Oracle Cloud Services für Forms-Anwender

  • Erstellt von Dr. Jürgen Menge
  • Forms, Konferenz + Ausstellung

Das Thema Cloud ist in aller Munde und Oracle bietet inzwischen eine große Zahl von Cloud-Services auf unterschiedlichen Ebenen an. Bisher gibt es aber noch keinen speziellen Cloud Service (PaaS) für Forms-Anwendungen. Ist deshalb das Thema Cloud für Forms-Anwender irrelevant? Wie können sich Forms-Anwender schon heute mit Cloud-Technologien beschäftigen, um einen unmittelbaren Nutzen daraus zu ziehen oder für die Zukunft vorbereitet zu sein? Forms-Experte Dr. Jürgen Menge, der IT Macher GmbH, beschäftigt sich in diesem Beitrag damit, ob und in welcher Form Cloud-Services für Forms-Anwender sinnvoll sind. Mehr zum Thema berichtet Dr. Menge auch auf der DOAG 2017 Konferenz + Ausstellung in seinem Vortrag „Oracle Cloud Services für Forms-Kunden?“

Ist das Thema Cloud für Forms-Anwender irrelevant? 

Die Nutzung von Cloud-Services bietet folgende Vorteile:

  • Schnelle Bereitstellung von Umgebungen für Entwicklung, Test, Produktion (Provisionierung) Bereitstellung der notwendigen Ressourcen nach Bedarf (Skalierung)
  • Abrechnung der tatsächlich in Anspruch genommenen Ressourcen (Pay per Use)
  • Standardisierung der Umgebungen (Installation, Administration, Patching, Monitoring durch den Cloud Provider)

Inwieweit diese Vorteile tatsächlich zum Tragen kommen, hängt vom gewählten Cloud-Service und dem Abrechnungsmodell ab. Speziell für Forms-Anwender ist das Thema vor allem interessant, wenn die Forms-Anwendung vom Client-Server-Betrieb auf den WebLogic Server (WLS) umgestellt werden soll und keine nennenswerten Erfahrungen im Betrieb eines WLS existieren. Die notwendige Einarbeitung in die Installation und Administration des Appplication Servers (WLS) kann entfallen, wenn der Betrieb des WebLogic Servers (WLS) vom Cloud Provider übernommen wird. Tatsächlich gab es bereits einige Anfragen von Forms-Kunden, die vor dieser Herausforderung standen. Den Anforderungen am nächsten käme der Oracle Java Cloud Service (JCS), der die Funktionalität des WLS in der Cloud bereitstellt. Die Installation von Oracle Forms im JCS ist technisch möglich, auch in verschiedenen Dokumenten beschrieben, doch leider von Oracle nicht unterstützt. Die einzige supportete Umgebung sind die Infrastructure-as-a-Services (SaaS), die dem Anwender ein Betriebssystem in der Cloud zur Verfügung stellen. Dabei entfallen aber die meisten Vorteile für den Forms-Anwender, der sich nun doch um Installation, Administration, Patching, etc. des WLS kümmern muss. Die Zukunft wird zeigen, ob Oracle hier noch nachlegt und einen speziellen Platform Service (PaaS) für Forms oder zumindest ein installierbares Modul für Infrastructure Services (IaaS) bereitstellt.


Welche Cloud Services können Anwender schon heute sinnvoll in Verbindung mit Forms-Anwendungen nutzen?

Zunächst bietet sich hier der Datenbank Cloud Service (DBCS) an, um Daten und Logik (PL/SQL) der Anwendungen zentral zu speichern.

Für Forms-Anwender hätte dies folgende Vorteile:

  • Entwicklungs- und Test-Umgebungen können bei Bedarf schnell bereitgestellt werden
  • die Anwendungen können mit neuen Versionen der Datenbank getestet werden, bevor sie im eigenen Haus zum Einsatz kommen

Das Argument der fehlenden Kontrolle über die Daten trifft nicht zu, wenn während Entwicklung und Test mit anonymisierten Testdaten gearbeitet wird.


Cloud-Services für mobile Anwendungen


Weitere Einsatzmöglichkeiten ergeben sich aus der Bereitstellung von mobilen Applikationen, die Daten und Logik vorhandener Forms-Anwendungen nutzen. Dabei können zwei unterschiedliche Architekturansätze zur Anwendung kommen. Beiden Ansätzen ist gemeinsam, dass die mobile App über REST-Services mit der Programmlogik der Forms-Anwendung kommuniziert. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass die REST Services von unterschiedlichen Providern zur Verfügung gestellt werden.

  1. Oracle-Datenbank als Provider
    Die Oracle REST Data Services (ORDS) stellen Daten und zentrale Programmlogik (PL/SQL) als REST Services direkt aus der Datenbank bereit. Hier kann der Database Cloud Service (DBCS) zum Einsatz kommen, der ORDS enthält. Die Forms-Anwendung muss nicht gestartet werden. Es kann nur jener Teil der Programmlogik genutzt werden, der in der Datenbank gehalten wird.

  2. AuraPlayer als Provider
    Der AuraPlayer-Server ermöglicht die bidirektionale Kommunikation mit der Forms Runtime über REST Services. Im Unterschied zum vorhergehenden Ansatz muss die Forms-Anwendung im Hintergrund gestartet werden, womit die komplette Programmlogik der Anwendung genutzt wird. Auch hier kann der Database Cloud Service (DBCS) zum Einsatz kommen. Der AuraPlayer Server kann als JavaEE-Anwendung im Java Cloud Service (JCS) betrieben werden. 

Durch die Verwendung eines REST-Interfaces kann die mobile App in einer beliebigen Technologie entwickelt werden. Unabhängig vom gewählten Architekturansatz und der Entwicklungstechnologie der App ist es sinnvoll, den Oracle Mobile Cloud Service (OMCS) als vermittelnde Instanz zwischen Serviceprovidern und mobilen Apps zu setzen. Erfordert dies zunächst einen zusätzlichen Aufwand, überzeugen beim genaueren Hinsehen die Vorteile: 

  • unterschiedliche unternehmensinterne und -externe Services können integriert und für den mobilen Anwendungsfall maßgeschneidert per App zur Verfügung gestellt werden
  • unterschiedliche Protokolle (SOAP, REST) und Formate (XML, JSON) können gemäß den Anforderungen der App umgewandelt werden
  • die Serviceprovider können gegen unzulässige Zugriffe durch Authentifizierung und Autorisierung abgesichert werden
  • es können spezielle Funktionen für mobile Apps (Push Notification, Geolocation Services, ...) bereitgestellt werden
  • Statistiken geben Aufschluss über die Nutzung der mobilen Apps

 

Oracle Visual Builder Cloud Service als alternative GUI

Wie bereits im Fall der mobilen Anwendungen beschrieben, geht es letztlich darum, ein alternatives User Interface (GUI) zur Programmlogik vorhandener Forms-Anwendungen bereitzustellen. Betrachtet man speziell das Angebot an Cloud Services könnte hier der Oracle Visual Builder Cloud Service (OVBCS) künftig auch für Forms-Anwender interessant werden. Der OVBCS setzt auf vorhandenen REST Interfaces auf und erlaubt die weitgehend deklarative Entwicklung von Applikationen, die sowohl im Browser (Web) als auch als App auf dem mobilen Endgerät laufen können. Diese auch als “Low Code Development” bezeichnete Vorgehensweise soll es IT-affinen Fachanwendern ermöglichen, relativ schnell Applikationen für den eigenen Bedarf zu entwickeln. Diese Applikationen können nachträglich exportiert und durch Spezialisten der IT erweitert werden. Die generierten Applikationen sind in Oracle JET (JavaScript Extension Framework) implementiert und können neben zahlreichen Standard-Komponenten auch eigene, wiederverwendbare Komponenten einschließlich der zugehörigen Programmlogik integrieren. Der Zugriff auf die Programmlogik der vorhandenen Forms-Applikationen muss über ein REST Interface realisiert werden, wobei die bereits beschriebenen zwei Ansätze, d.h. Oracle-Datenbank oder AuraPlayer als Provider, zum Einsatz kommen können. Die verfügbaren REST Services werden dem Entwickler in einem Katalog angeboten. Der Zugriff von OVBCS ist gegenwärtig ohne zusätzlichen Aufwand nur auf REST Services möglich, die von den ADF Business Components (ADFbc) bereitgestellt werden. Diese liefern eine (Selbst-)Beschreibung mit, die von den Wizards des OVBCS' benötigt wird, um dem Entwickler Auswahloptionen anzubieten. Für andere REST Services ist es notwendig, einen Business Object Provider (BOP) zu entwickeln, der die Beschreibung der REST Services in der gewünschten Form liefert. Hierzu gibt es bereits einige Anleitungen, eine strukturierte Vorgehensweise und ein Template in OVBCS. Damit ist es möglich, mit Hilfe von OVBCS ein alternatives Interface auf Basis der Geschäftslogik vorhandener Forms-Applikationen bereitzustellen. Um diese Möglichkeit zu erproben, kann für den Oracle Visual Builder Cloud Service (OVBCS) ein Trial Account angefordert werden (https://cloud.oracle.com/en_US/application-builder).


Weitere Informationen zur Thematik gibt Ihnen Dr. Jürgen Menge in seinem Vortrag auf der DOAG 2017 Konferenz + Ausstellung. Besuchen Sie auch den DOAG 2017 Reporting Day am 21. September 2017 in Kassel und erfahren Sie mehr über Reporting im Zeitalter der Digitalisierung.