Die Teilnehmer*innen diskutierten darüber, wie der Corona-bedingte Lockdown die Arbeitswelt für DBAs verändert hat. Panelleiter Christian Trieb, Senior DBA bei Paragon und DOAG Vorstand Datenbank, begrüßte auf der virtuellen Konferenzbühne drei Teilnehmer*innen mit unterschiedlichen Perspektiven: Ulrike Schwinn von Oracle Deutschland, Dagmar Förster, Oracle-Endanwenderin bei der Alten Leipziger Lebensversicherung, und Thomas Tretter, selbstständiger Oracle-Partner.
Christian Trieb: Was hat sich für euch durch den Lockdown geändert?
Dagmar Förster: Das Offensichtlichste ist, dass es keine Dienstreisen mehr gibt, und auch keine Trainings oder Meetings vor Ort. Außerdem kommen keine Consultants mehr zu uns ins Haus.
Ulrike Schwinn: Alle Projekte werden bei uns nun online durchgeführt, wobei wir bei Oracle von der Infrastruktur her gut aufgestellt sind. Da die Reisen wegfallen, bleibt mehr Zeit für Projekte. Unser Projektaufkommen ist deutlich höher geworden.
Thomas Tretter: Ich beobachte, dass Firmen unterschiedlich gut auf die Situation vorbereitet sind. Schwierigkeiten gibt es dabei eher auf der emotionalen als auf der technischen Ebene. Bei manchen Projektpartnern habe ich den Eindruck, dass sie die Zeit verschlafen haben. Da herrscht teilweise die Meinung vor, dass Mitarbeiter nur richtig arbeiten, wenn sie auch vor Ort sind.
Dagmar Förster: Ich mache je nach Abteilung unterschiedliche Beobachtungen: Nach dem ersten Lockdown gab es Abteilungsleiter, die auf Homeoffice bestanden haben, während andere ihre Mitarbeiter mindestens einmal pro Woche sehen wollten. Wiederum andere sind auf die jeweilige Situation der Mitarbeiter eingegangen: "Macht es, wie es für euch in Ordnung ist – habt ihr Risikofaktoren zu Hause, kleine Kinder zu betreuen oder ist euch der Austausch im Büro wichtig?"
Christian Trieb: Wie hat sich die Kommunikation mit Kollegen und Externen verändert?
Dagmar Förster: Mich hat überrascht, wie gut das Consulting online funktioniert. Beispielsweise die Unterstützung beim Patchen von Exadata: Zuvor saßen wir da immer in einem großen Konferenzraum zusammen und haben alles an die Wand projiziert – das funktioniert auch remote erstaunlich gut.
Thomas Tretter: Wir haben zuvor immer Release-Wechsel über das Wochenende gemacht, wobei die ganze Truppe vor Ort war. Das hat nun zweimal remote stattgefunden und es war – wie alle Beteiligten hinterher zugeben mussten – besser, effektiver und schneller. Teams ist eine gute Software, die mir persönlich besser als andere Lösungen gefällt. Man sieht direkt den Bildschirm des anderen und muss noch nicht mal ins andere Büro laufen.
Ulrike Schwinn: Es kommt darauf an, mit wem man es zu tun hat. Intern verwenden wir Zoom, aber die Kunden verwenden unterschiedliche Softwaren. Da muss man üben, das Setup richtig festzulegen. Aber insgesamt ist die Kommunikation spontaner und vielleicht sogar besser geworden. Da man jetzt immer erreichbar ist, trauen sich Kunden auch mal, ad hoc einen Call zu machen, während vorher die Reisen und die Terminfindung gewisse Hürden darstellten.
Dagmar Förster: Ich sehe aber auch Nachteile in der Kommunikation mit Kollegen. Jetzt bleibt z.B. – ganz profan – der Kaffee mit Kollegen aus anderen Abteilungen auf der Strecke. Wir haben uns dann mal per Skype getroffen, aber irgendwie hat sich das nicht etablieren können. Das ist einfach nicht so nett wie vor Ort. Und im Büro bekommt man natürlich viel mehr Sachen mit.
Thomas Tretter: Ich bin da anderer Meinung. Ich arbeite jetzt viel effektiver, da die Kommunikation auf Dailys reduziert wird. Das geht es in erster Linie um fachlichen Austausch, aber dieser Kaffeeaustausch ist auch dabei. Ich vermisse eigentlich wenig.
Ulrike Schwinn: Bei uns wird dieser abteilungsübergreifende Kaffeeaustausch auch vermisst und es gibt daher nun Initiativen verschiedener Gruppen – z.B. eine virtuelle Kaffeeküche, um auch abseits der fachlichen Themen ins Gespräch zu kommen. Ich denke, das ist sehr wichtig. Ansonsten gehen Informationen verloren. Vielleicht gibt es nun auch weniger Gerüchte (lacht).
Christian Trieb: Wie bewertet ihr die Situation? Wo seht ihr Vor- und Nachteile?
Thomas Tretter: Die wegfallenden Fahrtzeiten sind ein großer Vorteil. Und die neue Spontanität. Ich bin früher nicht drei Stockwerke hochgelaufen, um einen Kollegen zu sehen, der dann vielleicht gar nicht am Schreibtisch saß. Das geht jetzt alles viel spontaner. Mir gefällt das sehr, und es ist letztlich auch effektiver. Aber man muss sich natürlich mit der Situation zurechtfinden. Ich sitze auch nicht acht Stunden permanent vor dem Laptop, sondern mache auch mal was anderes – genauso wie vorher im Büro.
Dagmar Förster: Die jetzige Situation ist einfach eine Notwendigkeit. Da geht zwischenmenschlich einfach zu viel flöten, z.B. dass Kollegen, die in den Ruhestand gehen, nicht richtig verabschiedet werden können. Was mir beim Homeoffice geholfen hat, war eine bessere Ausstattung. Am Anfang hatte ich keinen großen Monitor, das war eine Qual. Jetzt habe ich einen Wipphocker, und das ist deutlich besser, als auf dem Esszimmerstuhl zu sitzen. Zu einem dauerhaften Homeoffice gehört eine gewisse Ausstattung dazu.
Thomas Tretter: Wir in dieser Runde sind natürlich auch alle in einer sehr guten Situation. Ich kenne auch Kollegen, die zu Hause nicht so viel Raum haben und teilweise nebenbei noch Kinder betreuen müssen.
Ulrike Schwinn: Was mir und sicher auch anderen so geht: Es ist deutlich einfacher, sich feste Arbeitszeiten zu setzen, wenn man ins Büro fährt und dann wieder nach Hause kommt. Im Homeoffice habe ich manchmal den Eindruck, dass ich rund um die Uhr arbeiten könnte. Es ist also wichtig, sich bewusst Pausen zu setzen.
Dagmar Förster: Das war auch bei mir ein Lernprozess. Ich fange zwar deutlich früher an zu arbeiten, aber das Fahrradfahren zur Arbeit fällt weg und ich kann mich nicht motivieren, zum Feierabend eine Runde mit dem Fahrrad zu drehen. Eine weitere Umstellung ist, dass ich nun täglich selbst für das Essen sorgen muss, da die Kantine wegfällt. Dann gibt es zwar immer etwas, was ich mag, aber es nimmt mehr Zeit in Anspruch. Am Anfang hatte ich auch ein schlechtes Gewissen, wenn ich in die Küche gegangen bin, um mir einen Kaffee zu machen. Was wenn gerade jetzt jemand anruft? Obwohl man ja im Büro auch mal auf dem Gang ist und nicht am Platz.
Thomas Tretter: Ich habe auch Kollegen, die eine klare Trennung haben wollen. Ich selbst bin seit 20 Jahren selbstständig und geistig den ganzen Tag online. Aber viele Kollegen wollen, dass Feierabend ist, sobald sie das Büro verlassen. Das muss man nun gleitender gestalten. Ich finde das positiv, ich kann jetzt auch tagsüber mal zwei Stunden etwas machen, wofür ich mich nicht entschuldigen muss.
Ulrike Schwinn: Das geht mir genauso. Ich meinte nur, dass es schwierig ist, nicht den ganzen Tag zu arbeiten. Man muss lernen, diesen Cut selbst zu machen. Ansonsten besteht die Gefahr, zu viel zu arbeiten. Wenn die Sonne scheint, dann gehe ich auch einfach mal raus. Das muss man für sich selbst definieren. Früher war das mehr vordefiniert.
Christian Trieb: Macht es für euch einen Unterschied, ob dir Datenbanken in der Cloud oder vor Ort sind?
Thomas Tretter: Ich bin ja eigentlich DBA und stand auch vorher nicht an der Hardware. Ich habe zwar Exadatas betreut, aber diese nie physisch gesehen. Insofern ist mir das egal. Wenn der Trend jetzt in die Cloud geht, dann geht er in die Cloud.
Dagmar Förster: Ich kann da wenig zu sagen, wir haben On-Premises, aber ich denke nicht, dass es einen großen Unterschied macht.
Thomas Tretter: Es ist schon eine andere Arbeit. Wenn man eine Datenbank in der Cloud betreut, hat man als Admin andere Tätigkeiten. Aber im Laufe der Zeit ändert sich die Arbeit sowieso. Jetzt hat sie sich etwas stärker verändert. Es sind Tätigkeiten in Bezug auf Netzwerk hinzugekommen, womit ich mich vorher nicht befassen musste, aber daran gewöhnt man sich schnell. Was sich ebenfalls verändert hat, ist das Thema Kosten. Früher hat man nur einmal über Kosten diskutiert. Da stand vor einer Investition, hat die Alternativen abgewogen und dann lief es erstmal drei, vier Jahre. Heute hingegen diskutieren wir ständig über die Kosten der Cloud. Mindestens einmal in der Woche werden Paramater wie Storage oder CPU Time gecheckt. Wo können wir drei Euro sparen? Diese Diskussion hatten wir früher nicht.
Christian Trieb: Was wird nach Ende der Pandemie bleiben und nicht mehr zurückgehen?
Dagmar Förster: Wir werden wohl eine Mischung sehen. Man wird auf viele Dienstreisen verzichten, aber es ist doch schön, mal wieder ein Meeting zu haben und die Leute vor Ort zu sehen. Obwohl in manchen Fällen vielleicht Skype gar nicht schlecht ist, weil es bei strittigen Sachen dann etwas ruhiger bleibt (lacht).
Ulrike Schwinn: Es hat sich herausgestellt, dass bisherige Vor-Ort-Projekte auch online funktionieren und vielleicht ist es dann eine Alternative zu sagen: Können wir das nicht weiterhin online machen? Ich bin dennoch sehr für eine Mischung: Man muss sich in einem Projekt einmal gesehen und getroffen haben. Das macht schon etwas aus. Wir werden wohl beides beibehalten, und das finde ich auch gut so.
Thomas Tretter: Ich denke, es wird auf eine 4:1-Wochenaufteilung hinauslaufen. Ich sehe auch ein, dass es Situationen gibt, in denen ein persönliches Zusammenkommen einfach sinnvoller und besser ist. Nicht unter fachlichen, sondern unter emotionalen Gesichtspunkten. Ich finde es auch wichtig, bei neuen Projekten, die Leute einmal kennenzulernen.
Ulrike Schwinn: Ein anderer Aspekt ist das Online-Lernen. Da gibt es jetzt viel mehr Angebote. Bei uns bieten nun Product Manager aus den USA in verschiedenen Zeitzonen Workshops an. Informationen sind somit leichter und mehr verfügbar. Da ist viel passiert. Auch bei den Zertifizierungen wurde durch die neuen Möglichkeiten der Fokus auf das Lernen gesetzt.
Dagmar Förster: Da würde ich je nach Dauer einen Unterschied machen. Bei kurzen ein- bis zweistündigen Sessions oder auch Halbtagstrainings ist das Einstiegslevel jetzt deutlich niedriger, da man sich schnell anmelden kann, ohne irgendwo hinfahren zu müssen. Das finde ich gut. Man kann sich ein 1-Stunden-Training zu einem Thema ohne großen Aufwand anhören. Auf der anderen Seite finde ich 1-Wochen-Trainings online wirklich anstrengend.
Thomas Tretter: Wir hatten gestern ein Meeting mit unserer Datenbank Community, und da war die Meinung: Homeoffice für den normalen Betrieb ist wunderbar, aber in Bezug auf die Konferenz war die vorherrschende Meinung, das sollte dann doch lieber vor Ort stattfinden. Damit man die Leute trifft und auch mal aus dem operativen Geschäft herauskommt. Und das gemeinsame Bier am Abend fehlt auch.
Christian Trieb: Was sind eure Wünsche für die nächste Zeit?
Dagmar Förster: Normalisierung. Ich möchte wieder ins Büro fahren, an einem Meeting teilnehmen und mit Kollegen Kaffee trinken. Das reicht mir schon.
Thomas Tretter: Ich möchte selbst wieder die Kontrolle über das Geschehen haben und nicht gezwungen werden, Homeoffice zu machen oder ins Büro zu fahren. Und im Moment haben wir alle diese Kontrolle nicht.
Ulrike Schwinn: Mein Wunsch ist auch, dass es sich normalisiert und dass man die Wahl hat zu sagen: Ich treffe jetzt jemanden oder ich arbeite zu Hause. Dass einfach wieder Normalität eintritt.
Christian Trieb: Vielen Dank für das Gespräch.
Eine schriftliche Abfassung dieses Gesprächs erschien erstmals in der aktuellen Ausgabe des vom EOUC herausgegebenen eMagazines ORAWORLD.


