Diese Leidenschaft ist wie ein Virus: Man wird sie nicht so schnell wieder los. Es gibt keine Impfung, auch gar keinen Patch dafür. Jens-Christian Pokolm kann ein Lied davon singen. Er kam Anfang der 90er Jahre mit der Datenbankthematik in Berührung. Damals war er bei der Firma DataConsult tätig. Es gab irgendwann das Projekt einer Eigenentwicklung – einer Datenbank namens CD Search. „Damit war der ‚Virus Datenbank‘ geboren“, spaßt er.
Zwanzig Jahre später beschäftigt sich der 45-Jährige immer noch mit Datenbanken. Dass seine vier Kinder behaupten, Jens-Christian hätte sein Hobby zum Beruf gemacht, kommt nicht von Ungefähr. Er ist Datenbank-Positiv. Er erzählt mit einer solchen Begeisterung von seinem Job, dass die Gefahr einer Ansteckung selbst bei IT-Dilettanten außergewöhnlich hoch ist.
Jens-Christian ist Senior Designer bei der Postbank Systems AG und gehört zu einem Team von über zwanzig Spezialisten, die die Zukunftsfahrpläne vom Unternehmen schmieden. „In meinem Team kümmern wir uns um Architektur, Engineering und Design. Wir schauen uns neue Technologien an und bestimmen, wie diese zielgerichtet eingesetzt werden sollen.“
Während andere Teammitglieder Server, Linux, Solaris abdecken, verantwortet er zusammen mit einem Kollegen seine Königsdisziplin, den Bereich Datenbank – ob Oracle, DB2, SQL-Server, das spielt keine Rolle. „Aber Oracle ist unser Brot und Butter-Geschäft“, unterstreicht er.
Mit Oracle beschäftigt sich der Datenbank-Experte seit vielen Jahren. Er machte sogar einen beruflichen Zwischenstopp bei Oracle Deutschland – abgeworben für die Abteilung Core and New Technologies. Damals war Oracle Parallel Server (OPS), der Vorläufer von Oracle Real Application Cluster (RAC), sein Spezialgebiet. Er war in Projekten von großen Behörden, Ministerien und staatlichen Organisationen involviert.
Als die Postbank wegen eines Problems mit dem OPS um Hilfe schrie, schickte Oracle Jens-Christian hin. „Ich sollte da wenige Tage aushelfen und das OPS-Problem beheben. Das war mir gar nicht so recht. Ich hatte andere Projekte am Laufen“.
"Bank ist pure IT"
Dann kam das Angebot von der Postbank – ein Angebot, das man schlecht ablehnen kann. Das war vor vierzehn Jahren. Seitdem kamen in regelmäßigen Abständen Jobofferten. Aber nein, hier fühle er sich wohl, gibt Jens-Christian zu. „Vielleicht wirkt die Postbank nach außen hin ein bisschen unscheinbar. Aber dahinter steckt ein Unternehmen, das sehr innovativ ist“, betont der Datenbank-Experte. Als Beispiel nennt er das Online-Banking Geschäft. „Die Postbank gehört zu den Vorreitern in Sachen Telefon- und Online-Banking – damals noch mit BTX.“
Er betont die sehr flexible und dynamische Zusammenarbeit im Team mit „extrem gut ausgebildeten Kollegen, die ganz vorne mit dabei sind“. Der Bereich Engineering und Design sei sehr progressiv, erklärt er. „Wir haben sehr viele Freiheiten. Solang man das Ziel erreicht, ist der Weg dahin nicht vorgegeben – es muss halt funktionieren“, fügt er hinzu und lacht.
„Bank ist pure IT“, meint er. Es geht darum, möglichst schnell und kosteneffizient und störungsfrei, Leistungen zur Verfügung zu stellen. Da die Postbank keine Kontoführungsgebühr erhebt, wird an dieser Stelle ganz besonders auf die Kostenfrage geachtet. „Es fördert die Kreativität“, meint er zu dieser monetären Einschränkung.
Seit wann Jens-Christian die DOAG kennt, kann er nicht mehr genau sagen. Aber es sei so lange her, dass man diesen Lebensabschnitt als „Ewigkeit“ bezeichnen könne. „Ich war zu den Urzeiten der DOAG schon dabei“, berichtet er, „als die Konferenz noch in Stuttgart stattfand“. Die
DOAG Konferenz + Ausstellung wurde immer größer und größer. Sie zog zuerst nach Mannheim, dann nach Nürnberg. Jens-Christian zog mit. „Es ist immer noch die Leitveranstaltung für das Thema“, meint er. Und das Networking sei immer noch ein Schlüsselelement, obwohl er mit der Größe des NCC jetzt weniger gut klar kommt. „Das NCC sieht absolut klasse aus, keine Frage. Aber es verläuft sich schneller“.
Aus Bauchlandungen lernt man am Meisten
Für Jens-Christian steht fest: Aus Bauchlandungen lernt man am Meisten. Deswegen fände er es gut, wenn mehr Unternehmen sich trauen würden, öfter über die Stolpersteine und Lösungsansätze ihrer Projekte zu referieren.
Er selbst hält einen Vortrag zu seinen Erfahrungen mit Oracle Database 12c. Fast zwei Jahre lang hat Jens-Christian am Beta-Programm teilgenommen. Bauchlandungen werden in seinem Vortrag nicht vorkommen – dafür fand er das neue Datenbank-Release zu gut: „Wir sind seit Oracle Database 10g im Beta-Programm und das war eindeutig eins der besten Releases. Selbst die erste Beta-Version war erstaunlich gut – kaum ein Schnitzer.“
Trotzdem gäbe es die eine oder andere Erkenntnis über das, was man tun und lassen sollte. Nicht sehr elegant gelöst findet er „Table Recovery“. „Das klingt für einen DBA total klasse“, sagt er mit einem leicht spöttischen Tonfall. Früher hat es der Datenbankadministrator automatisch gemacht, jetzt hat es Oracle automatisiert. Es tut zwar, was es tun soll, aber es ist aufwändiger als man denkt. Und es braucht viel Plattenplatz, CPU, Memory.“
Sehr sinnvoll findet der Senior Designer indes Flex ASM, ein wichtiges Feature im Storage Management, wie er meint. Vor 12c lief eine ASM-Instanz auf jedem Server in einem Cluster. „Starb eine Instanz auf dem Clusterknoten ab, dann starben alle Instanzen, die auf demselben Server liefen. Das war ein ‚Single point of failure‘. Das ist jetzt nicht mehr der Fall.“
Was man vielleicht tun sollte: Seinen Vortrag besuchen. Außer, man hat Angst, sich anstecken zu lassen


