"Rekrutierung in Zeiten des 'War for Talents' ist eine Herausforderung" – Interview mit Stefan Latuski

  • Erstellt von Marcos López
  • KI, Cloud Native

Der Keynote Speaker der CloudLand 2023 spricht über seinen Arbeitgeber, die Zukunft von KI und wie es zur gemeinsamen Keynote mit seiner Frau kam.

Intro: Als CEO des IT-Systemhauses der Bundesagentur für Arbeit ist die persönliche Agenda straff getaktet. Zeitfenster für Termine abseits der täglichen Aufgaben sind rar gesät. Umso mehr freuen wir uns, mit Stefan Latuski genau ein solches gefunden zu haben, um erneut – auch zur CloudLand 2022 gelang uns das bereits – ein Interview im Kontext der CloudLand 2023 zu führen.

Auf dem Cloud Native Festival, das vom 20. bis 23. Juni im Phantasialand (Brühl) stattfindet, wird er erstmals eine Keynote gemeinsam mit seiner Ehefrau Jennifer Latuski halten. Wir sprachen mit ihm über die CloudLand und diese besondere Keynote, seinen Arbeitgeber und den Einsatz und die Zukunft von künstlicher Intelligenz.

Hallo Stefan, danke, dass du die Zeit für uns gefunden hast! So schnell ging ein Jahr rum – die zweite CloudLand steht vor der Tür, und wieder konnten wir dich als Keynote Speaker gewinnen. Was war dein Motiv?

Das unkonventionelle Format, die Gelegenheit zum Austausch mit internationalen Experten und Vernetzung sowie Wissenstransfer innerhalb der Community!

Deine Keynote verspricht im wahrsten Sinne des Wortes etwas Besonderes zu werden, denn du wirst sie gemeinsam mit deiner Frau gestalten. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Idee?

Die Idee ist spontan entstanden. Sie ist in der Tat ungewöhnlich und auch für Jenny und mich besonders, weil es die erste gemeinsame Keynote wird.

Was hat sich in den vergangenen zwölf Monaten deiner Meinung nach in puncto Cloud so getan?

Ein aktueller Meilenstein: Die Europäische Kommission und die Vereinigten Staaten haben bekanntgegeben, dass sie sich auf einen neuen Datenschutzrahmen geeinigt haben, mit dem der transatlantische Datenverkehr gefördert und die im Schrems-II-Urteil vom Juli 2020 geäußerten Bedenken ausgeräumt werden.

Welche Bedenken waren das und was wird nun anders?

Das Schrem-II-Urteil macht es öffentlichen Behörden quasi unmöglich Cloud Services von amerikanischen Hyperscalern zu nutzen. Die oben genannte Einigung ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Auf dieses Basis könnte eine Rechtsgrundlage geschaffen werden, die es uns ermöglicht Cloud-Services zu nutzen…

Wie erlebst du das Thema Cloud in deinem eigenen Arbeitsumfeld?

Heiße Themen in meinem Arbeitsumfeld sind SaaS, Cloud-Lösungen (Kommunikations- und Kollaborationstools) für Anwender/-innen, Künstliche Intelligenz & Machine Learning. Neben diesen technologischen Themen beschäftigt uns die Transformation und vor allem die Steigerung unserer Eigenleistungsfähigkeit im IT-Systemhaus, die von vielen verschiedenen Faktoren abhängt. Wir sind überzeugt, dass wir uns als Arbeitgeber im öffentlichen Dienst nicht zu verstecken brauchen. Natürlich ist es nicht leicht, im Gehalts-Ranking mithalten zu können. Es gibt aber andere Aspekte, die die Talente zu uns ziehen: Zunehmend rückt der Sinn der Arbeit bei den Bewerberinnen und Bewerbern in den Mittelpunkt und viele schätzen unseren sozialen Auftrag bzw. unseren Beitrag zur sozialen Sicherheit in Deutschland und dass sie daran mitwirken können.

Dass wir ein sicherer Arbeitgeber sind, ist weitestgehend bekannt. Was viele nicht wissen: Wir bieten bis zu 80 Prozent Home-Office-Möglichkeit, Innovation, agile Arbeitsweisen, Entwicklungsmöglichkeiten und ein breites fachliches Feld – von IT-Security, Business Intelligence, Advanced Analytics, Data Warehouse, Automation, Datenbanken, Entwicklung bis zum Betrieb, über 100 eigene IT-Verfahren, drei Rechenzentren und vieles mehr. Die Aufgaben und Möglichkeiten, die sich bei uns ergeben, decken die gesamte Bandbreite des IT-Geschäfts ab – für alle ist etwas dabei. Neuerdings sind wir neben dem Hauptsitz in Nürnberg/Fürth in bundesweit sechs weiteren Städten vertreten.

In welcher Weise wird auch deine Arbeit zukünftig von künstlicher Intelligenz (KI) geprägt sein?

Da gibt es unzählige Szenarien, denn technisch machbar ist unheimlich viel. KI ist in der BA bereits zur Optimierung und Automatisierung im Einsatz. Beispiele:

  • Studienbescheinigungen checken (Familienkasse)
  • Einsatz von Chatbots auf www.arbeitsagentur.de (bspw. NewPlan)

Viele weitere denkbare Einsatzsszenarien, wie zum Beispiel Jobmatching und speziell in der IT:

  • Predictive Maintenance (Vorhersehen von IT-Ausfällen)
  • IT-Security (Auswertung von Events)

Wichtig: Nicht überall wo technisch machbar, ist der Einsatz von KI ethisch sinnvoll.

Heutiger Fokus: Automatisierung der Datenflüsse. Zukunft: Wird maßgeblich von gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen rund um KI beeinflusst. Hier gilt es nun, Transparenz zu schaffen und richtungsweisende Rahmenbedingungen zu definieren.

Meine persönliche Einstellung zur Entscheidungsautomatisierung: mit Vorsicht zu genießen. KI kann anleiten, aber Entscheidung sollten Menschen treffen.

Muss ein CEO eigentlich selber ständig Weiterbildungen absolvieren, um am Ball der technischen Herausforderungen zu bleiben oder reicht ein agiles Mindset und ein gutes Gespür für die Mitarbeiter, um den Notwendigkeiten entsprechend handeln zu können?

Selbstverständlich – wer sich nicht weiterbildet, bleibt irgendwann auf der Strecke. Das gilt für alle Mitarbeitenden, egal auf welcher Ebene oder Position.

Abschließend: Was versprichst du dir von der CloudLand 2023 und warum sollte man sie nicht verpassen?

Sie wird mindestens genauso gut wie die erste CloudLand im letzten Jahr! Wir werden viel voneinander lernen und durch die spezielle Location wird der Spaßfaktor zwischen Bühnenprogramm, Achterbahn und Abendprogramm nicht zu kurz kommen. Für mich persönlich wird das Event durch die Keynote mit meiner Frau auf jeden Fall unvergesslich!