Erhebliche Probleme beim Einsatz von Oracle VM 3

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Es war eine lange Ansammlung von über 40 Service-Requests, die ein Kunde anfänglich zu Oracle VM 3 eingereicht hatte. Inzwischen ist die Liste erheblich kürzer geworden. Doch alle Probleme konnte Oracle bisher nicht aus der Welt schaffen. In manchen Fällen spricht der Support weiterhin von einem Einzelfall. Dabei erhielt die DOAG zu Oracle VM 3 von verschiedenen Seiten – sowohl von Partnern als auch von Endanwendern – negatives Feedback. Diese möchten zwar anonym bleiben, haben aber einer Veröffentlichung ihrer Probleme zugestimmt.

Grundsätzlich verhinderten die Probleme den Einsatz von Oracle VM nicht, meint Björn Bröhl, Leiter der Infrastruktur & Middleware Community der DOAG. „Doch Implementierung und Betrieb von Oracle VM sind mit einem unnötigen Mehraufwand verbunden, der bei Anwendern für große Unsicherheit sorgt. Da Oracle das Produkt als strategisch betrachtet und es auch in Kombination mit Exalogic einsetzt, sollte den aufgeführten Problemen aus Sicht der DOAG und der Anwender eine gewisse Beachtung zuteilwerden“, so der DOAG-Leiter weiter.

Kürzlich veröffentlichte Oracle das Release 3.1 von Oracle VM Server für x86. Ersten Erkenntnissen der DOAG zufolge bringt die neue Version Verbesserungen mit sich, berücksichtigt jedoch nicht alle bisher bekannten Probleme. Die DOAG hat vor dem Release Oracle eine Liste der Mängel kommuniziert und erwartet eine baldige Stellungnahme des Software-Konzerns.

Manche Stolpersteine beschreiben die Anwender als „kleine Unannehmlichkeiten, mit denen man leben kann“, andere Fälle erweisen sich im produktiven Einsatz als durchaus heikler – VM-Kunden sprechen sogar von einer „Zumutung“ – und fühlen sich von Oracle manchmal ziemlich allein gelassen.

Wo man auch hinschaut, ist bei Oracle VM 3 etwas zu bemängeln. Es fängt bereits mit der Installation an: Wer sich einen Kickstart für eine automatisierte Installation erträumt hatte, wird enttäuscht sein. Den gibt es nämlich nicht. Virtuelle Maschinen können nur per Clon oder manueller Installation erzeugt werden. „Dabei sind automatisierte Installation State-of-the-Art“, kommentiert Bröhl.  Auch die automatisierte Installation von Betriebssystemen in virtuellen Maschinen ist Out-of-the-Box nicht möglich. Noch ärgerlicher: Die Versuche, Upgrades bei Oracle VM von der Version 3.0.1. nach 3.0.2 und 3.0.2 nach 3.0.3 durchzuführen, sind kläglich gescheitert bzw. dauerten teilweise mehrere Stunden.

Die Verbesserungswünsche ziehen sich durch die gesamten Anwendungsszenarien durch: Fehlendes Benutzerkonzept für die Administration, fehlende Oracle VM API zur Nutzung von Skripten, kein HA Feature für den VM Manager, keine Snapshots per NFS - das sind nur ein paar Punkte aus einer langen Liste, die die DOAG erstellt hat.

Manche Einschränkungen rufen allgemeines Unverständnis hervor, wie zum Beispiel das fehlende Benutzerkonzept: „Wie sollen mehrere Administratoren ohne Benutzerkonzept Oracle VM 3 vernünftig administrieren? Von personalisierten Accounts ganz zu schweigen“, kritisiert Bröhl. Andere Eigenartigkeiten des Produktes indes verbuchen die Experten unter Kurioses: So sei beispielsweile Windows zwar als Operating System freigegeben. Datenbanken auf Windows seien im Oracle VM-Verbund allerdings nicht zertifiziert. „Das ist eine seltsame Einschränkung, da Oracle einiges unternimmt, um Windows optimal auf Oracle VM zu unterstützen“, so Bröhl weiter.

Auch die Support Policies sind unklar: Oracle Entreprise Manager 12c Cloud Control darf sich nicht auf dem gleichen Server befinden wie Oracle VM Manager. Für eine größere Umgebung werde die Architektur recht kompliziert. „wenn das Ganze noch hochverfügbar sein soll, brauche ich jede Menge Hardware. Das macht den Einspareffekt der Virtualisierung zunichte.“

Dabei hatten sich die Kunden viel von der neuen Version Oracle VM 3 versprochen. Als der Hersteller vor einigen Jahren direkt mit der Version 2 die erste Version veröffentlichte, waren sich die Anwender zunächst nicht sicher, was sie damit anfangen sollten. Zu diesem Zeitpunkt setzten bereits viele Unternehmen Produkte von VMWare strategisch für die Virtualisierung ein. Wollte Oracle nun mit seiner eigenen x86-Virtualisierungs-Lösung in das Massengeschäft einsteigen oder sollte Oracle VM lediglich eine stabile Basis für den virtuellen Betrieb anderer Oracle Technologien sein?

Ungeachtet dieser Frage war das Interesse der Anwender auf der darauffolgenden DOAG Konferenz + Ausstellung ungebrochen. Die Vorträge zu Oracle VM waren so gut besucht, dass fast alle wiederholt werden mussten. Nach und nach probierten immer mehr Anwender Oracle VM aus und der eine oder andere entschied sich dazu, das Produkt produktiv einzusetzen.

Die Möglichkeit, alle Lösungen aus einer Hand zu bekommen und einen durchgängigen Stack aufzubauen, empfanden die Anwender als sehr vorteilhaft. Unter dem Motto „Unified Computing“ stellte man sich vertikal aufgebaute Lösungen vor, die nur aus Oracle-Produkten bestanden – vom Betriebssystem über die Virtualisierungslösung  bis hin zu den Applikationen – damals allerdings noch ohne Hardware.

Hinzu kamen die Vorzüge in puncto Lizenzierung. Oracle-Produkte konnten auf größerer Hardware mit der Oracle VM auf nur einem Teil der CPU-Kerne lizenziert werden (Hard-Partitioning). Kurz: Das Interesse für das neue Produkt war da.

Sicherlich war mit dem Release 2 und den folgenden Patches der Funktionsumfang immer noch nicht mit demjenigen einer VMWare-Lösung vergleichbar. Doch das Produkt war im Betrieb stabil und daher auch für größere Umgebungen anzuwenden. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen für das Release 3. Diesen Erwartungen wird das Produkt, das verspätet im Sommer 2011 auf den Markt kam, nicht gerecht – so das Fazit der DOAG.