Verkehrte, vernetzte Welt

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Die Sicherheit kritischer Infrastrukturen und Big Data sind die Hauptprotagonisten seiner Zukunftsromane. Darin flirten Realität und Fiktion so sehr miteinander, dass es einem unheimlich wird. Auf der DOAG 2014 + Ausstellung beschreibt Bestsellerautor Marc Elsberg Gefahren sowie Chancen der extremen IT-Abhängigkeit in unseren modernen Gesellschaften.

Die Sicherheit kritischer Infrastrukturen und Big Data sind die Hauptprotagonisten seiner Zukunftsromane. Darin flirten Realität und Fiktion so sehr miteinander, dass es einem unheimlich wird. Auf der DOAG 2014 + Ausstellung beschreibt Bestsellerautor Marc Elsberg Gefahren sowie Chancen der extremen IT-Abhängigkeit in unseren modernen Gesellschaften.

Sie sagen, dass das Internet Sie von Beginn an fasziniert hat. Was genau fasziniert Sie am World Wide Web?

Die Möglichkeit des Austauschs, der Kommunikation, der Freiheit.

Das Internet hat sich in Rekordzeiten demokratisiert. Es ist inzwischen zwar unverzichtbar, aber auch unglaublich trivial geworden. Übersehen die meisten Menschen die Vorteile aber auch die Gefahren, die durch diese extrem vernetzte Welt entstehen?

Ja, sie übersehen beides. Wobei ich „demokratisiert“ nur insofern unterstreichen würde, als immer mehr Menschen das Internet nutzen. Dagegen schwinden demokratische Verhältnisse in den zugrundeliegenden Strukturen des Internets – sie werden zunehmend von wenigen großen Playern wie Google beherrscht.

In Ihrem Buch "Blackout. Morgen ist es zu spät" schildern Sie einen totalen Stromausfall in Europa, der durch IT-Hacking verursacht wird. Steigt Ihrer Meinung nach die Verwundbarkeit eines Systems mit seiner zunehmenden Vernetzung?  

Nicht notwendigerweise. Das hängt davon ab, wie das System gestaltet ist. Ansätze wie etwa jener der Multiagentensysteme schaffen womöglich eine geringere Verletzlichkeit.

Ihr neuer Big-Data-Thriller "Zero" thematisiert den gläsernen Menschen. Wenn wir uns die derzeitigen Trends anschauen, sind wir mittendrin. Können wir es noch stoppen? Wollen wir es? Es ist doch so bequem…

Es geht nicht darum, die Technologie zu stoppen sondern darüber nachzudenken, wie sie unsere offene, demokratische, rechtsstaatliche Gesellschaft erhalten und voranbringen kann, statt das dadurch geschaffene Wissen – und damit die Macht über uns alle – in wenigen Händen von Großkonzernen, Behörden und Geheimdiensten zu konzentrieren. Es sei denn, wir wollen unter einem solchen Oligopol leben. Ich persönlich ziehe eine möglichst freie Gesellschaft vor.

In Nürnberg werden Sie ausgerechnet diesen IT-Experten gegenüberstehen, von denen Sie mal in Bezug auf Ihr neues Buch Zero gesagt haben, dass sie die Welt steuern werden. Was möchten Sie ihnen mitteilen?

Wer sich selbst privat und beruflich nach seinen eigenen Vorstellungen entwickeln will, kann das am Besten in einer freien, offenen Gesellschaft. Deshalb sollte diese jeder nach seinen Möglichkeiten fördern – in diesem Fall vor allem durch die Entwicklung und Implementierung dafür geeigneter IT-Systeme und -Anwendungen.