Du bist bereits seit 1995 als Entwickler tätig. Wie fing das damals bei dir an?
Ich hatte ein stark vergeigtes Chemiestudium hinter mir. Nach einem längeren Praktikum nahm ich ein Informatikstudium auf, das mir offensichtlich deutlich mehr lag. Als Student habe ich dann mein erstes Geld als HiWi mit Softwareentwicklung verdient. In meiner Diplomarbeit war ich mit Oracle RDBMS und Forms unterwegs. In dem gleichen Projekt habe ich danach ein Jahr gearbeitet. Mit dem Satz "Oracle Anwendungsentwickler hat noch Kapazitäten frei" habe ich dann das Tor zu 10 Jahren Selbstständigkeit geöffnet.
Wie und wann bist du auf die DOAG aufmerksam geworden?
Nachdem ich erkannt hatte, dass die Selbstständigkeit meiner Entwicklung nicht guttat, habe ich 2005 bei der CGS in Festanstellung angefangen. Während ich vorher zu 110 % in Projekten versunken war, bekam ich plötzlich eine deutlich andere Sicht auf die Dinge. Mit meinen Kenntnissen konnte ich hier die ganze Firma voranbringen. Da lohnte es sich plötzlich viel mehr, mal nach rechts und links zu schauen und diese Kenntnisse auszubauen. Ich erinnere mich noch an mein erstes Regio-Treffen, in der Hermes Lounge der Hannover Messe AG, ganz oben im Messeturm, sehr beeindruckend, interessante Vorträge und ein ganzes Dutzend Leute, die sich mit dem gleichen Zeug beschäftigen wie ich. Von da war es bis zum ersten Expertenseminar und Konferenzbesuch nicht weit.
Im April 2023 hast du die Nachfolge von Niels de Bruijn als DOAG Vorstand Development und Leiter der Development Community angetreten. Wie hast du die ersten Monate als Vorstand erlebt?
Der Start war tatsächlich weniger furchtbar, als ich befürchtet hatte. Die Übergabe war super und Niels hat sich in den ersten Monaten noch um einiges gekümmert. Außerdem arbeitet die Community gut von allein, ich muss mich tatsächlich nur um das Zeug im Vorstand kümmern und dafür sorgen, dass keine Steine im Weg liegen. Ich hatte von dem ersten Real Life Meeting der Developer Community schon Respekt, da ich so etwas zwar schon häufig mit, aber noch nie als Verantwortlicher durchgeführt hatte. Aber es war im Vorfeld super organisiert und so war meine größte Herausforderung, im Großstadtdschungel mit dem ÖPV klarzukommen.
Wo siehst du in den kommenden Jahren die größten Herausforderungen für die DOAG und deine Community?
Wir haben die Quadratur des Kreises vor uns. Unsere Basis im Verein besteht zum großen Teil aus Firmen und Menschen, die eine Affinität zu Oracle-Themen aufweisen. Die haben das berechtigte Interesse, dass wir in ihrem Sinne Vereinsarbeit leisten. Aber die Relevanz von Oracle wird geringer und ein aussterbender Verein nutzt niemandem. Wir müssen also auch die aktuellen Themen bespielen, wobei beides gleichzeitig zu tun, nicht einfach ist. Der Development Community kommt da eine besondere Rolle zu. Einerseits sind wir mit vielen unserer Themen nah an Oracle, als Entwickler ziehen wir aber auch viele jüngere Menschen an. Damit können wir ein Bindeglied zwischen den Welten sein.
Du bist außerdem Themenverantwortlicher Green Coding. Inwieweit ist das Thema Nachhaltigkeit aus deiner Sicht bereits im Bewusstsein der Entwickler angekommen?
Das Thema Nachhaltigkeit an sich ist bei vielen Entwicklern schon mehr oder weniger präsent. Allerdings denken die meisten dabei eher an Dinge wie "Grüner Strom" für Rechenzentren. Viele glauben, als Entwickler hätten sie sowieso keinen Einfluss. Entwickler mit guten DB-Kenntnissen wissen häufig auch, dass schlechte Performance und Energieverbrauch meist Hand in Hand gehen. Und dass jeder Block, der aus einer Datenbank geholt wird, den Energiebedarf der Software erhöht. Green Coding fängt aber bei der Entwicklung der Software an, bedenkt man z. B. den Carbon Footprint von Google- und Stackoverflow-Abfragen oder gar von KI-gestützten Hilfswerkzeugen. Zu allem Überfluss ist Green Coding keine exakte Wissenschaft. Je nach Berechnungsverfahren unterscheiden sich Ergebnisse um bis zu Faktor 50, was Vergleiche zu einer Herausforderung macht.
Mit welchen Themen beschäftigt ihr euch innerhalb der Development-Community aktuell am meisten?
Technisch gesehen beschäftigen wir uns gerade viel mit APEX, JavaScript und PL/SQL. Das liegt daran, dass die APEX connect vorbereitet werden muss. Außerdem ist bei uns auch Oracle Forms ein wichtiges Thema. Dazu kommen dann die anderen Veranstaltungen wie unsere Dev Talks und demnächst fangen die Vorbereitungen für die Konferenz im November an. Ansonsten sind wir dabei, uns den modernen Development-Themen weiter zu nähern. In diesem Jahr feiert die APEX connect ihr zehnjähriges Jubiläum.
Worauf freust du dich besonders bei der anstehenden Konferenz?
Ich glaube am meisten freue ich mich darauf, viele nette Menschen wiederzutreffen, die ich lange nicht mehr gesehen habe. Obwohl ich mich als Vorstand eher auf andere Dinge konzentrieren muss, wird es mit Sicherheit auch tolle Vorträge geben, die ich mir anhören kann. Außerdem freue ich mich auf den Solutions Stream, den wir dieses Jahr erstmals im Programm haben. Ich glaube, der wird bei den Teilnehmern gut ankommen.
Arne, vielen Dank für das Gespräch.
"Wir können ein Bindeglied zwischen den Welten sein" – Interview mit Arne Hattendorf
In unserem Interview blickt der neue DOAG Vorstand Development Arne Hattendorf zurück auf seine Anfänge bei der DOAG und geht auf die kommenden Herausforderungen des Vereins und insbesondere der Development Community ein.


