Dr. Axel Pols: „Eine Cloud läuft auch nicht von allein“

  • Erstellt von Lisa Damerow
  • Konferenz + Ausstellung

Wie nehmen deutsche Unternehmen Cloud Computing wahr? Dr. Axel Pols kennt die Antworten. Der Geschäftsführer der Marktforschungsgesellschaft für Digitalwirtschaft Bitkom Research präsentiert in der diesjährigen Eröffnungskeynote der DOAG 2018 Konferenz + Ausstellung den „Cloud Monitor 2018“ – eine jährliche Studie, die die Cloud-Nutzung in Deutschland detailliert darstellt. In diesem Jahr lag der Schwerpunkt der im Auftrag der KPMG AG durchgeführten Untersuchung auf dem Thema „Cloud Security“. Dazu wurden 557 Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern näher befragt. 

Herr Dr. Pols, wie steht es denn um die Cloud in Deutschland?
Inzwischen ist die Cloud bei den meisten Unternehmen angekommen. Konkret sieht es so aus, dass zwei Drittel der Unternehmen Cloud Computing in der einen oder anderen Form nutzen. In unserer Studie betrachten wir Unternehmen ab 20 Mitarbeitern – das ist wichtig im Hinterkopf zu behalten, wenn wir über die weiteren Ergebnisse sprechen. Tendenziell ist es nach wie vor so, dass die großen Unternehmen bei der Cloud-Nutzung weiter vorne sind als die kleineren Firmen.

Woran liegt das?
Es ist ein typisches Muster, dass Großunternehmen Vorreiter sind beim Einsatz neuer Technologien. Dabei spielen insbesondere ihre im Vergleich größeren finanziellen und personellen Ressourcen eine Rolle. Außerdem gibt es in großen Unternehmen aufgrund der Vielseitigkeit ihrer Aktivitäten und Prozesse oftmals einen größeren Bedarf bestimmte Technologien einzusetzen. Mit Blick auf die Cloud dürfte vor allem der Ressourcen-Aspekt relevant sein. Viele kleinere Unternehmen fühlen sich hinsichtlich Regulatorik und Compliance überfordert.

Welche Erkenntnis der Studie war besonders überraschend für Sie?
Wir hatten mit einem größeren Anstieg der Cloud-Nutzung gerechnet. Ähnlich wie in den beiden Vorjahren, in denen ein deutlicher Schub zu sehen war.

Wie sieht der Trend im Detail aus?
Der Anteil der Unternehmen, die Cloud Computing in der einen oder anderen Form nutzen, hat sich im vergangenen Jahr kaum verändert. Weiterhin sind Private-Cloud-Modelle stärker verbreitet als Public Cloud Computing. Gleichzeitig zeigt sich eine Diversifizierung der Cloud-Nutzung. Es gibt mehr Unternehmen als noch in den Vorjahren, die unterschiedliche Cloud-Modelle kombinieren. Gleichzeitig gibt es einen Anstieg beim Anteil der Unternehmen, die eine Cloud-Nutzung planen oder diskutieren. Damit deutet sich an, dass wir auch im aktuellen Jahr ein Wachstum bei der Nutzung sehen werden.

Welche Vorbehalte wurden in Ihrer Studie in Deutschland gegenüber der Cloud genannt?
Wir fragen Nicht-Nutzer explizit, was aus ihrer Sicht gegen die Cloud spricht. Da stehen Sicherheitsbedenken weiterhin ganz oben. Konkret etwa die Sorge, dass ein Zugriff auf sensible Unternehmensdaten erfolgen könnte oder Daten verloren gehen. Ein zweiter Punkt ist, dass es Unklarheiten bezüglich der Rechtslage gibt. Die neue Datenschutz-Grundverordnung hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass Unternehmen verunsichert sind und die Entscheidung dadurch verzögert wird. Es gibt auch ein paar Themen, die weniger relevant erscheinen als in den Vorjahren. Ein Punkt ist, dass der Widerstand im eigenen Unternehmen nicht mehr so häufig genannt wird.

Wo sehen die Unternehmen die Vorteile?
Das lässt sich unter den Begriffen „Flexibilität“ und „Performance“ zusammenfassen. Wir haben diese Frage speziell den Cloud-Nutzern gestellt – das sind also keine erwarteten, sondern beobachtete Auswirkungen. Zwei Drittel sagen, dass sie von der Cloud-Nutzung durch einen besseren Zugriff auf IT-Ressourcen profitieren, insbesondere auch mobil. Ebenfalls zwei Drittel sagen, dass Cloud Computing eine schnellere Skalierbarkeit ermögliche. Mehr als die Hälfte der Unternehmen konnte auch eine Verbesserung der Verfügbarkeit und Performance von IT-Leistungen verzeichnen.

Der aus unserer Sicht interessanteste Aspekt ist aber, dass Unternehmen mehrheitlich feststellen, dass die Datensicherheit zunimmt. Das ist eine spannende Gegenüberstellung: Wir haben auf der einen Seite die Bedenken von Unternehmen, welche die Cloud nicht nutzen, und andererseits die Erfahrung von Cloud-Nutzern, die wiederum eine Verbesserung erleben. Insbesondere geringere IT-Kosten oder IT-Administrationsaufwand sind Themen, die man oft mit der Cloud verbindet, die sich aber gar nicht als so entscheidend oder in jedem Fall vorteilhaft niederschlagen. Unternehmen machen oft die Erfahrung, dass eine Cloud auch nicht von alleine läuft. Offenbar sind es doch andere Motive und Effekte, die in der Praxis wichtiger sind und positiver bewertet werden.

Was ist mit dem restlichen Drittel? Haben diese Unternehmen es bereut, umgestiegen zu sein?
Wir fragen Unternehmen, inwieweit die entsprechenden Faktoren zunehmen, abnehmen oder gleichbleiben. Der Anteil der Unternehmen, die negative Effekte durch die Cloud-Nutzung gesehen haben, liegt bei den meisten der genannten Aspekte unter 20 Prozent, bei den Themen Flexibilität und Performance unter 10 Prozent. Die restlichen Unternehmen sagen, es gab keine wahrgenommenen Veränderungen seit dem Umstieg.

Was erwartet die Teilnehmer in Ihrer Keynote?
Neben der Untersuchung der Cloud-Nutzung, den Auswirkungen und Widerständen, haben wir im diesjährigen Cloud Monitor einen Schwerpunkt auf „Cloud Security“ gesetzt. Da haben wir genauer nachgefragt, inwieweit Unternehmen bereit sind, kritische Workloads und sensible Daten in die Cloud zu überführen, ob es Vorfälle gab und an welcher Stelle das Problem auftrat. Im Vortrag werde ich auch auf diese Aspekte eingehen. Außerdem geht es um die Frage, wie Unternehmen den Übergang zur Cloud gegenüber den Mitarbeitern kommunizieren und wie die Cloud bei den Mitarbeitern ankommt.


Der Cloud Monitor 2018 kann unter folgendem Link heruntergeladen werden: http://hub.kpmg.de/cloud-monitor-2018