Englischsprachigen Internetmedien und sozialen Netzwerken zufolge hat sich Oracle vergangene Woche von mindestens drei seiner Java-Evangelisten getrennt. Sowohl die Entlassungen selbst als auch deren Zeitpunkt, sieben Wochen vor der nächsten JavaOne-Konferenz, werden in Community-Kreisen als fragwürdig bezeichnet.
Zurzeit bestätigt ist die Entlassung der drei in der Java-Community prominenten und angesehenen Oracle-Mitarbeiter Simon Ritter, James Weaver und Mark Heckler. Reaktionen auf die Neuigkeiten sind in diversen sozialen Netzwerken zu finden. Auf Twitter und Reddit wird darüber hinaus diskutiert, ob eine vermeintliche Entlassung aller Java-Evangelisten bevorsteht. Die Information ist nicht bestätigt. Grundlage für die Spekulationen sind ein Tweet des Java-Performance-Experten Kirk Pepperdine und ein Facebook-Eintrag von Simon Ritter. Zu einer Anfrage von The Register gab Oracle bislang keinen Kommentar ab.
Bereits kurz nach der Veröffentlichung der Meldungen wurden erste Stimmen aus der Java-Community laut: „Die Community ist auf die Evangelisten angewiesen. Sie haben uns stets zuverlässige Informationen geliefert.“, betont Markus Eisele, Leiter der Java-Community der DOAG und Programmleiter der JavaLand-Konferenz. „Außerdem haben Sie uns Wissen zu Features und Neuerungen bereitgestellt, welches an alle Developer und weitere User weitergegeben wurde. Eine solche Quelle ist schwer zu ersetzen.“, so Eisele weiter.
Die Java-Evangelisten sind einerseits für ein technisches Marketing gegenüber Java-Entwicklern zuständig, andererseits sind sie an der Entwicklung der Programmierplattform beteiligt. Zudem fungieren sie als Sprachrohr für die Java-Community und referieren weltweit als Speaker auf Konferenzen.
Welche Folgen die Entlassung der Oracle-Mitarbeiter auf das Java-Produkt haben wird, bleibt nun abzuwarten. Für Fried Saacke, Vorsitzender des iJUG (Interessenverbund der Java User Groups) und Vorstand der DOAG, ist jedoch klar: „Zusammen mit den Evangelisten geht wichtiges Know-how von Bord, welches Oracle und der Java-Community fehlen wird. Dadurch steht auch das Vertrauen der Java-Anwender gegenüber dem Unternehmen auf dem Spiel – zurzeit verspielt sich Oracle dieses.“.
Warum sich Oracle für eine Trennung von den Evangelisten – besonders vor der anstehenden JavaOne – entschieden hat, ist bislang unklar. Denn auf der jährlichen Konferenz des Konzerns wird die Software-Entwicklungs-Technologie vermarktet – und das vor allem durch die Evangelisten. Wer diese Aufgabe im Oktober sowie in Zukunft übernehmen wird, bleibt abzuwarten.


