Björn, du bist schon sehr lange bei der DOAG und hast in der Vergangenheit unterschiedliche Rollen innegehabt: Autor, SIG-Leiter, Leiter der Infrastruktur und Middleware Community, Leiter der Data Analytics Community und inzwischen Vorstandsvorsitzender. Wie nimmst du die Entwicklung der DOAG wahr und was wünscht du dir für die Zukunft?
Der Verein blickt auf eine lange Tradition zurück und doch hat sich in den vergangenen Jahren DOAG-intern einiges verändert. Die Öffnung der DOAG stand auf der Delegiertenversammlung der DOAG 2019 im Mittelpunkt der strategischen Überlegungen. Ich trage diese Entscheidung als Vorsitzender hundertprozentig mit: Heutzutage ist Veränderung in unserer Gesellschaft – und ausgerechnet in der IT-Branche – ein Dauerzustand. Auch unsere Mitglieder beschäftigen sich heute mit vielen verschiedenen Themen und Technologien NEBEN Oracle. Wenn es uns gelingt, die Erfahrungen der vergangenen 30 Jahre als Plattform für den Austausch und Wissenstransfer mit innovativen Ansätzen und Themen zu kombinieren, dann werden wir für unsere Mitglieder einen starken Mehrwert schaffen. Davon bin ich überzeugt.
Die Diskussion über den Stellenwert des „O“ in „DOAG“ begleitet uns inzwischen seit mehreren Jahren und es ist bereits einiges in die Wege geleitet worden. Was sind aus deiner Sicht die nächsten Schritte?
Ja, wir haben tatsächlich schon viel erreicht. Wir haben viele Themen, Ansätze und Tools vorangetrieben, die im Zusammenspiel mit Oracle oder ergänzend zu Oracle eine hohe Relevanz für unsere Mitglieder haben. Dazu zählen zum Beispiel Ausgaben der RedStack zu Schwerpunktthemen wie Blockchain, Cloud oder Open Source, aber auch Veranstaltungen zu PostgreSQL versus Oracle oder DevOps. Für diese Themen haben die Communities auch gern und intensiv zusammengearbeitet. Das ist eine großartige Entwicklung!
Ich denke, dass wir bei übergreifenden Themen noch viel weiter gehen können, um für die Mitglieder der DOAG eine Harmonisierung des Angebots zu erreichen. Damit meine ich: Die Platzierung unserer Themen in unseren Medien und Veranstaltungsformaten sollten wir als Organisation bewusster vornehmen. Darüber hinaus können wir sicherlich noch viel von unseren Mitgliedern lernen. Das geht nur miteinander und mit einem Aufbrechen der Community-Silos. Wir tendieren meines Erachtens dazu, das Gesamtangebot und die Bedürfnisse der Mitglieder aus den Augen zu verlieren. Wenn es schon bei uns Aktiven der Fall ist, wie verhält es sich bei Mitgliedern, die der DOAG nicht so nah stehen? Wie viele Mitglieder kennen zum Beispiel das Format der „Lectures“?
Das heißt: Neben einer Harmonisierung des Angebots brauchen wir mehr Informationen zur Motivation unserer über 8.000 Mitglieder. Richtig?
Absolut: Für welche Themen und Technologien interessieren sie sich, was motiviert sie zu einer Mitgliedschaft, über welche weiteren Plattformen informieren sie sich im IT- oder Berufsumfeld? Es gibt viele Fragen, auf die wir Antworten brauchen. Wir brauchen hier Feedback aus erster Hand. Ohne das Feedback von uns völlig unbekannten Mitgliedern ziehen wir vielleicht Rückschlüsse, die auf den eigenen Verhaltensmustern und Denkweisen basieren. Das macht die DOAG etwas einseitig.
Was macht die DOAG für dich aus?
Für mich sind zum Beispiel technologische Entwicklungen immer noch spannend zu verfolgen, selbst wenn wir seit einigen Jahren keine bahnbrechenden Innovationen mehr in den Basis-Technologien erlebt haben. Meine Vorstellung der DOAG ist, dass sie aufzeigt, was mit diesen Technologien in der Praxis gemacht werden kann und wie das geht. Zum Beispiel: Welche Auswirkungen haben die Rechen- und Speicherkapazitäten auf KI und Anwendungsfälle wie etwa autonomes Fahren? Bedingt durch Cloud ändern sich Technologie und die Einsatzmöglichkeiten noch schneller als früher. Es ist faszinierend, diese Entwicklungen zu begleiten. Das macht die DOAG seit ihren Anfängen praxisnah. Dieser Aspekt macht die DOAG für mich aus. Was macht aber für andere die DOAG aus? Wir müssen die Vorteile einer Mitgliedschaft wieder mehr in den Fokus nehmen. Dazu gehören sicherlich auch das Thema Image und die Verankerung der DOAG bei den Mitgliedern.
Ich glaube zu wissen, dass die Nachwuchsförderung dir auch ein großes Anliegen ist…
Ja, das ist ein wesentlicher Aspekt der Vereinsarbeit. Wir tun bereits viel, um junge Leute für die DOAG zu begeistern. Mit der Gründung der Next Generation Community haben wir ideale Grundbedingungen geschaffen und mit dem Format der „Lectures“ erste Erfolge bei Studierenden und Auszubildenden gefeiert. Das nächste Level ist es, das Angebot sowohl in den Medien der DOAG als auch in der breiteren Öffentlichkeit bekannter zu machen.
Björn, vielen Dank für das Gespräch!
Sehr gern


