Frank, wie lange entwickelst du schon mit Oracle Forms?
Seit rund 30 Jahren – ich habe 1994 nach meinem Studium damit angefangen. Mein erstes Projekt war eine "Internationale Rechtsanwalt Software" mit Forms 4.5 unter Windows 3.1 und Oracle Database 7.1. Damals erschien mit der Version 7.1 auch die erste stabile Datenbankversion für Windows-NT.
Warum war Oracle Forms in Deutschland so erfolgreich?
Forms wurde bereits im Jahr 1979 von Bill Friend als erstes Oracle-C-Tool entwickelt und etablierte sich rasch als Standardwerkzeug in "Oracle Shops". In meiner Zeit bei Oracle Bonn (1997 bis 1999) haben wir fast alle neuen Projekte in der öffentlichen Verwaltung mit dem kompletten Oracle Development Stack umgesetzt: Designer 2000 für das Datenmodell, Forms als lizenzfreie Client/Server-Frontend-Lösung und die Oracle-Datenbank. Die Projekte waren durchweg erfolgreich. Das deutsche Oracle Consulting Team mit rund 1.300 Beratern hatte sehr hohe Stundensätze und eine hervorragende Auslastung. Viele dieser hoch komplexen Softwarelösungen laufen heute noch und wurden über die Jahre migriert und genießen von Oracle immer noch Premium Support.
Warum setzen viele Kunden Oracle Forms immer noch ein? Sollte ein so altes Produkt nicht längst durch modernere Software abgelöst sein?
Schon zu meiner Zeit bei Oracle hieß es ständig, Forms müsse abgelöst werden. 2001 wollte Oracle die Client/Server-Entwicklung einstellen und positionierte Java 1.3 als neue Plattform. Später kam ADF als Java-Framework und schließlich APEX als empfohlener Forms-Nachfolger.
Bei der Ablösung komplexer Forms-Anwendungen (z. B. Module mit 1.500+ Items, 30+ Datenblöcken, 80.000 Property-Attributen, 400+ Triggern und 15.000 Zeilen PL/SQL) waren diese Ansätze jedoch meist nicht erfolgreich. Die Komplexität der Transaktionslogik in Forms wird häufig unterschätzt. Forms generiert nach dem 4GL-Prinzip hochoptimierte Transaktionslogik mit Bindings und Record Locking als Standardfunktion – etwas, das andere Technologien nicht "out of the box" leisten können.
Ein anschauliches Beispiel: Eine lokale PL/SQL-Unit (Trigger, Prozedur, Package etc.) darf in Forms bis zu 64 KB groß sein – in APEX sind es nur 4 KB. Hier stößt man schnell an Grenzen, wenn man die Logik nur einfach in das Framework übertragen will.
Wie schätzt du die Zukunftsfähigkeit von Oracle Forms ein?
Auf dem Papier sieht es gut aus. Oracle Forms/Reports genießt wie die Datenbank unbegrenzten Support. Für 2027 ist ein neues Release angekündigt und das aktuelle Release 14.1.2 mit 169 neuen Features hat Premium Support bis Dezember 2030.
In der Praxis sieht es leider anders aus. Am 13. August 2025 hat Oracle die komplette Entwicklermannschaft und den Produktmanager von Forms über Nacht gekündigt. Der einzige Verbliebene ist nach meinem Kenntnisstand in eine andere Abteilung gewechselt. Der Support hat sich spürbar verschlechtert und wurde auf "Sustaining Support" reduziert. Viele Kunden wollen Forms so nicht mehr so einsetzen und treiben die Ablösung jetzt mit Hochdruck voran.
Faktisch hat Oracle entschieden, Forms keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken – in einem Satz könnte man wie der früherer Oracle Forms PM das einmal sagte zusammenfassen: "Forms is frozen".
Und genau deshalb der Schwerpunkt "KI & Forms"?
Richtig. Selbst bis 2030 bleibt nur wenig Zeit, um hochkomplexe Anwendungen aus kritischer Infrastruktur abzulösen. Die Masken, in denen über 25 Jahre Fachlogik gewachsen ist, sind wahre Monster. Die aktuellen agentischen KI-Modelle haben sich jedoch so stark weiterentwickelt, dass sich mit Command-Line-Interfaces (CLI) selbst sehr komplexe Forms-Anwendungen gut analysieren und migrieren lassen. Ich rechne damit, dass bis Ende des Jahres die ersten belastbaren Migrationspfade auf den Markt kommen.
KI & Forms ist keine Spielwiese und kein "Digital Lab" mehr – aus meiner Sicht ist es die einzige realistische Chance, Geschäftsprozesse, Workflows und Geschäftsregeln aus einer hochkomplexen Forms-Anwendung zu extrahieren und in eine moderne Technologie zu transformieren.
Die DOAG Forms Community hat sich mit großer Mehrheit für diesen Weg entschieden. Im diesjährigen Track planen wir 5 bis 6 Vorträge zu den Themen KI-Entwicklung und KI-gestützte Modernisierung. Dabei geht es häufig um die Ablösung von Forms in Richtung Open Source oder APEX. Es gibt nicht den einen Weg – und genau das wollen wir offen diskutieren und alle Ideen beleuchten. Jeder Weg, den ein Kunde geht, kann hier anders aussehen. Ich gehe davon aus, dass uns das Thema Oracle Forms noch einige Jahre begleiten wird.
Welche Rolle spielt dabei die DOAG Anwenderkonferenz?
Die DOAG Forms Community hat sich seit 2015 international einen sehr guten Ruf erarbeitet. Zu unseren Konferenzen, Forms Days und DevTalks kommen regelmäßig auch Kollegen aus dem benachbarten Ausland. Wir sind vermutlich die größte und aktivste Anwendergruppe zu diesem Thema weltweit. Selbst der letzte Oracle-Forms-Produktmanager, Mike Ferrante, kam gerne zur DOAG und wurde 2025 zu den Top-10 Speakern gewählt. Er hat hier neue Features diskutiert und vorgestellt. Viele der 169 neuen Features sind auf Anregung von DOAG Events aufgenommen worden.
Die DOAG Anwenderkonferenz und die DevTalks bieten hervorragende Möglichkeiten, sich zum aktuellen Stand von KI & Forms auf den neuesten Stand zu bringen und sich mit ausgewiesenen Experten auszutauschen. Eine Happy Hour am Vortag des Tracks soll zusätzlich den intensiven fachlichen Austausch fördern.
Vielen Dank für das Interview und die Einblicke in die DOAG 2026 Konferenz + Ausstellung!
Das Event
Die DOAG Konferenz + Ausstellung ist die führende Konferenz mit Fokus auf Datenbank-Technologien im deutschsprachigen Raum. Sie findet vom 17. bis 19. November im Nürnberg Convention Center (NCC) statt.
Von Dienstag bis Donnerstag bietet das Event hochkarätige Sessions in den Themenbereichen Cloud [Deploy & Build], Database/Operations [Run & Operate], Performance [Optimize & Tune], Security [Protect & Secure], AI and Machine Learning [Extend & Integrate], Coding [Develop & Code], Softskills [NonTec].
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich zudem auf ein umfangreiches und unterhaltsames Rahmenprogramm – inklusive Abendevent und Community-Aktivitäten – mit viel Gelegenheit zum Networking freuen.

