Welche Oracle Datenbank Editionen gibt es?
Dies ist der erste Artikel einer Mini-Serie zum Thema Oracle-Datenbank-Lizenzierzungsmetriken für Standard- und Enterprise-Edition.
Welche Oracle Datenbank Editionen gibt es?
Bei der Oracle-Datenbank gibt es mehrere verschiedene Editionen mit unterschiedlichen Lizenzierzungsmetriken:
- Oracle XE (bis 18c) und Oracle Free (ab 23ai) sind kostenlos nutzbar
- Oracle Standard Edition bzw. Standard Edition One bis Oracle 11gR2.
- Oracle Standard Edition 2 ab Oracle 12.1.0.2
- Oracle Enterprise Edition (seit ca. Oracle 8)
- Oracle Personal Edition (seit ca. Oracle 8) ist für Nutzung am Notebook gedacht und nur für Named User verfügbar
Da zum Zeitpunkt der Erstellung des Artikels nur zwei kostenpflichtige Editionen relevant (supported) sind, gehe ich in dieser kurzen Artikelserie zuerst auf die Standard Edition 2 ein. Der zweite Artikel wird sich mit der Enterprise Edition (EE) beschäftigen.
Für die SE2 und EE gibt es mehrere grundsätzliche Lizenzierungsarten:
- Names User Plus (NUP): hier werden die Benutzer der Datenbank gezählt (ähnlich User-Lizenzierung bei Microsoft), wobei auch hier einige Regeln zu befolgen sind. Darauf gehen wir in diesen beiden Artikeln nicht ein.
- Prozessor/CPU: hier erfolgt eine Lizenzierung basierend auf den eingesetzten CPUs
- Rechnereinheiten. Dieses essenzielle Thema wird genau behandelt.
Auch weitere Sonderfälle wie Personal-Edition-Lizenzierung, Embedded Lizenzen, etc. oder spezielle Rahmenverträge wie ULA, PULA, etc. werden hier nicht berücksichtigt.
Zusätzlich ist zu beachten, dass Oracle bei der Datenbank-Lizenzierung noch spezielle Regeln bezüglich des Einsatzes zwischen On-Premise (im eigenen Rechenzentrum) und Cloud-Anbieter unterscheidet. Auch ob und welche Art von Virtualisierung genutzt wird, oder welche CPUs eingesetzt werden, hat einen Einfluss auf die Lizenzierung.
Referenzen:
- Oracle Pricing Specialty Topics
Oracle Datenbank Standard Edition 2
Die SE2 wurde mit der Datenbank Release 12.1.0.2 ab dem 1. September 2015 eingeführt – siehe auch:
Änderungen bei der Oracle-Datenbank-Standard-Edition-Lizenzierung
Zu diesem Zeitpunkt war es noch möglich die SE2-Datenbank als Real Application Cluster zu betreiben. Beginnend mit Oracle 19c ist das nicht mehr möglich - siehe: Artikel SE2 ohne RAC!.
Für die Standard Edition gibt es auch keine kostenpflichtigen Optionen oder Management Packs – diese sind der Enterprise Edition vorbehalten. Seit einigen Jahren, gibt es jedoch kostenlose Optionen, beispielsweise - Machine Learning, Spatial und Multitenant (mit Limitationen und abhängig von der Oracle Version) 12c und 18c beziehungsweise ab 19c.
Aktuell – Sommer 2025 – gelten folgende Kriterien:
- Es dürfen nur noch Server mit maximal 2 CPU-Sockeln eingesetzt werden. Der Server darf nicht mehr als zwei physische CPU-Sockel enthalten. Pro bestückten Sockel ist eine SE2-Prozessor-Lizenz notwendig.
- Die maximale Anzahl der nutzbaren CPU-Threads ist auf 16 je Datenbank-Instanz limitiert, wobei der Server mehr CPU-Threads/Cores haben darf – diese werden aber nicht genutzt.
Diese Kriterien hören sich zwar einfach und konkret an, wären da nicht die vielen – teilweise komplexen – Definitionen und Einschränkungen, auf die jetzt im Detail eingegangen wird.
Definition CPU-Sockel für SE2 On-Premise
Die Definition des CPU-Sockels ist insofern kompliziert, dass Oracle in den Lizenzbedingungen an verschiedenen Stellen wahlweise von multi-chip bezeihungsweise chiplets spricht, die für die Berechnung relevant sind. Aktuelle CPUs wie Intel® Xeon® und AMD EPYC™ bestehen intern aus mehreren Teilen (chips/dies/chiplets), die auf einem gemeinsamen Träger verbaut sind. Für die Berechnung werden jene Teile herangezogen, die CPU Cores/Recheneinheiten enthalten. Damit das Ganze noch komplizierter wird, findet man diese Information auf den Seiten der Hersteller nicht so einfach und klar beschrieben.
Eine mögliche Quelle für diese Information findet man beispielsweise bei Wikipedia - AMD Zen4 in den Tabellen als CCD Chiplets. Selbst hier muss man die angegebenen Informationen noch entsprechend interpretieren:
Es gibt beispielsweise die AMD EPYC™ 9124, die laut mehreren Quellen 2 CCDs nutzt. Diese Information sollte man aber zur Sicherheit durch Oracle LMS bestätigen lassen. Diese CPU ist für eine Oracle Standard Edition 2 einsetzbar, sofern der Server nur einen physischen Sockel aufweist. Da für jeden Sockel – in diesem Fall CCDs – eine CPU-Lizenz notwendig ist, braucht man somit 2 Oracle SE2-Lizenzen für einen Server mit dieser CPU.
Referenzen:
- Oracle Software Licensing Basics auf Seite 13: For multi-chip module processors, each chip on the processor counts as one occupied socket.
- Licensing Information User Manual – im Absatz über About License Options for Oracle Database Standard Edition 2 on Oracle Database Appliance (der eine Ausnahme für die ODA definiert): ...For the purposes of licensing Oracle Database Standard Edition 2 on Oracle Database Appliance running multi-chip modules, where each chip in a multi-chip module is counted as an occupied socket for licensing purposes, you may exceed the 2 sockets per server limit...
Definition CPU-Sockel für SE2 in Authorized Cloud Environments
Da man in der Cloud keinerlei Möglichkeit hat, die verwendete CPU als Basis für die Lizenzierung zu nutzen, geht Oracle hier einen anderen Weg. Es gibt eine Liste von anerkannten Cloud-Anbietern – aktuell sind neben der eigenen Oracle Cloud folgende Angebote akzeptiert: Amazon Web Services – Amazon Elastic Compute Cloud (EC2), Amazon Relational Database Service (RDS), Microsoft Azure Platform and Google Cloud Platform (GCP).
Oracle definiert einen CPU-Sockel bei einem Authorized Cloud Vendor mit 4 vCPUs. Somit benötigt man für einen VM mit bis zu 4 vCPUs eine Prozessor-Lizenz und für 8 vCPUs entsprechend zwei Prozessor-Lizenzen der SE2. Mehr als 8 vCPUs sind nicht möglich/erlaubt. Je nach der vom Cloud-Anbieter genutzten CPU bekommt man deutlich weniger Rechenleistung als erwartet. Je nach der für das Angebot genutzten CPU kann es sein, dass man in Wirklichkeit nur 2 echte Cores pro Prozessor-Lizenz bekommt. Der Grund ist, dass bei den meisten Angeboten Intel-CPUs mit aktivem Hyperthreading (virtuelle Cores) beziehungsweise bei AMD CPUs SMT (Symetric Multi Threading – ein Core sind dann 2 Threads) genutzt wird. In diesem Fall sieht man in der VM eben 2 vCPUs, auch wenn dahinter nur ein Core steht! Zusätzlich setzen die Cloud-Provider auf CPUs mit vielen Cores, die dann im Betrieb deutlich niedriger getaktet sind, als man dies On-Premise typischerweise vorfinden würde. Die meisten von den großen Cloud-Anbietern genutzten CPUs weisen nur eine Taktrate von 2.2 bis 2.5GHz auf. Eine AMD EPYC™ 9174F hingegen hat eine Mindesttaktrate von 4.1GHz – was (fast) der doppelten Rechenleistung im Vergleich zum Cloud-Anbieter-Angebot entspricht!
Referenzen:
- Licensing Oracle Software in the Cloud Computing Environment
- Oracle Single Thread CPU Performance Benchmark
Datenbank in der Oracle OCI Cloud
In der Oracle Cloud gibt es noch zusätzliche Unterscheidungen. Folgende Angebote gibt es aktuell:
- Oracle Base Database Service Standard Edition (BaseDB SE)
- Oracle Base Database Service Enterprise Edition (BaseDB EE)
- Oracle Base Database Service Enterprise Edition – High Performance (BaseDB EE-HP)
- Oracle Base Database Service Enterprise Edition – Extreme Performance (BaseDB EE-EP)
- Oracle Exadata Database Service on Dedicated Infrastructure beziehungsweise Oracle Exadata Database Service on Cloud@Customer – beides ist (ExaDB)
Diese Angebote unterscheiden sich von den Authorized Cloud Environments durch mehrere Aspekte:
- Transparent Data Encryption (TDE) for Tablespaces ist in allen Angeboten – auch der Standard Edition – kostenlos enthalten. Da es sich dabei um eine Funktionalität der Advanced Security Option handelt, ist somit eine Verschlüsselung der Daten in einer Standard Edition ausschließlich in der Oracle OCI Cloud verfügbar.
- Die Angebote High Performance (BaseDB EE-HP) und Extreme Performance (BaseDB EE-EP) inkludieren viele Optionen und Packs (abhängig vom gewählten Angebot). Bei Oracle wird in dem Zusammenhang auch von der Autonomous Database gesprochen, wobei hier nur diese beiden Angebote gemeint sind.
- Bei Oracle kann man die Anzahl der vCPUs in der Regel viel granulärer konfigurieren als bei den anderen Anbietern. Zusätzlich gibt es für einige Angebote die Möglichkeit, dass man mehr CPU-Resourcen nutzt, als man im Vorfeld gebucht hat. Damit kann man kurzfristige Peaks (beispielsweise Monatsabrechnungen) ohne Re-Konfiguration (und Restart) der VM abbilden. Dieses Overbooking wird im Nachhinein abgerechnet.
Seit einiger Zeit sind die Oracle OCI Cloud Services auch über Microsoft Azure, Amazon AWS sowie Google Cloud verfügbar – allerdings nicht in allen Regionen der Anbieter. In diesem Fall betreibt Oracle entsprechende Hardware in den jeweiligen Rechenzentren der anderen Cloud-Anbieter, die sich ihrerseits um die Vermarktung und Integration in deren Angebote kümmern. Laut Oracle werden dabei die gleichen Preise verrechnet, die auch in der Oracle OCI Cloud anfallen – allerdings nur für den Datenbankbetrieb. Weitere Leistungen wie Datenverkehr (Traffic) kann zusätzlich anfallen und wird entsprechend verrechnet. Außerdem ist die Latenz beim Zugriff auf die Datenbank möglicherweise etwas höher.
Referenzen:
- Database 23ai Licensing Information User Manual
- Autonomous Database
Zusammenfassung
Die korrekte Lizenzierung von Oracle-Datenbanken ist sehr komplex, da viele Aspekte berücksichtigt werden müssen. Die folgende Liste dient nur als Anhaltspunkt, es gibt noch weit mehr Aspekte, die den Rahmen dieses Artikels sprengen würden:
- Datenbank-Edition (Standard oder Enterprise)
- Named User oder Prozessor-Lizenzierung
- Welche Datenbank-Optionen werden benötigt
- Welche CPUs werden genutzt
- Virtuelle oder physische Server
- Bei Virtualisierung, ob die Umsetzung mit Soft- oder Hard-Partitioning (laut Oracle Definition) erfolgt
- On-Premise oder Authorized Cloud Environment oder Oracle OCI Cloud
- Spezielle Lizenzierungen wie ASFU, Embedded, etc.
- Spezielle Lizenzverträge wie ULA, PULA, etc.
Um für ein Unternehmen/ein Projekt die richtige Lizenzierung zu finden, muss man sich entweder sehr intensiv mit dem Thema auseinandersetzen oder sich die Unterstützung von unabhängigen Oracle-Lizenzberatern suchen.
Christian Pfundtner
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