Vor ungefähr einem Jahr kündigte ein Blogbeitrag eines KI-Start-ups einen neuen Textbot an, der mithilfe von Künstlicher Intelligenz agieren soll. Die Rede ist von ChatGPT. Ab diesem Zeitpunkt entstand nicht nur ein Hype, sondern regelrecht ein Wettrennen um KI. Unternehmen wie Google oder Microsoft und sogar Länder wie die USA und China versuchen, immer mehr Künstliche Intelligenzen zu trainieren und in diverse Aufgabenbereiche zu integrieren und diese zu verbessern. Jedem müsste mittlerweile bewusst sein, dass KI das Potential besitzt, unsere alltägliche Arbeit zu erleichtern. Laut Sam Altman, Co-Gründer von OpenAI, wird Künstliche Intelligenz "die wichtigste und nützlichste Technologie sein, die der Mensch erfunden hat." Vielleicht kann diese Technologie bald große Massen an alltäglicher Büroarbeit abarbeiten. Mails, Memos, Websites und ganze Marketing-Konzepte können bereits erzeugt werden. Im Bereich der grafischen Darstellung kam KI im Jahr 2022 schon vermehrt zum Einsatz. Mithilfe von generativen KI-Programmen wie DALL-E, Stable Diffusion oder Midjourney können ganze Meisterwerke per Beschreibung kreiert werden.
KI – dein Freund und Helfer
Mit dem Einzug von KI in die Welt der Grafik kamen natürlich schnell Fragen auf: Ersetzt KI den Posten in der Grafikabteilung? Wie erkenne ich, ob das Bild von einer KI ist? Was ist damit alles in Zukunft möglich?
Grafikerstellende, professionelle Designer sowie Künstlerinnen und Künstler sahen sich einer neuen, schnell wachsenden Konkurrenz gegenüber. Jedoch haben sie gelernt, mit KI-Technologie umzugehen und sie als Tool für ihre Werke einzusetzen. Beispielsweise kann so eine Atmosphäre für ein Projekt viel besser erkannt werden. Dadurch, dass KI ein Bild aufgrund von menschengemachtem Trainingsmaterial und einer Beschreibung kreiert wird, wird das Bild bzw. die Atmosphäre viel verständlicher für den Menschen gezeichnet. Dies hilft der Grafikerin oder dem Grafiker, einen bestimmten ästhetischen Look basierend auf Informationen wie Form, Farbe, Textart, Muster etc. genauer zu verstehen und so einen besseren visuellen Kontext zu erzeugen.
Eine weiterer Punkt ist die dynamische Anpassung anhand von Benutzererfahrungen. Durch die Auswertung von Marktdaten über beispielsweise Social Media kann Künstliche Intelligenz Designdaten ermitteln und so gezielt Inhalte erstellen bzw. empfehlen, die die gewünschten Verbraucherinnen und Verbraucher ansprechen. Marketingtechnisch werden so der Aufwand für A/B-Tests von Website- oder Kampagnendesigns und somit auch die Zeit der Anpassungen für die Grafikerin oder den Grafiker reduziert.
Natürlich ist die Inspiration, die man durch KI-Bilder erhält, für die Grafikerin oder den Grafiker ein großer Pluspunkt. Der Kreativität von generativen KI-Programmen sind keine Grenzen gesetzt. Sie liefern immer neue Gestaltungsmöglichkeiten, die von Creatoren aufgegriffen und manuell verfeinert werden.
Außerdem helfen KI-Tools bei zeitaufwändigen Tätigkeiten wie Zuschneiden, Farbkorrekturen und Skalieren. Basierend auf Skizzen können auch alternative Ideen während des Designprozesses gezeigt werden. Mithilfe dieser kleinen Automatisierungen kann sich die Grafikerin oder der Grafiker auf wichtigere Bereiche konzentrieren und so effektiver agieren.
Alexander Kermas, Grafikdesigner bei der DOAG, meint dazu Folgendes:
"Aktuell finde ich die Entwicklung mega spannend. ChatGPT wirkt für mich immer noch ein wenig wie ein gut funktionierender Wort- bzw. Satzbaukasten. Während Midjourney oder z.B. Firefly von Adobe hingegen von einfachen privaten Fotos bis hin zu hoch angesehenen Kunstwerken einfach nach Wunsch erweitern, nachstellen oder sogar selbst kreieren können. Ich denke mal, dass KIs vor allem noch schneller und zuverlässiger arbeiten werden. KIs werden (hoffentlich) nie Gedanken lesen können, daher wird es immer eine gewisse Fehlertoleranz geben. Aber ich glaube, dass diese trotzdem noch deutlich minimiert wird. Ich habe mir mal ein Bild von einer berühmten Comic-Figur generieren lassen. Die Farben stimmten, aber der Rest erinnerte eher an einen Haufen Matsch als an eine arachnoide, menschliche Figur. Mir persönlich hilft KI im Grafikbereich schon heute: Ein Portrait- oder Motivhintergrund für eine bestimmte Bannergröße erweitern lassen, Personen freistellen und Elemente anders anordnen. Das hat früher viel Zeit gebraucht und geht heute schneller und einfacher. Wäre ich z.B. Maler und müsste vom Verkauf meiner Kunstwerke leben, würde ich das deutlich skeptischer betrachten, weil sich jeder einfach in Sekunden fantastische Motive generieren lassen kann."
Erste Regulierungen geplant
Bereits im April 2021 hat die Europäische Kommission den ersten Rechtsrahmen in der EU für KI vorgeschlagen. Seit Mitte dieses Jahres plant die EU mit einem KI-Gesetz die ersten Regulierungen für Künstliche Intelligenz. Mit dem Gesetz, das noch laut Plan bis Ende des Jahres verabschiedet werden soll, möchte das Europäische Parlament dafür sorgen, dass KI-Systeme in der EU sicher, transparent, nachvollziehbar, nicht diskriminierend und umweltfreundlich sind. Zudem heißt es, dass weiterhin Menschen die Kontrolle über Künstliche Intelligenzen haben sollen. Eine Automatisierung der Kontrolle wird ausgeschlossen. Wichtig für die Grafikwelt ist der Punkt um die Transparenz und das Urheberrecht. Immer mehr KI-Bilder begegnen uns in den sozialen Medien und manchmal wissen wir nicht, wer ist der Urheber bzw. die Urheberin und ob das Bild echt oder ein Fake ist – mit teilweise katastrophalen Auswirkungen. Genau das Problem möchte die EU mit zusätzlichen Bestimmungen für generative KI angehen. Dabei ist die Offenlegung, dass der Inhalt durch eine KI erstellt wurde, wichtig sowie die Gestaltung des Modells, um eine Erstellung illegaler Inhalte zu verhindern. Außerdem sollen die urheberrechtlich geschützten Daten, die für das Training der generativen KI verwendet wurden, veröffentlicht werden.
Influencer, die gar nicht existieren
Welche Auswirkungen KI-generierte Bilder haben und auf welche Art und Weise diese bereits eingesetzt werden, zeigt das kuriose Beispiel der Influencerin Aitana Lopez. Sie lebt in Spanien, ist 25 Jahre alt – und existiert nicht. Aitana ist ein KI-generiertes Model der Werbeagentur "The Clueless" und verdient bis zu 10.000 Euro im Monat mit sehr realistisch wirkenden Fotos für Mode-, Gaming- und Fitness-Unternehmen. Das stößt neben Anerkennung für die Idee auch auf Kritik. Die Bilder sind nicht eindeutig als "KI-generiert" gekennzeichnet und führen manche Follower in die Irre. Außerdem werden so unrealistische Schönheitsideale vermittelt bzw. verstärkt, welche in einem sozialen Konflikt münden.
Immer up-to-date
Einmal mehr ist KI ein großes Thema in unserem Arbeitsalltag. Weitere Neuigkeiten, Trends und Erkenntnisse zum Thema Künstliche Intelligenz haben wir zuletzt auf der "KI NAVIGATOR 2023", unserem neuesten Event, vorgestellt. Sollten Sie unsere Veranstaltung verpasst haben, bieten wir mit unserem On-demand-Ticket ein Jahr lang Zugang zu allen Vortragsdokumenten und -aufzeichnungen. Einfach Ticket kaufen, die Agenda aufrufen, einen Vortrag anklicken und runterscrollen. Abonnieren Sie auch gerne unseren Newsletter oder folgen Sie uns auf unseren Social-Media-Kanälen, um immer auf dem neuesten Stand zu sein.


