Oracle 12c jenseits von Pluggable Database

  • Erstellt von DOAG Online
  • Datenbank, Development

Mit den neuen Möglichkeiten, die sich durch die Mandantenfähigkeit Datenbankadministratoren eröffnen, überstrahlt zweifelsohne die Pluggable Database dieses Release. Doch jenseits von 12c hat die neue Version eine Menge neuer Funktionalitäten zu bieten. DOAG Online hat das Feedback der Beta-Tester eingeholt.

Mit den neuen Möglichkeiten, die sich durch die Mandantenfähigkeit Datenbankadministratoren eröffnen, überstrahlt zweifelsohne die Pluggable Database dieses Release. Doch jenseits von 12c hat die neue Version eine Menge neuer Funktionalitäten zu bieten. DOAG Online hat das Feedback der Beta-Tester eingeholt.

Neuerungen im neuen Release gibt es en Masse. 12c kann mit „einer gelungenen Mischung von Neuheiten in den unterschiedlichsten Bereichen“ punkten, meint Lutz Fröhlich von Expert Database Consulting. Das bestätigt auch Mirko Hotzy von Trivadis: „Dieses Release zeichnet sich durch die konsequente Weiterentwicklung und Verbesserung der Funktionalitäten in nahezu allen Datenbankbereichen aus“.

Mit den neuen Möglichkeiten, die sich durch die Mandantenfähigkeit Datenbankadministratoren eröffnen, überstrahlt zweifelsohne die Pluggable Database dieses Release. Doch jenseits von 12c hat die neue Version eine Menge neuer Funktionalitäten zu bieten. DOAG Online hat das Feedback der Beta-Tester eingeholt.

Was die Top-Funktionalitäten angeht, so haben die Beta-Tester bereits ihre Wahl getroffen: Ob Information Lifecycle Management,  Automatic Data Optimization (ADO), die Erweiterungen im Automatic Storage Management (ASM) oder  aus der Entwicklerperspektive Application Continuity sowie die konsequenten Security-Weiterentwicklungen – das sind für Hotzy die Neuerungen, die hervorzuheben sind. Denke man an Flex ASM oder den Transaction Guard, dann seien die Stichwörter: weniger Ausfälle, weniger Komplexität, bestätigt Christian Trieb, Leiter der Datenbank-Community der DOAG und Datenbankadministrator bei Paragon Data.

In der Liste der besten Innovationen nennt Fröhlich noch Global Data Services (GDS) – ein völlig neues Produkt, das die vielfältigen Möglichkeiten der Daten-Replikation unter einem Dach vereint.

„Mit Global Data Services ist Oracle aus meiner Sicht ein echter Paukenschlag gelungen. Viele Unternehmen haben Datenbank-Cluster und Replikations-Architekturen wie Real Application Clusters, Data Guard oder Golden Gate aus unterschiedlicher Motivation heraus im Einsatz. Dabei ist es nicht immer einfach, den Workload intelligent zu verteilen und die Verfügbarkeit nach den Vorgaben und Erwartungen aufrecht zu erhalten. Outages müssen kontrolliert verwaltet werden, so dass für die Applikation ein möglichst geringer Impact entsteht. Dasselbe gilt für gezielte Abschaltungen zum Beispiel für Upgrades oder Wartungsarbeiten. GDS öffnet völlig neue Perspektiven. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich die Daten in einem Datacenter befinden oder in der ganzen Welt verteilt sind.“

Hinter dem Feature Automatic Data Optimization versteckt sich ein Begriff, der seit der OOW bereits öfter gefallen ist: Heat Map. Die Heat Map ist eine Statistik über die Verwendung von Daten auf Segment- und Zeilen-Ebene, die durch das System erzeugt wird. Mit diesen neuen Erkenntnissen und Automatic Data Optimization kann ein effizienter Information Lifecycle Management (ILM) implementiert werden, meint Fröhlich.

Erwähnenswert ist seiner Meinung nach auch Adaptive Execution Plans im Rahmen der SQL-Optimierung. Damit ist der Optimizer in der Lage, die endgültige Entscheidung für die Auswahl des optimalen Ausführungsplans auf den Zeitpunkt der Ausführung zu verlegen und den aktuellen Zustand der Tabellen zu berücksichtigen.

Auch im Bereich Datensicherheit überzeugt die neue Version. Mit der Funktionalität Data Reduction kann die Ausgabe von sensitiven Daten kurzfristig mit der Ausführung der SQL-Anweisung für nicht-autorisierte Benutzer verhindert werden. „Die Daten werden dabei nicht in den Tablespaces oder im Buffer Cache verändert. Es muss keine Veränderung an den Datentypen erfolgen. Die entsprechende Policy kommt direkt im Datenbank-Kern zur Anwendung und kann damit nicht unterwandert werden“, erklärt Fröhlich.

Pro und Contra

„Und wie Üblich gibt es viele Diskussionen über Pros und Kontras“, meint Johannes Ahrends von Carajan DB zwischen Verstimmtheit und Amüsiertheit schwankend. „‚Bei uns im Betrieb wird das nicht funktionieren‘ oder ‚darauf habe ich schon lange gewartet‘ – das sind Zitate, die ich im Gespräch mit anderen Oracle-Datenbankadministratoren zu hören bekam“, erinnert er sich. Die beschriebenen Features sind innovativ und machen alle Lust auf mehr. Aber braucht man das alles wirklich?

Zuerst einmal wird es zum Teil wohl auch eine Kostenfrage sein: Die Mandantenfähigkeit kostet extra. Das Feature wird unter dem Namen „Multitenant“ für 17.500 US-Dollar pro Prozessorkern (3/8 der RDBMS Lizenz) aufgelistet.

Die Mandantenfähigkeit ist die einzige neue Funktion in der Optionsliste der Enterprise Edition. Das heißt aber nicht, dass die anderen Neuerungen alle ohne Aufpreis genutzt werden können. Global Data Services wird mit Active Data Guard (11.500 US-Dollar pro Prozessorkern, ¼ RDBMS Lizenz) oder Oracle Golden Gate (17.500 US-Dollar, 3/8 der RDBMS Lizenz) lizenziert. Für Application Continuity benötigen DBAs entweder Active Data Guard oder alternativ Real Application Clusters (23.000 US-Dollar, ½ der RDBMS Lizenz).

Darüber hinaus ist Automatic Data Optimization Teil der Option Advanced Compression (11.500 US-Dollar, ¼ RDBMS Lizenz). Automatic Storage Management gehört zu Oracle Grid Infrastructure und kann zwar ohne Zusatzkosten genutzt werden. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass Grid Infrastructure auf einer separat installierten Datenbank-Instanz läuft.

Oracle Database ist ein ausgereiftes Produkt 

Unabhängig von dem Preis stellt sich natürlich die Frage des Nutzens. In dieser Hinsicht scheinen sich selbst unter den Beta-Testern die Geister zu teilen: Einige sind Verfechter einer schnellen Auseinandersetzung mit den neuen Technologien. Andere sehen das Thema gelassener – das ist zum Beispiel der Fall von Dr. Günter Unbescheid von Database Consult:  „Ich sehe es ein bisschen nüchterner“, sagt er bezugnehmend auf die Meinung mancher seiner Kollegen aus dem Beta-Programm.

Auf die Verwunderung seines Ansprechpartners reagiert er sofort: „Natürlich ist das neue Release hochinteressant, sagt er mit einem schelmischen Lächeln und fügt mit glänzenden Augen hinzu: „Aus rein technischer Sicht ist es total ‚scharf‘. Es macht Spaß, sich damit auseinanderzusetzen, keine Frage.“ Ganz anders sehe es aber aus Sicht des Kunden aus: „Die Oracle-Kunden schmeißen nicht von heute auf morgen alles über Bord. Allgemein kann man schon sagen, dass die Oracle-Datenbank ein ausgereiftes Produkt ist. Die neuen Features sind sehr spezifisch. Das braucht nicht jeder.“

Darüber hinaus äußert Unbescheid Bedenken in Zusammenhang mit der System Global Area (SGA). Während diese bisher auf Datenbank-Ebene verwaltet wurde, teilen sich diese nun alle Pluggable Databases eines Containers. Das hat den Nachteil, dass mehrere Datenbanken um die SGA konkurrieren. DBAs sollten demnach beim Ressourcenmanagement vorsichtig sein. „Man muss dafür sorgen, dass einzelne Komponenten nicht zu kurz kommen“, erklärt Unbescheid.

Auch Ahrends bemängelt die „lückenhafte Zuteilung von Ressourcen“. Das ist nicht der einzige Wermutstropfen. Auch die Tatsache, dass alle PDBs einer Container-Database (CDB) den gleichen Zeichensatz verwenden müssen, stellt seiner Meinung nach eine erhebliche Einschränkung dar.  „Aber ich bin überzeugt, dass Oracle bereits jetzt daran arbeitet und viele weitere Funktionen mit den nächsten Releases hinzukommen werden. Dann steht auch dem produktiven Einsatz nichts mehr im Wege.“  

Unabhängig von den kleinen Unstimmigkeiten, die aber am sehr positiven Gesamteindruck des Releases nichts ändert, drückt Fröhlich seine Enttäuschung in Bezug auf den Wegfall des Enterprise Manager Database Control aus. Diesen ersetzt nun der Enterprise Manager Express, der allerdings über eine stark reduzierte Funktionalität verfügt. „Es ist verständlich, dass Oracle über lange Sicht nicht in der Lage ist, die Parallel-Entwicklung aufrecht zu erhalten. Wer – wie gewohnt – die gesamte Funktionalität nutzen will, muss auf den Enterprise Manager Cloud Control setzen“, schlussfolgert er.

Wann mit 12c anfangen?

Wie bei jedem Release wird empfohlen, erst nach Erscheinen des ersten Patchsets ein Upgrade in Betracht ziehen. „Auch für die Version 12c ist zu erwarten, dass im kürzlich freigegebenen Release 1 noch nicht alle neuen Features hundertprozentig funktionieren und an der einen oder anderen Stelle noch ein Bug auftritt“, sagt Fröhlich.

Bis dahin bleibt genug Zeit, um die neuen Funktionalitäten ausgiebig zu testen. „Erste Erfahrungen zeigen, dass eine eins-zu-eins-Umstellung von Standard-Datenbanken recht problemlos ist“, berichtet Fröhlich. Um die neuen Features zu nutzen, zum Beispiel die Konvertierung einer Datenbank in eine Pluggable Database, gehört ein gewisses Maß an Erfahrung dazu. Dazu sind wiederum Workshops sehr gut geeignet, um die Möglichkeiten auszuloten, die Befindlichkeiten kennen zu lernen und die ersten Tests durchzuführen.”

Um böse Überraschungen zu minimieren, empfiehlt Michael Houbertz Opitz Consulting auch Tests von SQL-Befehlen. Da es im Optimizer-Bereich Änderungen gegeben habe, könnte es nach dem Upgrade zu deutlich erhöhten Laufzeiten bei einzelnen SQLs führen, meint der Spezialist. Eins steht fest: Man sollte die Aktivitäten für die Umstellung keinesfalls nach hinten verschieben. „Die Zeit kann sinnvoll genutzt werden, um die neuen Features kennenzulernen sowie für die eigene Umgebung zu testen und zu planen“, fasst Fröhlich zusammen.

Auch Ahrends plädiert für eine zeitnahe Auseinandersetzung mit den neuen Technologien. „Es wäre gut, wenn der DBA nicht zum Hemmschuh wird. Es ist unsere Aufgabe als DBA, neue Funktionen frühzeitig zu testen, Trends zu erkennen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken!”, meint er. Was der Datenbank-Experte hier überspitzt zum Ausdruck bringt, ist das leidige Thema vieler Berater und Hersteller im IT-Bereich. Dieses grundsätzliche Misstrauen, diese ablehnende Haltung gegenüber neuen Technologien – eine deutsche Besonderheit, meinen viele.

Ein weiterer Grund spricht für eine zeitnahe Auseinandersetzung mit 12c: Laut Dokumentation ist die mandantenfähige Architektur mit einer einzigen Pluggable Database (single tenant) pro Container Database in allen Datenbankeditionen kostenfrei verfügbar. Dies bestätigte auch Oracle Deutschland auf Anfrage von DOAG Online. Es ist demnach relativ stark davon auszugehen, dass Oracle sich nach und nach von der alten Architektur trennen wird.

Gehirn nicht ausschalten

Oracle Database 12c wird eine große Umstellung im Alltag darstellen. Systeme werden intelligenter und vereinfachen im Alltag die Arbeit des DBAs. „Das heißt aber nicht, dass man sein Gehirn ausschalten kann“, betont Unbescheid. Seiner Ansicht nach gewinnt der strategische Aspekt immer mehr an Wichtigkeit. Aus diesem Grund sei es eben entscheidend, sich früh genug mit diesen neuen Technologien auseinanderzusetzen.

Diese Meinung vertritt auch Hotzy, der die Features Multitenant und Automatic Data Optimization als „ausgeklügelte Konzepte“ bezeichnet. „Prinzipiell ist das natürlich sehr gut, allerdings muss den Anwendern auch klar sein, dass ein effizienter Einsatz dieser neuen Technologien ein ebenso überlegtes Konzept auf Kundenseite erfordert.“ 

Hilfestellung bei ihren ersten Schritten mit Oracle Database 12c bekommen interessierte Anwender bei DOAG-Veranstaltungen sowie bei diversen Schulungen. Das Seminar- und Schulungsangebot der Beta-Tester werden in der rechten Spalte dieses Artikels aufgeführt.

Anwender, die Oracle Database 12c auf die Probe stellen, können auch jederzeit ihr Feedback an online@~@doag.org einreichen.