Es ist nicht immer einfach, die Lizenzbedingungen von Oracle zu überblicken. Deswegen hat der Arbeitskreis Lizenzierung unter der Leitung von Michael Paege, stellv. Vorsitzender und Leiter Competence Center Lizenzierung der DOAG, sich dem Thema angenommen. Entstanden ist ein kompakter, digitaler Lizenzguide, in dem die wichtigsten Aspekte der Lizenzierung von Oracle-Software zusammengefasst sind. Diesen können DOAG-Mitglieder kostenfrei bestellen. DOAG Online hat sich mit dem Initiator des Projekts unterhalten.

Michael Paege, die Lizenzbedingungen von Oracle gelten nicht gerade als einfach. Mit welchen Anliegen, Fragestellungen und Sorgen wenden sich Anwender an Sie? Haben sich in all den Jahren Themen herauskristallisiert, die immer wieder angesprochen werden?
Ab und an kommen Anfragen zu den Themen Datentransfer und Audits. Aber das Hauptthema ist nach wie vor die Lizenzierung bei Virtualisierung mit VMware. Das ist ja auch kein neues Thema. Vor drei Jahren haben wir hierzu ein Presse-Roundtable veranstaltet. Danach fanden auch Gespräche zwischen der DOAG und dem Chief Customer Relation Officer des Oracle Headquarters statt. Leider ist es uns nicht gelungen, uns in dem gewünschten Maß bei Oracle Gehör zu verschaffen.
Könnte man diese wiederkehrenden Themen als mangelnde Transparenz seitens Oracle wahrnehmen? Wie sieht es vergleichsweise bei anderen Software-Herstellern aus?
Es ist ein zweischneidiges Schwert: Sicherlich informiert Oracle nicht immer aktiv über Veränderungen. Aber auch seitens der Kunden könnte man eine höhere Informationsbereitschaft erwarten. Letztendlich lohnt sich der Aufwand: Es geht ja um viel Geld!
Was die anderen Hersteller anbelangt, kann ich es nicht schlussendlich beurteilen. Über deren Lizenzmodelle kann man allgemein Folgendes sagen: Jeder Hersteller will an das Geld der Kunden kommen – das ist an sich nicht verkehrt. Dafür wurden verschiedene Lizenzmodelle entwickelt. Inwiefern diese kundenfreundlich sind, hängt in der Tat sehr vom Kunden ab. Bei dem einen passt es besser, bei dem anderen weniger. Es gibt Hersteller, bei denen zum Beispiel die virtuellen Maschinen alle lizenziert werden müssen. Das führt zu höheren Lizenzkosten, als es bei Einsatz von rein physischen Maschinen der Fall wäre. Das findet man bei Oracle nicht. Oracle ist da nicht schlechter als die anderen, wobei es im Einzelfall natürlich anders wahrgenommen werden kann.
Selbst wenn das Lizenzierungsmodell bei der Einführung einer Software klar ist, verändern sich mit der Zeit die Anforderungen eines Unternehmens. Das bringt oftmals Lizenzanpassungen mit sich. Wie kann man diese Änderungen vorbeugen - oder vielmehr besser miteinplanen?
Diese Veränderungen sind heute ein großes Thema. Vor allem im Hinblick auf den Themenkomplex Virtualisierung sowie die Metrik „Named User Plus“ in Verbindung mit Datentransfers. Lizenz-Compliance wurde leider auch bisher in vielen Unternehmen nicht mit der Priorität behandelt, die notwendig wäre. Bei Audits werden dann viele Firmen auf dem falschen Fuß erwischt. Viele Unternehmen – vor allem, wenn sie sich ursprünglich für die Metrik Named-User-Plus (NUP) entschieden hatten – sind heutzutage nicht mehr korrekt lizenziert. Mit der Zeit haben sie Architekturänderungen vorgenommen, neue Lösungen eingeführt, und auch angefangen, Daten mit anderen Systemen und der Außenwelt auszutauschen… Das sind alles Gegebenheiten, die Auswirkungen auf die Lizenzierung haben und zu oft übersehen werden. Aber alles in allem kann man aber sagen: Der Kreis der Personen, die sich für Lizenzmanagement interessieren, wächst. Das ist definitiv als positive Entwicklung zu betrachten.
Dabei können strategische Überlegungen zur Lizenzierung zu großen Einsparungen führen…
Ja, das stimmt – angefangen mit der Wahl der Datenbankversion, die zum Einsatz kommt. Natürlich gibt es weitere Kriterien wie Lizenzform und -Metrik, die mitberücksichtigt werden müssen. Aber bleiben wir bei der Datenbankversion: Ein Kunde überlegt, ob er eine Standard Edition oder eine Enterprise Edition auf einem zwei Knoten-VMware-Cluster à vier gefüllte Sockel mit jeweils 10 Cores einsetzen sollte. Betrachtet man rein den Listenpreis (Lizenz + Support), so ergibt sich für die Standard Edition ein Lizenzpreis von 168.000 Euro, während die Enterprise Edition 1,8 Millionen kosten würde. Dazu muss man noch hinzufügen: Aufrüsten stellt bei Oracle kein großes Problem dar, da die Investitionssumme angerechnet werden kann. Zurück auf eine niedrigere Edition der Datenbank zu gehen, ist schon problematischer, da auf die alte Lizenz verzichtet und eine neue gekauft werden muss.
Sie bringen zusammen mit dem Arbeitskreis Lizenzierung ein ca. 50-seitiges Heft heraus, das den Anwendern helfen soll, sich in diese Thematik einzulesen. Wie gestaltet sich der Guide und an wen richtet er sich?
Die Idee hinter dem Guide war, ein Werkzeug zur Verfügung zu stellen, das Transparenz schafft. Die Informationen zur Lizenzierung musste man sich bisher mühsam aus den jeweiligen Verträgen und auf den Oracle-Webseiten zusammensuchen. Mit dem Lizenzguide haben wir zum ersten Mal ein kompaktes, übersichtliches Dokument, in dem die wichtigsten Informationen zu finden sind. Für eine bessere Orientierung haben wir auch sehr viel mit Grafiken und Anwendungsfällen gearbeitet. Und natürlich war es uns auch ein Anliegen, als Deutsche Oracle Anwendergruppe ein Dokument in deutscher Sprache zu produzieren. Außerhalb der Verträge selbst ist die Amtssprache bei Oracle bekanntlich Englisch.
Letztendlich richtet sich der Guide an alle, die in irgendeiner Weise mit dem Thema Oracle-Lizenzierung in Berührung kommen.
Hauptaugenmerk des Guides ist die Lizenzierung der Oracle-Datenbank. Welche Themenschwerpunkte werden in dem Heft behandelt?
Ja, das stimmt. Der Fokus liegt auf der Lizenzierung der Datenbank. Aber dazu muss man sagen, dass alle technologischen Produkte ähnlich lizenziert werden. Die Regeln, die wir also in dem Guide aufführen, gelten auch für die anderen technischen Produkte.
Dabei deckt der Lizenzguide ein relativ breites Spektrum ab. Es werden alle relevanten Architekturen behandelt. Wir haben zum Beispiel Fragen zum Datentransfer, zu Hochverfügbarkeitslösungen und zu den Features und Optionen der Datenbank beantwortet. Darüber hinaus erfahren die Leser zum Beispiel auch, wie die Lizenzierung unter SAP geregelt ist und wie man Kosten sparen kann.
An dem Guide haben DOAG-Mitglieder gearbeitet, die sich auf Lizenzierungsthemen spezialisiert haben. Sind bei dieser intensiven Auseinandersetzung mit der Materie unter Spezialisten neue Fragenstellungen und Aspekte der Lizenzierung an den Tag gekommen, die in dem Heft nicht berücksichtigt werden konnten?
Die Autoren aus dem Arbeitskreis Lizenzierung kommen sowohl von Endanwender- als auch von Oracle-Partner-Unternehmen, die sich hauptsächlich mit dem Thema Datenbank beschäftigen. Um sie namentlich zu nennen, handelt es sich um Claudia Gedamke, Denis Heinzmann, Mirko Hotzy, Wolfram Schmitz und Stefan Thielebein. Deswegen haben wir zu diesem Zeitpunkt die Geschäftsanwendungen von Oracle noch nicht berücksichtigt.
Kann man daraus schließen, dass eine neue Version des Guides in Planung ist?
Ja, nichts ist im Stein gemeißelt. Genauso schnell wie Oracle seine Produktpalette weiterentwickelt, ändern sich auch die Lizenzbedingungen. Deswegen haben wir vor, den Guide in regelmäßigen Abständen zu aktualisieren. Wir werden Korrekturen vornehmen und Neuerungen berücksichtigen. Und wie schon gesagt: Es ist uns auch wichtig, das Themenspektrum zu erweitern. Wer also Fehler oder Ungenauigkeiten entdeckt, Verbesserungsvorschläge hat oder sich fachlich mit weiteren Themen einbringen möchte, kann sich jederzeit an uns wenden.
Welche Informationsquellen können Sie empfehlen, um tiefer in die Materie einzusteigen?
Informationen auf Deutsch gibt es wie gesagt kaum. Ich verweise da gern auf das Competence Center Lizenzierung auf der DOAG-Webseite. Neben allgemeinen Informationen sind an dieser Stelle in der Regel auch Neuerungen zu finden.
Was die Informationen auf Englisch anbelangt, muss man sich durch die Dokumentation, die Oracle zur Verfügung stellt, durchwühlen. Nennenswert sind zum Beispiel die Dokumente, die unter folgender Website zu finden sind: http://www.oracle.com/us/corporate/pricing/index.html


