Wer in der DOAG-Geschäftsstelle anruft, kennt die ausgesprochen sympathische Telefonstimme von Cornel Albert, der guten Seele der DOAG. Wenn die DOAG-Mitarbeiterin sich nicht um die Angelegenheiten der Mitglieder kümmert, sorgt sie für das Wohl deren Mägen: Für die Veranstaltungen macht sie die Absprachen mit dem Catering. Ihr Standardsatz: „Bei der DOAG ist noch keiner verhungert.“ Wenn sie nur wüsste, dass es Nerds wie Arne Hattendorf gibt, die tatsächlich freiwillig auf eine Mittagspause verzichten: „Ich habe schon mal das Mittagessen ausfallen lassen, um einen Vortrag nicht zu verpassen. Wenn ich es erzähle, wundern sich die Leute“, sagt er auf seine imposante Statur anspielend. Und tatsächlich: Imposant ist Arne allemal – ein Schrank, würde man sagen.
Würde der 45-jährige Datenbankadministrator statt seinen bunten Hemden eine mit Ketten gezierte Lederjacke tragen und einen dunklen Poker-Blick aufsetzen, so würde man ihn eher vor dem Eingang einer dubiosen Disko vermuten. Aber Arne lächelt immer freundlich. Und wenn er über Technik spricht, leuchten seine Augen so jugendlich frech wie diejenigen eines Zehnjährigen, der sein erstes „Hello-World“ gemeistert hat und erahnt, was für unglaubliche Möglichkeiten sich ihm eröffnen.
Arne ist inzwischen ein bekanntes Gesicht der DOAG. Mit seinem grau melierten Vollbart, dessen Spitzen einen freundlich anlächeln, seinem kurz geschnittenen lichten Haar, das hinten im Nacken in einem schmalen, aschgrau schimmernden Zopf mündet, gehört er mittlerweile samt bunt gemusterten Hemden zu den DOAG-Veranstaltungen wie die Faust aufs Auge. Ja, der Riese ist ein Sympathieträger mit hohem Erkennungswert – und ein DOAG-Begeisterter.
„Die DOAG kann man nicht so erklären.
Man muss sie erleben, um ihren Wert zu erkennen“
„Die DOAG kann man nicht so erklären. Man muss sie erleben, um ihren Wert zu erkennen“, meint der Datenbank-Administrator. Entdeckt habe er den Verein auf einer Regionalveranstaltung in Hannover. Das Event fand er schon recht interessant, aber kein Vergleich zu den Expertenseminaren, die ihm kurz darauf die Augen geöffnet hätten. Heute noch schwärmt er darüber. Was ihm dabei gefallen hat? Das Konzept: Keine Basics, zwei Tage nur Expertenwissen. „Wenn man eine einwöchige Schulung macht, dann sind zwei bis drei Tage davon reine Zeitverschwendung.“ Diese habe man bei der DOAG einfach weggelassen. Seit dieser ersten einschlägigen Erfahrung – es war das erste Expertenseminar mit Marco Patzwahl – ist Arne der DOAG treu geblieben. Seitdem verschlingt er auf DOAG-Veranstaltungen einen Vortrag nach dem anderen, wie andere doppelte Cheeseburger verdrücken. Auf der Jahreskonferenz wird er selbstverständlich wieder drei Tage weilen: „Ich weiß nicht, ob ich schon gebucht habe. Aber ich komme“, sagt er und lacht.
„Klassentreffen der deutschsprachigen Community“
Für viele ist die DOAG Konferenz + Ausstellung – für gewöhnlich DOAG genannt – ein Muss. Die Veranstaltung ist „das Klassentreffen der deutschsprachigen Community“, wird oftmals behauptet. Der Koloss aus Wolfenbüttel bezeichnet sie als „das Jahreshighlight“. „Verblüffend“, wie er meint. „Die Konferenz ist eine Mischung aus Spaß, Networking und Narzissmus“, sagt Arne. Narzissmus? „Ja, wenn ein Steven Feuerstein zu einem rüberkommt und einen begrüßt ‚Hi, Arne! How are you?‘, dann ist es schon was Besonders, dazu zu gehören.“ Man kennt sich halt in der Szene.
Insofern ist das mit Bedacht ausgewählte Speisenangebot von Cornel ziemlich wichtig – aber nicht des Essens wegen. Vielmehr wegen der Gerüchteküche, die drei Tage lang auf Hochtouren kocht. Sie brodelt beim Mittagstisch in den Restaurants, beim Imbiss unten im Foyer bei einer deftigen Pizza oder einer leckeren Kartoffelsuppe, in der Ausstellung, Developer Zone, Unconference... Überall plaudert man aus dem Nähkästchen, tauscht Wissen und Erfahrungen aus, sucht Lösungsansätze für Probleme, die man bisher nicht enträtseln konnte.
Für den einen oder anderen macht es das riesige Vortragsangebot fast überflüssig. Aber nicht für Arne, der sich eine Rosine nach der anderen herauspickt: „Die Vorträge sind mir zu wichtig“. So wichtig eben, dass er lieber die Neugier als den Hunger stillt. „So ist es, wenn man sich für viele Sachen interessiert.“
Dabei ist Arne nicht gerade unkritisch. Er sagt die Sachen, wie sie sind. Aber er sagt es immer mit diesem ausgesprochen sympathischen Lächeln auf den Lippen, immer gut gelaunt und konstruktiv. Interessant hier, enttäuschend da – sein Feedback gibt er unter anderem auf Twitter, wo er unter dem Pseudonym @BigArne sein Unwesen treibt.
Eine Ausnahme gab es auf der DOAG 2013 Development: Funkstille auf der elektronischen Pinnwand. Arne war zwar da, aber keine Postings, nichts. Er hätte so hochkonzentriert in den Vorträgen von Peter Raganitsch und Carsten Czarski gesessen, dass er das Twittern komplett vergessen hätte, berichtet er im Nachhinein. „Das ist ein gutes Zeichen“. Aus dem gleichen Grund könne er nicht garantieren, dass er auf der DOAG 2013 Konferenz + Ausstellung wieder zwitschern würde, spaßt er.
Nie einen Vortrag eingereicht
Wer sich so viel mit Oracle beschäftigt, hat bestimmt auch Lust, einen Vortrag zu halten, könnte man meinen. Aber der Vater von zwei Töchtern hat noch nie an einem Call for Papers teilgenommen. Aufgrund seines breit aufgestellten Wissens sei er nirgendwo ein Spezialist, begründet er. Alles zu allgemein, nicht aktuell, nicht interessant, so zumindest seine Einschätzung.
Arne mag kein Schubladen-Denken. Er interessiert sich sowohl für reine Datenbank-Themen, als auch für APEX und Forms. Den einen oder anderen Java-Vortrag hat er sich auch schon mal angehört. „Ich bin jetzt als DBA unterwegs, allerdings bewege ich mich effektiv zu zirka 50 Prozent in der Anwendungsentwicklung.“
Familie, Beruf, Politik als Hobbies – genau in dieser Reihenfolge
Beruf ist sein Hobby – sein zweites Hobby, um genau zu sein. Direkt nach dem Familienleben und noch vor der Politik. „Und genau in dieser Reihenfolge“, betont er. Trotz der inzwischen fast 20 Jahre Erfahrung im Oracle-Umfeld ist er immer noch so wissbegierig wie zu den Anfängen.
Nachdem er lange als Entwickler gearbeitet hat, ist Arne nun seit zweieinhalb Jahren als Datenbankadministrator im Third-Level-Support bei der CSG beschäftigt, wo er schon seit 2005 arbeitet. Am Anfang sei die Einarbeitung sehr anstrengend gewesen, berichtet er. „Die ersten Dreivierteljahre waren sehr stressig“. Mit ihm zusammen sind in dem Unternehmen zirka zwanzig Leute im Datenbank-Umfeld tätig. Aber nicht alle arbeiten unter Oracle. Microsoft SQL-Server und MySQL sind auch vertreten.
Ursprünglich, als er mit dem Studium der Informatik an der Fachholschule Braunschweig anfing, träumte er davon, sich mit künstlicher Intelligenz zu beschäftigen. „Datenbank ist das letzte, was du machen willst“, dachte er damals. Künstliche Intelligenz - das war cool. Seine Diplomarbeit hat der Wolfenbütteler dann letztendlich mit Forms gemacht: Erstellung einer grafischen Datenbank-Benutzeroberfläche unter Berücksichtigung der Ergonomie. Auch eine schöne Herausforderung, denkt er im Nachhinein: „Ausgerechnet bei Computerprogrammen ist Ergonomie keine Selbstverständlichkeit“.
Im Anschluss an seinem Studium erzählte ihm eine Kommilitonin von ihrem Projekt, sich selbstständig zu machen. Ob er auch Lust habe? Mit der Kühnheit, die einen mit Mitte zwanzig ausmacht, schmissen sie sich ins kalte Wasser. „Ich dachte, die Arbeitgeber warten auf mich.“
"Oracle auf der Stirn eingebrannt"
Der Anfang verlief, wie zu erwarten, eher holprig. Er kümmerte sich um „das Back-Office, Aufbau von Webseiten, und so ein Zeug“, während sie beim Kunden war. Irgendwann ergänzte er ein Internet-Profil mit der Bezeichnung „Oracle-Entwickler“. Am selben Abend kriegte er gleich zehn Anrufe. Das war der Anfang seiner Oracle-Laufbahn. „Jetzt habe ich Oracle auf der Stirn eingebrannt“.
Wenn Arne sein Unwesen nicht auf DOAG-Konferenzen herumtreibt, dann auf politischen Podiumsdiskussionen. Der Lokalpolitiker, der die Piraten im Stadtrat Wolfenbüttel vertritt, ist nämlich Direktkandidat für die Bundestagswahl. Er wollte keinen Listenplatz, sondern nur eine Direktkandidatur. Da er gegen Sigmar Gabriel antrete, sähe er die Situation relativ entspannt. Es gelte, mit wenigen Mitteln viel zu erreichen. „Sollte ich mich gegen Sigmar Gabriel durchsetzen, dann seht ihr mich bei der DOAG nicht mehr“, spaßt er. „Also nur noch auf der Jahreskonferenz“, fügt er hinzu und lacht herzlich.


