Peter Gübeli ist ein netter Typ. Einer, mit dem man gern plaudert – etwa über Bootsfahrten auf dem Rhein, den schweizerischen Nationalfeiertag oder Urlaubspläne und natürlich über seinen Job bei der Helsana-Gruppe, einem der führenden Schweizer Kranken- und Unfallversicherer. Der 38-Jährige ist Mitglied der Direktion und Leiter Entwicklung Kernsysteme.
„Es ist eine spannende Zeit“, schildert er. „Ich habe früher immer in kleinen und mittelständischen Unternehmen gearbeitet. Um auch Erfahrungen in einer Grossfirma zu sammeln, bin ich vor sechs Jahren zur Helsana gewechselt.“ Er redet mit dieser unverwechselbaren schweizerischen Einfärbung. Und das macht ihn gleich noch ein Stück sympathischer.
Derzeit ist ADF (Oracle Application Development Framework) für ihn ein großes Thema. Dass er sich mit dieser Technologie überhaupt beschäftigen würde, war nicht wirklich vorhersehbar. Genauso wenig hätte der Schweizer erwartet, dass daraus ein einmaliges Projekt entstehen würde. „Wir sind die ersten, die ADF so nutzen“, sagt er mit einer Prise Stolz in der Stimme. „Das haben wir erst im Nachhinein festgestellt.“
Im November springt er ins kalte Wasser: Er hält seinen ersten Vortrag auf seiner ersten DOAG Konferenz + Ausstellung – ein Erfahrungsbericht über die Entwicklung eines grafischen Web-Userinterfaces mit ADF.
Dass er bisher von der Konferenz nicht viel gehört hat, kann man ihm nicht verübeln, da ihm das schweizerische Pendant zur deutschen Anwendergruppe, die SOUG, geläufiger ist. Ihm ist es besonders wichtig, seine Erfahrungen weiterzugeben. „Aus diesem Projekt haben wir einige Lehren gezogen“, betont er. „Es ging nicht alles, wie wir es uns vorgestellt hatten.“
Wie in vielen Unternehmen sieht die IT-Infrastruktur der Helsana eher wie ein völlig verwachsenes Grundstück aus. Im Kernsystembereich sind abgesehen von der Standardsoftware für die Leistungsabrechnungen auf dem zOS-Mainframe von IBM nur COBOL-Eigenentwicklungen – über zehn Millionen Codezeilen. „Wir haben insgesamt einen bunten Strauß an Applikationen.“
Für das Projekt hat Peter die Firma Virtual7 ins Boot geholt. Die Umsetzung erfolgte als Pillar-Architektur, was den Entwickler-Teams ermöglichte, Services und Funktionen voneinander zu trennen und als einzelne, separate Anwendungen zu entwickeln. Nach außen hin sieht das Ergebnis allerdings wie eine einheitliche Applikation aus. „Es war uns wichtig, eine gute GUI für die User zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig die Business-Logik auf dem Host wiederzuverwenden.“ Ein Vorteil dieser Architektur ist die gemeinsame Nutzung von Kernkomponenten.
Ursprünglich war Oracle bei der Helsana nicht so richtig im Mittelpunkt des Interesses. Allein die Oracle-Datenbank kam zum Einsatz. Dann wendete sich das Blatt. Es war 2010, als das Unternehmen entschied, unter anderem die Oracle Fusion Middleware zu implementieren. Dabei hatte die schweizerische Firma eher die WebCenter-Produkte im Hinterkopf. Es ging dabei um kanalunabhängige Prozessautomatisierung. „Für uns war es Neuland. Wir hatten zwar schon hier und da einige Oracle-Erfahrungen gesammelt, aber das Thema war für uns insgesamt relativ neu.“
Erst danach entwickelte sich aus dem ersten Projekt ein zweites mit ADF. „Die Entscheidung für ADF war mehr oder weniger ein Zufall. Wir wollten die Fusion Middleware einsetzen. ADF war mit dabei“, erklärt Peter. „Ich meinte dann: Lasst uns mit ADF ran.“


