Anmerkung: Der erste Teil von “Nachhaltigkeit und Konferenzen oder: Und jedem seinen Kaffeebecher” ist hier nachzulesen.
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SUVs, Zigaretten und Meeresschildkröten
Für mich bedeutet Nachhaltigkeit das Bedenken des eigenen Verhaltens und des privaten Konsums in seinen Auswirkungen – für mich und für andere. Wir sitzen alle in einem Boot, sagt man ja so schön – oder in einem Auto.
Fahre ich mit einem katalysierten SUV durch die Gegend, dann weiß ich, dass besonders in diesem Gefährt über Jahre nachweislich manipuliert und mit falschen Clean-Diesel-Werten gearbeitet wurde. SUV steht übrigens für Sports Utility Vehicle. Sportlich, d.h. mit Höchstwerten versehen, sind besonders zwei Dinge: Der Platzverbrauch beim Parken und der Verbrauch fossiler Brennstoffe, während die Werte der Emissionen nicht per Handauflegen unter die Grenzwerte sanken. Diese ‘Stadtpanzer’ fahren nach wie vor auf den Straßen, ihr Verkauf wurde nach Bekanntwerden des Abgasbetruges nicht gestoppt.
Bei den Auto-Skandalen der vergangenen Jahre wurde immer nur so viel zugegeben, wie investigativ aufgedeckt wurde und dann nicht mehr zu leugnen war. Aktuell muss sich der ehemalige VW-Vorstandchef Martin Winterkorn vor dem Landgericht Braunschweig verantworten – neun Jahre nach Bekanntwerden des Skandals (Quelle: NDR, abgerufen am 7. November 2024 um 14 Uhr 41).
Wenn der Ruf nach Elektromobilität aufgrund der chinesischen Konkurrenz nun aktuell wieder lauter ertönt und nach neuen, preisgünstigeren Modellen verlangt wird, dann wird dieser Umstand vom nicht allzu leisen Zweifel begleitet, dass dieser Transformation nicht die Einsicht nach Veränderung innewohnt, sondern nur die Angst, das nächste große Geschäft zu verpassen. Mit der nicht geklärten, nachhaltigen Entsorgung der Batteriezellen tritt ein weiteres Problem offensichtlich zutage: Die verbrauchten Batterien der Elektromobile sind Sondermüll. Eine überzeugende Lösung lässt auf sich warten.
Es gibt unzählige Beispiele, wie das private Verhalten von Wenigen auf alle anderen wirkt. Schmeiße ich meine Kippen achtlos auf die Straße, wäscht der Regen das Gift ins Grundwasser. Unzählige Liter an Trinkwasser werden benötigt, um das zu klären. Den Plastikbecher und die Tüte Müll über Bord? Die nächste Caretta caretta, eine in früheren Zeiten des Öfteren anzutreffende Meeresschildkröte im Mittelmeer, wird diese im Wasser glitzernde ‘Mahlzeit’ nur mit viel Glück überleben. In den 1980ern bis in die frühen 1990er konnte man viele große Meeresschildkröten auf Bootstouren rund um Zypern bewundern. Heutzutage gleicht eine Sichtung einem wahren Wunder. Die Gründe: Verschmutzung, Fischerei, Tourismus, Klimawandel, ebenso die Zerstörung von Flora und Fauna und der Biodiversität. Der Niedergang der putzigen, geliebten ‘Biene Maja’ in unseren Breitengraden hat mehr oder weniger viele wachgerüttelt und zum Umdenken mit Feldern und Wiesen geführt. Hier scheint Besserung einzutreten, jedoch ist noch nicht die Zeit für eine Entwarnung gegeben.
Dystopie versus Utopie
Von den 1970ern bis heute hat sich die Weltbevölkerung mehr als verdoppelt. Nach Berechnungen der Vereinten Nationen zur Mitte des Jahres 2024 sind wir aktuell mehr als 8,2 Milliarden Menschen, deren Zahl täglich wächst (Quelle: Statistiches Bundesamt, abgerufen am 7. November um 16:24). 1970 waren es ca. 3,7 Milliarden, 1950 sogar nur 2,5 Milliarden. Alle suchen Glück, Wohlstand, Frieden. Alle wollen die Einmaligkeit des irdischen Daseins auch mit einem Maximum an Spaß, Abenteuer und Erfahrungen gefüllt sehen. Aber: Wie wird das erst aussehen, wenn wir zehn, fünfzehn oder 20 Milliarden Menschen sein werden?
Eine Dystopie zeigt verwüstete Kontinente, verschmutzte Meere und verstrahlte Nahrung – es gibt mittlerweile unzählige Hollywood-Filme darüber – mit einer Handvoll Menschen, die aufgrund einer irreparablen Umwelt wie Zombies leben. Eine Utopie zeigt einen Planeten mit einer Menschheit, die zur Vernunft gekommen ist und ihr Tun und Handeln für die Generationen der Zukunft bedenkt sowie ihr Handeln verantwortungsvoll und glaubwürdig danach ausrichtet. Eine Menschheit, die das Geschenk der Natur beschützt, das Gleichgewicht der verbrauchten Ressourcen wiederherstellt und die ihr Konsumverhalten massiv überdacht und es zum Wohle der Gemeinschaft und dem Erhalt der Lebensräume verändert hat.
Der ökologische Fußabdruck
Die Frage bleibt: Was können wir tun, wenn wir Nachhaltigkeit in unserem Leben und unseren Aktionen verankern wollen? Zunächst einmal: nicht panisch werden und keinen Aktionismus starten, der schnelle Erfolge liefert, die aber nicht von Dauer sind, weil uns die Motivation flöten geht oder die wirkliche Einsicht fehlt. Wir sollten auch nicht in “Klimahysterie” verfallen, um das Unwort des Jahres 2019 zu bemühen, das auf unangemessenen Sprachgebrauch verweist und sensibilisieren soll. Aber dennoch: Wir sollten aktiv werden.
Lasst uns doch erst einmal unsere Haltung überdenken: Ist an dem Gedanken nicht wirklich viel Wertvolles dran, wie eine Welt aussieht, welche die Kinder unserer Kinder beherbergen soll? Wo können wir sofort etwas tun, um unsere CO₂-Bilanz zu verbessern – denn das ist der eigentliche Messwert für nachhaltiges Handeln – und wo lässt sich auf Dauer eine Veränderung herbeiführen, die diese CO₂-Emissionen bewusst reduziert? Müssen wir alle sofort Vegetarier oder gar Veganer werden? Sicherlich nicht, aber wenn wir weniger Fleisch verzehren, ist das erwiesenermaßen schon einmal ein kleiner Beitrag, weil nicht andauernd und fortschreitend riesige Flächen an Urwald für den Anbau von Soja als Tierfutter gerodet werden müssen – vom Tierwohl mal ganz abgesehen.
Ab jetzt nur noch Glasflaschen? Wäre super, aber wenn überall Plastikflaschen angeboten werden, weil sie einfacher zu produzieren sind und in größeren Mengen getragen werden können, wird es schwierig, überhaupt noch Glasflaschen zu kaufen. Und warum werden Weinflaschen nicht mit einem Pfand versehen, Bierflaschen aber schon? Was ist mit Fairtrade und was ist mit Bio? Erstrebenswert, definitiv, aber immer noch eine Sache, die sehr oft vom Geldbeutel abhängt, so wie das Meiste. Denn von der einen Mini-Schrippe des Bio-Marktes um die Ecke lässt sich ein ganzes Laib Brot beim Discounter nebenan erstehen – und ähnlich sieht es mit dem Strom aus. Ökostrom aus erneuerbaren Ressourcen ist ideal, kostet aber (noch immer) mehr. Die Summe der optimalen Lösungen ist allein beim Lesen dieser „kleinen Entscheidungen“ vor allen Dingen eines: irgendwie teuer! Ergo lautet die schlichte Logik: Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit gibt es eben nicht zum Nulltarif. Es bedarf eines Wandels der Einstellung mit einer eingehenden Veränderung unseres Verhaltens.
Anmerkung: Wie der obige Text mit Kaffeebechern in Zusammenhang steht, erfahrt ihr im Verlauf der dreiteiligen Serie. Teil 3 von “Nachhaltigkeit und Konferenzen oder: Und jedem seinen Kaffeebecher” erscheint am Montag, den 18. November 2024.
Der Konferenzherbst der DOAG – drei Konferenzen, eine Location: Nürnberg Convention Center (NCC)
- European NetSuite User Days am 18. und 19. November 2024
- DOAG 2024 Konferenz + Ausstellung vom 19. bis 22. November 2024
- KI Navigator am 20. und 21. November 2024


