„Die ganze Branche ändert sich, die Welt hat sich weitergedreht – Designer nicht“, beteuert ein Teilnehmer. „Es ist ein finanzieller Aspekt. So einfach können kleine Unternehmen nicht migrieren: Während der Mittelstand einen Support über Dekaden erwartet, spricht Oracle von ein paar Jährchen“, erwidert ein anderer. Ein Teilnehmer bringt es folgendermaßen auf den Punkt: „Wie die Oracle Datenbank sind es die Dinosaurier von Oracle, die langsam absterben.“
Die Meinungen weichen stark voneinander ab und werden in zugespitzter Form zum Ausdruck gebracht – doch insgesamt überwiegt eine wohlwollende Haltung zwischen den Kontrahenten. Die klassischen Development Tools Forms, Reports und Designer sind Urgestalten in dem Produktportfolio von Oracle. Es herrscht eine große Vertrautheit gegenüber den Produkten, die viele Entwickler und Architekten seit geraumer Zeit begleiten – die wohlbekannten Alleskönner, eierlegende Wollmilchsäue wie Designer.
Doch Oracle scheint sich zunehmend von seinen Dinosauriern verabschieden zu wollen – langsam aber sicher. Das Statement of Direction vom März dieses Jahres bestätigt diesen Eindruck: Forms wird – genau wie Reports – weiterentwickelt und in der Version 12c als Teil von Oracle Fusion Middleware 12c ausgeliefert werden. Große Neuerungen sind allerdings nicht mehr zu erwarten. Für Oracle Designer 10 g – das Produkt wird schon in der Fusion Middleware 11g nicht mehr mitgeliefert – eine „sustaining level support“-Unterstützung. Pointiert formuliert könnte man es folgendermaßen zusammenfassen: Forms und Reports sind mit Bewährung auf dem Markt, während Oracle für Designer nur noch lebenserhaltende Maßnahmen durchführt.
Langsam aber sicher müssen Alternativlösungen her. Und genau das ist das Problem: Die DOAG hat im Frühjahr seine Mitglieder gefragt, welche Tools sie alternativ zu Reports und Designer einzusetzen gedenken.
Nur 18 Prozent der Befragten sehen in Oracle BI-Publisher einen Ersatz für Reports. 35 Prozent ziehen Open Source-Produkte vor und 47 Prozent andere Produkte. Die Liste der Alternativen ist lang: Business Objects, Excel, IBM Cognos ReportNet, Inspire sind nur einige der vielen Vorschläge, die eingereicht wurden. Desweiteren verfügt die Mehrheit der Reports-User über große Anwendungen mit über 100 Reports, die sich nicht so einfach migrieren lassen.
Bei Designer, dessen Paradedisziplin nach wie vor das Datenbank-Design ist, ist das Stimmungsbild eindeutiger: 42 Prozent der Befragten sehen Oracle SQL Developer Data Modeler als Nachfolgeprodukt – 19 Prozent Oracle JDeveloper. Doch 39 Prozent würden sich für andere Lösungen wie Sybase Power Designer oder TOAD entscheiden.
„Oracle Reports und Designer werden in Deutschland weiterhin eingesetzt. Aufgrund ihrer strategischen Bedeutung in der IT und der Komplexität der Anwendungen wird auch an deren Einsatz festgehalten“, so das Fazit von Schwitalla abschließend.

