Oracle hat seine Cloud-Fahne gehisst und steuert mit seinem Angebot für Public- und Private-Cloud dezidiert Richtung Wolke: Allianzen mit Microsoft und Salesforce.com auf der einen Seite, das neue mandantenfähige Flaggschiff Oracle Database 12c auf der anderen Seite sollen das Cloud-Geschäft ankurbeln. Während ein Großteil der in Deutschland ansässigen Unternehmen seit jeher die Public-Cloud regelrecht ablehnt, wächst das Interesse für die Private-Cloud. Das Credo der DOAG: Oracle-Kunden brauchen ein angemessenes Lizenzmodell, um ihre eigene Private-Cloud betreiben zu können. Dies ist bei Oracle derzeit nur bedingt gegeben.
Dieses Anliegen trägt die DOAG seit geraumer Zeit an Oracle heran. Es geht dabei um das leidige Thema Lizenzierung beim Einsatz von Virtualisierungstechnologien – eine der Voraussetzungen für den Aufbau einer Private-Cloud im eigenen Rechenzentrum oder bei einem Hoster.
Skepsis gegenüber der Public-Cloud
Derzeit schwebt der PRISM-Abhörskandal wie ein Damoklesschwert über den Cloud-Anbietern. EU-Kommissarin Neelie Kroes spricht in dem Zusammenhang von Milliardeneinbußen für amerikanische Provider. Andere meinen indes, es sei nur ein Tropfen auf dem heißen Stein – zumindest, was die deutschen Unternehmen anbelangt.
Denn begrüßen andere Länder die Public-Cloud, so stehen deutsche Unternehmen dem Thema skeptisch gegenüber. Dabei dreht sich alles um die Frage des Datenschutzes: Auch die Proteste bei der Einführung von Google Street View in Deutschland verliehen seinerzeit diesem Verhältnis zur Privatsphäre Ausdruck. So weit hergeholt der Vergleich sein mag – es entspricht der Sichtweise vieler deutscher Unternehmen in Zusammenhang mit der Weitergabe von Daten. Für die Mehrheit kommt es nicht in Frage, das Unternehmenswissen in fremde Hände zu geben und dadurch die Kontrolle über die eigenen Daten zu verlieren: zu unsicher, zu intransparent, zu gefährlich.
Die Flexibilität, Skalierbarkeit sowie der Preisvorteil eines „Pay-as-you-Grow-Modells“, das IT-Provider in Zusammenhang mit der Public-Cloud anpreisen, möchten in Deutschland viele Unternehmen mit virtualisierten Umgebungen erreichen.
Server-Virtualisierung
„Die meisten Kunden in Deutschland wollen flexible, virtualisierte Infrastrukturen On-Premise betreiben. Sicherlich gibt es eine Anzahl von Kunden, die mit Public-Cloud-Lösungen liebäugelt oder diese bereits einsetzen. Aber diese sollten kein Maßstab für alle sein“, betont Björn Bröhl, Leiter der Infrastruktur und Middleware Community.
Viele Oracle-Kunden setzen für die Servervirtualisierung Produkte der Marktführer wie VMware, Hyper-V oder Xen ein. Obwohl sie zur kostenfreien Nutzung angeboten wird, steht die hauseigene Software Oracle VM (OVM) vergleichsweise im Schatten der Hauptanbieter. Das hatte eine Umfrage der DOAG im vergangenen Jahr gezeigt.
Hard-Partitioning
Doch Oracle VM genießt einen Heimvorteil gegenüber der gängigen x86-Virtualisierungsprodukte der Konkurrenz, insofern als es als Hard-Partitioning anerkannt wird. „Seitens Oracle werden Anbieter wie VMware, Hyper-V oder Xen ausschließlich als Soft-Partitioning gewertet“, erinnert DOAG-Lizenzierungsexperte und stellvertretender Vorsitzender Michael Paege. „Das heißt, dass der gesamte Cluster lizenziert werden muss.“
Selbst nach der kürzlich angekündigten Partnerschaft zwischen Microsoft und Oracle hat sich in Sachen Partitionierung mit dem Microsoft-Virtualisierungsserver Hyper-V nichts getan. Dabei hat sich Oracle verpflichtet, Java, Oracle Database und Oracle WebLogic Server für Hyper-V zu zertifizieren. Eine Anpassung des Lizenzmodells erfolgte jedoch nicht.
Will ein Unternehmen OVM nicht einsetzen, so bleiben ihm nur wenige Lösungen offen. Eine davon hätte für Oracle unangenehme Konsequenzen: sich von Oracle zu trennen. So drastisch diese Umorientierung klingt, ist sie durchaus ernst zu nehmen.
Doch soweit muss es nicht kommen: „Solange Oracle Hard-Partitioning nicht für alle Virtualisierungslösungen anerkennt, werden viele Kunden in Deutschland den Einzug in die Private-Cloud nur in einem eingeschränkten Umfang oder notfalls auch mit Konkurrenzprodukten wagen“, appelliert Dr. Dietmar Neugebauer, Vorstandsvorsitzender der DOAG.

