DOAG Datenbank Kolumne: Gutes muss nicht teuer sein

  • Erstellt von Marco Pachaly-Mischke
  • Datenbank Kolumne, Oracle, Datenbank

Wenn man von Oracle spricht, dann hat man meist auch gleich größere Geldbeträge im Hinterkopf. Oracle ist nicht gerade dafür bekannt, Schnäppchenpreise für seine Datenbank aufzurufen.

Das gilt aber aus meiner Sicht nur für die Enterprise Edition (EE) der Datenbank, die viele nützliche Features mitbringt. Weitere Funktionen können durch verschiedene Optionen nachgerüstet werden, natürlich kostenpflichtig. Dem gegenüber steht jedoch die Standard Edition Two (SE2) der Datenbank, die zwar nicht so erweiterbar ist, dafür aber auch nur einen Bruchteil kostet. Vor allem, wenn man bedenkt, dass eine SE2-Lizenz für einen ganzen Sockel ausreicht, eine EE-Lizenz gerade mal für 2 x86-64 Cores, beim knapp 3-fachen Preis.
 

Warum bin ich nun so ein Freund der SE2? 

Ganz einfach, weil diese Edition für viele Anwendungsfälle vollkommen ausreicht. Denn diese Edition bringt eine enorme Basisfunktionalität mit. Man bekommt die volle ACID- und MVCC-Implementierung, identisch zur EE. Das sind essentielle Grundlagen einer relationalen Datenbank, die dafür sorgen, dass Änderungen nie verloren gehen, wenn sie einmal commited sind und das Schreibende Operationen keine Lesezugriffe behindern oder blockieren. Im Grunde geht es um die Sicherstellung der Konsistenz der Datenbank zu jedem beliebigen Zeitpunkt. Diese Techniken bringt die SE2 von Hause aus mit. 

Ebenfalls dabei sind die meisten Weiterentwicklungen im SQL-Umfeld. Egal, ob es neue JSON-Funktionalitäten sind oder die Möglichkeit, Property Graph Queries wie in der Version 23ai nativ direkt in der Datenbank auszuführen, es gibt alles ohne Aufpreis. Auch die Verschlüsselung des Netzwerkverkehrs ist ohne Zusatzkosten dabei, ein nicht unwesentlicher Punkt, wie ich finde.
 

Ein paar Einschränkungen

Natürlich sind die fehlenden Funktionen durchaus auch schmerzhaft. So gibt es weder Parallelisierung von Queries, DML oder RMAN, noch gibt es die Möglichkeit, Datenbankobjekte online, also ohne exklusive Sperren, zu reorganisieren. Auch im High- Availability- und Desaster-Recovery-Umfeld fehlen Funktionen, so sucht man nach Dataguard beispielsweise vergeblich.
Einige fehlende Funktionen lassen sich verschmerzen oder mit etwas Aufwand nachbilden. So gibt es statt dem Real Application Cluster die Möglichkeit, einen Active/Passive-Cluster zu bauen. Auch eine halbwegs aktuelle Kopie einer Datenbank als Desaster Recovery lässt sich realisieren. Parallelisierung kann manuell erreicht werden, denn natürlich können mehrere Datenbank-Sessions parallel arbeiten. Bei den Online-Funktionalitäten wird es schon schwieriger.
 

Tausch von Zeit gegen Geld

Am Ende stellt sich immer die Frage nach dem Preis. Man muss am Ende des Tages bewerten, was ein Ausfall oder eine Verzögerung betriebswirtschaftlich kostet. Ist ein Ausfall von ein paar Minuten teurer als die EE-Lizenz? Ist ein Wartungsfenster zur Reorganisation teurer als die EE-Lizenz? Diese Fragen gilt es zu beantworten und zu beziffern. Erst dann kann man eine Entscheidung treffen.
Eigentlich ist es wie im richtigen Leben, man tauscht Zeit gegen Geld. In diesem Fall reduziert man potentielle Ausfallzeiten durch den Einsatz der Enterprise Edition, also mit Geld. Ob es das wert ist, das ist die spannende Frage. Aus meiner Sicht genügt in vielen Fällen bereits die Standard Edition. 

Marco Pachaly-Mischke


 

Hinweis: Auf der DOAG 2025 Datenbank mit Cloud Infrastructure ist Marco Pachaly-Mischke mit seiner Session “Ask me anything” vertreten. In diesem Slot dürfen alle Fragen rund um das Thema (Oracle)-Datenbank an Marco gestellt werden. Die Themen sind dabei völlig offen und sollen von den Zuhörenden bestimmt werden.

 

 

© David Yonatan González