicht im Studium mal tangiert habe. Zufälligerweise läuft auch die eine oder andere Oracle-Datenbank in der Cloud. Und natürlich hat sich die Datenbank immer weiterentwickelt, es gibt eine neue Architektur, Multitenant, es gibt AI-Themen und vieles mehr.

AI

Dieses "Du machst doch Oracle" hat mich also ein Viertel Jahrhundert dazu gebracht, ständig neue Dinge zu lernen und schon vergessen geglaubtes Wissen wieder zu reaktivieren. Ich denke, das wird sich auch nicht ändern. Die Herausforderung ist, trotz dieser enormen Breite nicht den Blick für die Details und die Tiefe zu verlieren. Ich bin gespannt, was noch alles auf mich zukommt. Nach dem AI wird sicher wieder etwas Neues kommen. Aber das hat sicher noch 8-10 Jahre Zeit. Das ist etwa der Rhythmus, in dem Oracle die Bezeichnung hinter der Versionsnummer ändert. Das "i" wie Internet hatten wir in 8i und 9i seit 1999. Dann 2007 kam mit Release 10 das "g" wie Grid. Die Version 12 erhielt dann 2014 das "c" wie Cloud. Und die Version 23c wurde 2024 zur 23ai. Demnach sollte etwa 2032 das nächste Kürzel fällig sein. Ich bin gespannt, welches Thema es sein wird. Mit Sicherheit wird es aber immer noch heißen: "Du machst doch Oracle...".

Marco Pachaly-Mischke 

 

Hinweis

Marco Pachaly-Mischke ist auch am 18. Mai 2026 auf der Konferenz DOAG 2026 Datenbank mit Cloud Infrastructure mit seiner Session OCI Migration – was kann schon schiefgehen vertreten.

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