Tausche Bürostuhl gegen Hollywoodschaukel: Die Arbeitswelt der Zukunft

  • Erstellt von Marina Fischer
  • Business Intelligence, Java, Infrastruktur, Business Solutions, Development, Datenbank

Ein Kicker im Büro? Das überrascht heutzutage kaum noch jemanden. Aber wie sieht’s mit einem firmeneigenen Fitnessstudio, schicken Café-Tresen, flexiblen Arbeitsplätzen und Massagesesseln aus? Im easyCredit-Haus der TeamBank AG in Nürnberg ist das seit 2014 Normalität. Vertrauensarbeitszeit, flexible Arbeitsplätze und ein offenes Raumkonzept mit viel Licht tragen zusätzlich zum Wohlfühlklima bei. Hier bekommt man einen Vorgeschmack, wie die Arbeitswelt zukünftig aussehen könnte.

Als ich zur Mittagszeit das dreistöckige Gebäude betrete, traue ich meinen Augen nicht: Statt eines kühlen Eingangsbereiches, wie man ihn in Bürogebäuden schon viel zu oft gesehen hat, wartet eine lichtdurchflutete Lobby auf mich. Im Gegensatz zu der weit verbreiteten Tristesse herrscht hier ein buntes und geschäftiges Treiben, Mitarbeiter lachen und unterhalten sich, während einige unter Anfeuerung der Umstehenden Basketball spielen. „Bin ich hier richtig?“, kann ich gerade noch denken, als ich auch schon freundlich begrüßt werde und meinen Besucherausweis überreicht bekomme: „Gastfreund“ steht auf meiner Eintrittskarte für den Tag im easyCredit-Haus, und ich fühle mich gleich willkommen.

 

Über easyCredit
easyCredit ist die Marke der TeamBank AG, einem Nürnberger Traditionsunternehmen mit über 60-jähriger Geschichte. Bei der Bank kommen eine ganze Reihe von Oracle-Technologien zum Einsatz, so wurde zum Beispiel das Backendsystem der Hauptanwendung, das neue Bestellungen entgegen nimmt, in Java realisiert. Außerdem werden bei der Datenablage Oracle-Datenbanken eingesetzt, das CRM-System basiert auf dem Java EE-Ökosystem und Oracle Application Express wird ebenfalls genutzt.

 

Wie entstehen kreative Ideen?
Im Dezember 2014 hat sich easyCredit mit dem Umzug in den neuen Hauptsitz die Zukunft ins Haus geholt und dabei das Thema Arbeit komplett neu gedacht. Zu eng und starr waren die alten Räumlichkeiten am Nürnberger Rathenauplatz geworden. Lange Flure, dunkle Gänge und viele Einzelbüros behinderten den Austausch unter den Mitarbeitern. Wie sollen da innovative Ideen entstehen? Schnell war klar: Es muss ein neues Gebäude her, um Räume zur Begegnung zu schaffen und so die kreative Zusammenarbeit unter den Mitarbeitern zu fördern. Ein Denkansatz, der einleuchtet, wenn man bedenkt, dass man die wenigsten Geistesblitze tatsächlich am Schreibtisch hat. Das neue Gebäude lädt daher geradezu ein, nicht nur den Schreibtisch, sondern auch mal die eigene Perspektive zu wechseln, und sich spontan mit Kollegen auszutauschen, die man zufällig an der Kaffeebar oder der firmeneigenen „Games-Zone“ trifft, die mit Kickern, Basketballkörben und einem Mini-Cabrio samt Playstation ausgestattet ist.

Im Rundgang durch die drei hellen Stockwerke vorbei an stylischen Sofalounges fällt es mir nicht schwer zu glauben, dass die guten Ideen hier nur so sprudeln. Von jeder „Home Zone“, also den Bereichen, in denen die Mitarbeiter entsprechend ihrer jeweiligen Organisationseinheit arbeiten, ist die „Meet & Create Zone“ im Inneren des Gebäudes mit vier großen Lichthöfen und den unterschiedlichsten Lounges gut zu erreichen. Hier stehen rund 180 informelle Arbeitsplätze in Form von Rundsofas oder Hochtischen zur Verfügung.

Heute hier, morgen dort
Rund 700 Mitarbeiter arbeiten derzeit im easyCredit-Haus. Aber nur für 75 Prozent von ihnen ist ein Schreibtisch vorgesehen. Schon im alten Firmensitz wurden täglich nur knapp 60 Prozent der Schreibtische genutzt, der Rest war aufgrund von Urlaub, Meetings oder Krankheit nicht besetzt. Daher wurde beschlossen: Ab sofort gibt es nur noch flexible Arbeitsplätze. Alle Schreibtische in den Home Zones wurden mit zwei Monitoren, einer Dockingstation, einer Tastatur und einer Maus ausgestattet. Da alle Mitarbeiter den gleichen Laptop verwenden, kann jeder am Schreibtisch seiner Wahl arbeiten – sowohl im Stehen als auch im Sitzen, denn jeder Schreibtisch ist höhenverstellbar. Telefoniert wird mit Headset über Skype, sodass alle Mitarbeiter jederzeit erreichbar sind, egal an welchem Schreibtisch sie arbeiten. Am Abend schließt jeder seinen Laptop und alles, was sonst zum Arbeiten benötigt wird, einfach in den eigenen Spind.

Trotzdem folgt die Anordnung der Arbeitsplätze in den unterschiedlichen Zonen einem System: Das Kundenservice-Center befindet sich beispielsweise direkt neben der Home Zone des Marketings, sodass bei Bedarf schnell reagiert werden kann und man nicht erst umständlich zum Telefonhörer greifen muss. Außerdem stehen den Mitarbeitern spezielle Zonen für Projektarbeit zur Verfügung, in denen sie auf Zeit zusammenkommen, um konzentriert im Team zu arbeiten. So ist ein schneller Austausch im Projektteam auch bereichsübergreifend möglich.

Wohlfühlatmosphäre für alle

Ein weiterer Vorteil der flexiblen Arbeitsplätze: Es konnte viel Raum gewonnen werden. Statt großer Vorstandsbüros sollte der Raumgewinn aber den Mitarbeitern zugutekommen. In den großzügigen Eckräumen wurden daher besondere Themenzimmer eingerichtet: etwa ein Raum mit drei Massagesesseln, deren Nutzung über das Intranet gebucht werden kann, eine klassische, englische Bibliothek, eine Lavendel-Lounge, wo das Arbeiten in absoluter Stille – quiet working – möglich ist und in der es nicht erlaubt ist zu telefonieren, oder ein Safari-Büro, in dem man umgeben von einem Pflanzen-Dschungel auf einer Hollywoodschaukel einfach mal durchatmen und natürlich auch arbeiten kann.

Das Faszinierende: Alle Bereiche gehen offen ineinander über, Türen haben echten Seltenheitswert, und dennoch herrscht trotz der Offenheit eine angenehm ruhige Arbeitsatmosphäre. Anfängliche Bedenken der Mitarbeiter über einen zu hohen Geräuschpegel konnten in der Praxis schnell zerstreut werden, Teppiche dämpfen die Geräusche und man spricht automatisch leiser. Außerdem scheint es für jedes Arbeitsbedürfnis den perfekten Ort zu geben: Rückzugsmöglichkeiten zum konzentrierten Arbeiten sind genauso vorhanden wie traditionelle Meetingräume und Besprechungszonen, die mit Whiteboards und Präsentationsmonitoren oder Beamern perfekt ausgestattet sind und noch dazu aussehen, als wären sie einem modernen Möbelkatalog entsprungen. Auch die Kleidung der Mitarbeiter ist – ähnlich wie das unkonventionelle Einrichtungskonzept – für eine Bank überraschend leger, fällt mir bei meinem Rundgang auf. Steifer Anzug und Krawatte? Fehlanzeige. Dazu passt, dass seit einigen Jahren schon alle per du sind.

Aber es gibt noch mehr zu entdecken: Die Kantine macht den Eindruck eines hippen Stadtcafés, eine Dachterasse, auf der ausdrücklich auch gearbeitet werden darf, lädt im Sommer zum Verweilen ein, und die Temperatur wird in allen Räumen automatisch geregelt und konstant auf Wohlfühltemperatur gehalten. Für längere oder vertrauliche Telefonate gibt es auf jeder Etage außerdem „Telefonzellen“, in denen man ungestört telefonieren kann. Darüber hinaus hat das easyCredit-Haus feste „Öffnungszeiten“: Der Tag beginnt frühestens um 7 Uhr und endet spätestens um 20 Uhr. Dann schließen die Türen. Überstunden bis tief in die Nacht sind demnach nicht gewollt.

Mit der „Learning Journey“ auf Ideensuche
Während meines Rundgangs wird mir schnell klar, dass die TeamBank bei der Planung der zukünftigen Arbeitswelt ihre Hausaufgaben mehr als gemacht hat. Doch woher stammen all diese guten Ideen? Ich erfahre, dass man sich einerseits sehr viel bei anderen Firmen an- und abgeschaut hat, andererseits stammen viele Ideen auch direkt von den Mitarbeitern. Mit der sogenannten „Learning Journey“ hat das Unternehmen einen alljährlichen Wettbewerb ins Leben gerufen, um beide Inspirationsquellen zu verbinden. Der Gewinner des Wettbewerbs erhält ein Budget von 10.000 Euro sowie drei Wochen zur freien Verfügung, um sich bei innovativen Firmen weltweit für den eigenen Arbeitsbereich inspirieren zu lassen – manch ein Mitarbeiter soll es in dieser Zeit schon einmal komplett um den Globus geschafft haben. Die Erkenntnisse, die auf der Reise zu den unterschiedlichsten Unternehmen gewonnen werden, fließen dann wiederum in die Optimierung der TeamBank-Arbeitswelt und in den eigenen Tätigkeitsbereich ein.

Transparenz als Zauberwort
Damit der Umzug ins neue Gebäude und damit die Transformation der Arbeitswelt so reibungslos verlaufen konnte, wurden die Mitarbeiter von Anfang an in die langfristige Planung eingebunden. Bereits fünf Jahre vor dem Umzug hat sich ein eigenes Projektteam um den Change-Prozess gekümmert. Neben der Administration war aus jedem Bereich ein Vertreter miteingebunden, der die neuesten Informationen in den eigenen Bereich weitergetragen und Feedback mit zurückgenommen hat. Alle Mitarbeiter konnten außerdem über Umfragen im Intranet kontinuierlich am Entstehungsprozess mitwirken und eigene Vorschläge einreichen, eigens gedrehte Videos sollten mögliche Vorbehalte weiter reduzieren. Ein halbes Jahr vor dem Umzug wurden die neuen Prozesse schon im alten Quartier getestet und diskutiert, was später die Eingewöhnung wesentlich erleichterte.

Eine zentrale Frage vor dem Umzug war auch: Was passiert mit meinen ganzen Unterlagen und Ordnern, wenn ich keinen festen Schreibtisch mehr habe? Auf meinem Weg durch die Räume war mir schon aufgefallen, dass man auf den Schreibtischen das übliche Zettelchaos vergeblich sucht. Der Grund: Noch im alten Haus stellte sich nach der ersten Inventur heraus, dass viele Unterlagen in Papierform gar nicht mehr gebraucht wurden. Alles andere – sowohl existierende Dokumente als auch viele interne Prozesse – hat man kurzerhand digitalisiert. Zentrale Druckerstationen lassen einen außerdem zwei Mal überlegen, ob man eine E-Mail wirklich ausdrucken muss. Durch die neue Herangehensweise hat sich das  Druckvolumen um die Hälfte reduziert, was nicht nur die Kosten senkt, sondern auch noch gut für die Umwelt ist.

Schöne, neue Arbeitswelt
Das Konzept des neuen Arbeitens scheint aufzugehen: Während meines Rundgangs begegnen mir im ganzen Gebäude Menschen, die offensichtlich Spaß bei der Arbeit haben. Es wird viel gelacht und durch den offenen Charakter der Räume und die zusätzlichen Angebote findet wirklich viel Austausch statt. Was für andere Freizeit ist und sich nur jenseits der Arbeitszeit abspielt, gehört hier irgendwie dazu. Jeder kann frei für sich entscheiden, wie er die vielen Angebote in seinen Arbeitstag integrieren möchte: Den Tag im Fitnessstudio starten, sich nachmittags mit den Kollegen zum Kickern verabreden und abends vielleicht noch einen firmeneigenen Yoga-Kurs besuchen? In der neuen Arbeitswelt ist das Normalität.

Fest steht: Arbeit und Freizeit schließen sich zukünftig immer weniger aus. Nicht zuletzt im Kampf um hochqualifizierte Fachkräfte lassen sich Unternehmen einiges einfallen, damit sich die Mitarbeiter rundum wohlfühlen. Wer jetzt aber denkt, dass die vielen vermeintlichen Freizeitangebote ein Freifahrtschein zum Nichtstun sind, hat falsch gedacht. Trotz Vertrauensarbeitszeit müssen die Aufgaben bis zum Ende des Tages erledigt und die Ziele erreicht werden. Damit wird die Arbeit in Zukunft zwar nicht weniger, aber selbstbestimmter und flexibler. Für viele Chefs sicher ein Umdenken. Dass es aber funktioniert und sich lohnt, zeigt das Beispiel der TeamBank.

Die neue Arbeitswelt - im Palmendschungel ©TeamBank AG/easyCredit