Stellungnahme der DOAG zu den Neuvorstellungen auf der Oracle Open World 2009

  • Erstellt von fsa, dne, rko
  • Themen

Exadata 2

Mit Exadata 2 steht ein hochleistungsfähiger Data-Warehouse- und OLTP-Server zur Verfügung, der jetzt auch skalierbar ist (von einer Basiskonfiguration bis zu 25 oder mehr gefüllten Racks – je nach Performance und Speichererfordernissen). Damit ist diese Hochleistungstechnologie für alle Kunden verfügbar, denn Exadata 1 war nur für wenige Großkunden interessant.

Diese Technologie ist auch für den deutschen Markt von Bedeutung, zumal die Datenmengen immer exponentiell anwachsen. Über Datenbereinigung, Archivierung, Auslagerung scheinen sich die Kunden immer weniger Gedanken zu machen, da die wachsenden Datenmengen beherrschbar wirken.

Es fällt der günstige Preis für die Basiskonfiguration auf, er soll 110.000 Dollar Listenpreis betragen – zusätzlich zu einer bestehenden Datenbank-Lizenz. Ein komplett ausgebautes Rack (mit 5 TByte Flash-Speicher) kostet 1,1 Millionen Dollar. Wichtig ist, dass die Systeme voll fehlertolerant (kein Single Point of Failure) sind.

Sun-Integration

Die wichtigste Aussage von Oracle-CEO Larry Ellison ist das Commitment zu Java, MySQL, Open Source, Solaris und der Sun-Hardware-Technologie. Dies gibt die entscheidende Sicherheit im Markt, auch wenn viele Detail-Informationen noch fehlen. Klar dürfte aber sein, dass Oracle das gesamte Produkt-Portfolio von Sun weiterentwickeln wird, was auch durch die Kampfansage an IBM anschaulich wurde.

Die Strategie von Oracle ist es zukünftig (beginnend schon jetzt mit der Exadata 2), vollständige Lösungen "Out of the Box" zu liefern – Hardware mit bereits installiertem Betriebssystem und der jeweiligen Oracle-Software und das Ganze optimal konfiguriert, so dass der Kunde "nur noch seine Daten einspielen muss und loslegen kann". Oracle geht damit in die komplette Verantwortung für die Systeme und liefert alles aus einer Hand. Dies ist nach Einschätzung der DOAG sicher ein entscheidender Vorteil für die Kunden.

Fusion Applications

Endlich lichten sich die Nebel über den lange angekündigten Oracle Fusion Applications. Für Kenner der Oracle Applikationsszene haben sich die Konturen der neuen Applications-Produktlinie jedoch schon längst abgezeichnet. Sie ergeben sich als logische Konsequenz aus der konsequenten Nutzung der Oracle Fusion Middleware: Die Bereitstellung betriebswirtschaftlicher Funktionalitäten in Form von Services, die entlang durchgängiger Prozessketten verknüpft werden (Schlagwort: Application Integration Architecture) etwa oder die tiefe Integration von Business Intelligence Funktionalitäten in operative Geschäftsprozesse. Auch die Ergebnisse des ambitionierten Oracle User Experience-Programms finden bereits Eingang in das Look & Feel der aktuellen Applications-Produkte. Anwender aktueller Releases der heutigen Oracle Applications nutzen all diese Features bereits heute erfolgreich.

Insofern werden Oracle Applications-Anwender von den neuen Fusion Applications nicht "unvorbereitet überrollt" werden. Und sie werden in den nächsten Monaten und vielleicht sogar Jahren auch nicht "scharenweise" auf die Fusion Applications migrieren, sondern werden im Rahmen der Oracle Supportgarantien ihre bestehenden Applikationslandschaften schrittweise modernisieren. Allerdings leitet sich aus der Verfügbarkeit der Fusion Applications und der garantierten Möglichkeit der Migration von den aktuellen Applications-Produktlinien sogar Investitionssicherheit ab in Verbindung mit einer "Innovationsgarantie", die heute kein anderer Hersteller bieten kann.

Aus unserer Sicht eignen sich die in der ersten Phase auf den Markt kommenden Fusion Applications vor allem für Neukunden. Diesen empfehlen wir aber, genau zu prüfen, ob wirklich alle für sie erforderlichen Funktionalitäten bereits vorhanden sind. Ist dies nicht der Fall, ist eine Einführung der bisherigen Applications - die ja bereits in hohem Maße die Möglichkeiten der Oracle Fusion Middleware nutzen - und eine spätere Migration auf die Fusion Applications eindeutig zu bevorzugen.

Wichtig für die deutschen Anwender ist, dass noch einmal das „Applications Unlimmited“-Commitment unterstrichen wurde. Allerdings hat Oracle es auch ein wenig eingeschränkt durch die Definition „Mindestens die nächsten 10 Jahre ...“. Damit kann der Umstieg auf Fusion Applications schrittweise erfolgen.

Die neuen Fusion Applications setzen aber auch einen ganz neuen Implementierungsansatz voraus. Software muss zukünftig über Prozesse verkauft und implementiert werden, der Anwender vollständig in Prozessen denken. Hier bleibt offen, ob sich Vertrieb, Berater und insbesondere die Oracle Schulung schnell genug auf diese neuen Herausforderungen einstellen.

Weiterhin muss man auch sehen, dass der Enterprise Manger immer mehr in Richtung Infrastrukturmanagement und Applikationsmanagement ausgebaut wird.

Support

Ein weiteres Highlight ist der neue Support-Ansatz: Kunden, die Oracle ihre Konfiguration offenlegen, bekommen auf der Basis von Erkenntnissen, die Oracle im Support aller Kunden sammelt, Empfehlungen für proaktive Wartungsmaßnahmen, die speziell auf ihre Konfiguration zugeschnitten sind. Das ersetzt aber aus Sicht der DOAG sicher nicht das eigene Testen. Außerdem ist vorstellbar, dass nicht viele Kunden diese Offenlegung wünschen. Prinzipiell ist es allerdings ein Ansatz, der in die richtige Richtung geht und auf zukünftige Verbesserungen in der Support-Qualität hoffen lässt.

Die DOAG erwartet, dass das Patchen deutlich einfacher wird, weil Oracle automatisch die Kompatibilität von Patches zueinander prüft und der Admin dann zumindest seine Testmaschine automatisch patchen lassen kann, um dann dort noch seine eigenen Tests laufen zu lassen. Bis zum automatischen Ablauf wird es zwar noch etwas dauern, aber man kann zumindest Konflikte zwischen Einzelpatches und normalen Patchpaketen erkennen.

Usergroups

Sehr bedeutsam für die deutschen Anwender ist auch die Tatsache, dass die DOAG laut Oracle "zu den zehn wichtigsten Usergroups weltweit gehört".

Hinweis

Viele dieser Themen werden auch im Rahmen der DOAG 2009 Konferenz + Ausstellung von 17. bis 19. November 2009 in Nürnberg in Vorträgen und Diskussionen intensiv behandelt.